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Highland Games : Bringt herein die Pfeifen und Trommeln!

Die Luftwaffe beim Tauziehen

Über den seltsamen Wettkämpfen, die mit einem traditionsbewussten Ernst ausgetragen werden, liegt für den Besucher vom Kontinent ein sportgeschichtlicher Schleier des Unwissens, mag er auch nicht so dicht sein wie im Fall von Cricket. Eigentümlich sind die Disziplinen: Steine werden gestoßen, Kugeln an Stöcken, die sich Hammer nennen, geschleudert. Ebenso wie eiserne Klötze, die eine Kette mit einem Griff verbindet - das Ganze erst beidhändig, dann einhändig, alles in sich steigernden Gewichtsklassen. Dementsprechend bullig sind die Schwerathleten. Ihre Aufmachung ist recht individuell. Zu Sportschuhen aller Farben kommen teilweise neongrelle Stützstrümpfe, dann ein traditioneller Kilt und drüber das T-Shirt mit dem Werbespruch des Sponsors.

Es geht auch anders, die „Tug of War“-Mannschaften beweisen es: Sie sind einheitlich im Dresscode ihres Regiments, denn hier ziehen Soldaten von Luftwaffe, Heer und Marine an einem Seil. Die Welsh Gunners gegen 26 RA von der Luftwaffe: Die Regiments-Mannschaften werden in Zweierreihen und im Gleichschritt zu den Wettkampfstätten von Stewards geführt, das klappt alles wie am Schnürchen. Mit ihren Spezialschuhen aus Hartplastik wühlen sie die federnde Grassode auf. Ein Kräftemessen ebenso simpel wie begeisternd und kräftezehrend, weil viele Runden zu überstehen sind, bis am Nachmittag die Finalisten feststehen.

Die Stars des Gatherings: Tänzerinnen beim Highland Fling. Oder beim Seann Truibhas. Oder beim Hulachan.

A warm welcome für die Baumstammstoßer

So geht das hin, wie an einem unsichtbaren Faden gezogen, werden neunundsechzig Programmpunkte abgearbeitet, von einem Stadionsprecher unaufdringlich freundlich kommentiert und diskret befeuert. Keine künstliche Ekstase wie in Fußballstadien. „A warm welcome“ erbittet er, das mit höflichem Applaus geliefert wird. Eine routinierte Choreographie sorgt dafür, dass sich den immer zahlreicher herbeiströmenden Zuschauern eine Arena bietet, in der gleichzeitig im Hundert-Meter-Lauf, Seilziehen, Schwerttanz, Steinstoßen, Langstrecke, Hochsprung und Baumstamm-Stoßen konkurriert wird.

Um die Mittagszeit haben die Spiele Betriebstemperatur erreicht, um Punkt 12 Uhr kommt es zum ersten „Massed Pipe Bands Display“, das heißt, alle angetretenen Kompanien marschieren in Zehnerreihen auf. Ein paar hundert schwarz betresste Dudelsackbläser, Pauker und Trommler - ein beeindruckendes Spektakel. Jetzt versteht man, warum der Dudelsack üblicherweise nicht in geschlossenen Räumen gespielt wird. Danach steht der Berglauf in den Kategorien „Open“, „Ladies“, „Local“ und „Veterans“ auf dem Programm: Der Rekord über die zwei Meilen hält nun schon seit dreißig Jahren. Mit großem Abstand stolpern die letzten Läufer den Hang herab und schleppen sich unter aufmunternden Zurufen über die letzten hundert Meter.

A wee ill-trickit nickum

Um 14 Uhr müssen Presseleute die Arena verlassen, weil die königliche Familie im Anmarsch ist. Womit der Tag auf seinen gesellschaftlichen Höhepunkt zusteuert. Erst jetzt, auf den letzten Drücker, füllen sich die teuren Tribünenplätze. Noch einmal wird der Royal Pavillon gesaugt, um halb drei Uhr ein Spürhund durchgeführt. Die Wettkämpfe gehen weiter, aber der Stadionsprecher wird immer wortkarger. Gegen 15 Uhr fährt ohne große Umstände eine weinrote Bentley-Staatskarosse ein, gefolgt von einem Range Rover. Keine Polizeifahrzeuge, keine Leibwächter, jedenfalls keine sichtbaren. Die Queen entsteigt mit Mann und Sohn dem Fahrzeug. Rosafarbener Mantel und Hut, ähnlich wie im Vorjahr, dazu schwarze Handschuhe. Applaus setzt ein, der aber verhalten höflich bleibt.

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