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Highland Games : Bringt herein die Pfeifen und Trommeln!

Die Queen, amused. In der langen Geschichte ihrer Regentschaft ließ sie sich das Gathering in Braemar nur viermal entgehen. Bild: Getty Images

Die Schotten pflegen eine ganz besondere Art des Sportfests. Und das Braemar Gathering steht an der Spitze der Highland Games - auch, weil es mit Königin Elisabeth II. eine ganz besondere Schirmherrin hat.

          Gibt es einen typisch israelischen Humor? Diese Frage stellte sich vor fünfzig Jahren der Satiriker Ephraim Kishon. Seine Geschichte handelt davon, dass er als Vortragender nicht in den Vortragssaal eingelassen wird und wie er alle Hindernisse überwindet, um am Ende doch ans Pult zu treten. Zum Braemar Gathering kann man einfach hinfahren, einen Platz zum Zuschauen findet man immer. Die übertragene Frage nach dem schottischen Humor stellt sich aber nicht erst am Ende eines langen Wettkampftages ein: Worin denn der Spaß einer solchen Veranstaltung im Innersten besteht?

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Wer nach Highland Games sucht, stößt allein beim schottischen Fremdenverkehrsamt auf eine Liste von 94 Veranstaltungen zwischen April und September. Das Braemar Gathering sticht insofern hervor, als es nicht nur eines der ältesten und größten ist, sondern auch eines mit königlichem Etikett. Vermutlich 1832 zum ersten Mal abgehalten, diente das Gathering immer auch als Benefizveranstaltung, um Geld für die Armen zu sammeln. 1848 reiste zum ersten Mal die Nachbarin an - Königin Victoria kam die zwanzig Kilometer aus ihrer Sommerresidenz Balmoral Castle herüber.

          Die Queen fehlte nur viermal

          Später übernahm sie die Schirmherrschaft, weswegen das stets am ersten Septembersamstag stattfindende Fest sich „Braemar Royal Highland Gathering“ nennen darf. Königin Elisabeth II. hat diese Tradition fortgesetzt und mit der Thronbesteigung 1952 das Patronat übernommen. Natürlich war sie auch davor schon als Kind mit ihren Eltern hier: In den vergangenen sechzig Jahren fehlte sie nur viermal. Auch in diesem Jahr war sie dabei: Tradition und Sympathie in Personalunion. In den Sonntagszeitungen taugt die Queen beim Braemar Gathering noch immer als Bild für die Titelseite.

          Wenn es regnet oder schneit, ist es Sommer-Urlaubszeit. Der Sommer geht im nordöstlichen Schottland spätestens mit dem Tag des Braemar Gatherings zu Ende. Aber was heißt schon Sommer. Es hat am Samstag entgegen jeder Vorhersage so gut wie nicht geregnet. Alle Kilt-Träger haben beste Laune, kein Wunder: Ihre ganze Welt schaut auf sie an diesem Tag, dazu eine fünfstellige Besucherzahl. Darunter etliches Touristenvolk, deutsche Dauergäste, Italiener, auch Russisch kann man hören. Im Grunde aber ist es natürlich ein Volksvergnügen für die Einheimische, zu Eintrittspreisen von zwölf Euro an. „German Bratwurst“ gibt es auch zu kaufen, Erdbeeren mit Sahne sind sowieso obligatorisch.

          Drei Korbstühle für die Royals

          Von Aberdeen aus, dem nächstgelegenen Flughafen, der von Deutschland aus in zwei Stunden erreichbar ist, sind es neunzig Kilometer das Tal des Dee hinauf. Sehr beschaulich, dünn besiedelt, alle zwanzig Kilometer ein Dorf oder eine kleine Stadt, Banchory, Aboyne, Ballater, dann taucht zur Linken Schloss Balmoral auf, das wenig mehr zeigt als seine Turmspitze; besichtigen kann man ohnehin nur die Gärten. Höher und höher steigt die Straße, der Granit, aus dem ganz Aberdeen gebaut ist, tritt zutage. Die Ackerflächen werden weniger, Föhren und Heidekraut verraten die Kargheit des Bodens, Schafe und Rinder, zierliche Hängebrücken überspannen den Gebirgsfluss.

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