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Highland Games : Bringt herein die Pfeifen und Trommeln!

Robbie Shepherd, Mitglied des Ordens des Britischen Empires, hält eine kurze Begrüßungsrede, in der er auch auf den Umstand eingeht, man begrüße jetzt eine Urgroßmutter, worüber sich alle freuten. Und da ihr Enkel Prinz William den Neugeborenen bekanntlich einen „rascal“ (Frechdachs) genannt hat, verwendet der Redner das Dialektwort dafür. Auf Doric, so heißt das Nordost-Schottische, sei er „a wee ill-trickit nickum“. Was das Gleiche wie im Englischen bedeutet, aber doch entschieden humorvoller klingt.

Die geheimen Stars des Highland Fling

Folgt die Nationalhymne, solo gesungen und über Lautsprecher. Die Zuschauer singen nicht mit, vielleicht gehört sich das nicht mehr, oder sie kennen den Text nicht? Die Queen dankt, ohne Lautsprecher, denn übertragen wird kein einziges ihrer Worte, die sie an den Lord Lieutenant von Aberdeenshire, dessen Frau und später an die von ihr geehrten Sieger richtet. Das ist ebenso persönlich wie der ganze Besuch. Denn es handelt sich nicht um ein „royal engagement“, sondern um eine reine Privatsache, weshalb Braemar auch nicht im offiziellen Kalender des Königshauses auftaucht.

Was sieht die Königin? Ein Ritual, das seit Jahrzehnten im Kern unverändert ist. Was bedeutet das? Dass sie im Rahmen ihrer Aufgabe dazu beiträgt, die Aufrechterhaltung der Tradition zu sichern. Auf der Bühne tanzen seit Beginn der Veranstaltung in einer ununterbrochenen Kette Mädchen und Jungen mit gereckten Armen die federnden Volkstänze des Hochlands, von der Schrittfolge her wenig variantenreich, aber konditionell fordernd. Die Tänzer sind die geheimen Stars des Tages. Sie zeigen unter den Augen eines Schiedsgerichts die diversen Formen des Hochland-Tanzes, darunter den Highland Fling, Seann Truibhas und Hulachan.

Die Königlichen sehen außerdem ein Sackhüpfen über die Distanz von hundert Yards, das insofern sehr lustig ist, als das führende Mädchen deswegen führt, weil sein Sack Löcher hat und es beinahe laufen kann. Kurz vor dem Ziel verheddert es sich, stürzt und wird von der Konkurrenz überhüpft, was zur Erheiterung des Publikums beiträgt. So ähnlich wird das auch 1952 ausgesehen haben.

Nur drei Meter von den Untertanen entfernt

Eine gute Stunde bleibt die Monarchin, dann fährt der Bentley wieder vor, und mit einer Ehrenrunde, bei der sämtliche teilnehmenden Piper-Gruppen voranmarschieren, geht es im Schritttempo hinaus aus der Arena. Früher, erzählt ein Vereinsmitglied, sei eine Kutsche üblich gewesen, aber Elisabeth wollte näher am Volk sein und musste deswegen tiefer sitzen. Und sehr zum Verdruss der Sicherheitsleute öffnet sie gelegentlich auch das Fenster, um zu winken. Keine drei Meter ist sie da von ihren Untertanen entfernt. Das mögen die Leute. Und auch diesmal zeigt sie ihr strahlendstes Lächeln bei ihrem schottischen Heimspiel.

Mit dem Aufbruch der Königlichen Familie kommt auch für viele Zuschauer das Signal, den Heimweg anzutreten - obwohl die Spiele noch nicht zu Ende sind. Nach acht Stunden dieses Zuschauerausdauersports ist das aber vielleicht eine verzeihliche Schwäche. Irgendwann hat man dann schon verstanden, wie das Seil gezogen werden beziehungsweise der Baumstamm geschleudert werden und fallen muss, um für Verzückung zu sorgen - nämlich möglichst parallel zur weißen Linie.

Ephraim Kishon hat seinerzeit seine rhetorische Titelfrage so beantwortet: Es gibt ganz entschieden einen israelischen Humor. Nach dem Ende des Braemar Gathering muss man sagen, dass Gleiches auch für Schottland gilt.

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