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Highland Games : Bringt herein die Pfeifen und Trommeln!

Im Dorf Braemar ist alles geputzt, die Parkplätze sind gemäht, die Polizei steht bereit für den wichtigsten Tag des Jahres. Wenn um neun Uhr morgens die Tore zum Princess Royal and Duke of Fife Memorial Park geöffnet werden, haben schon die ersten Schaulustigen Zelte an der Stelle aufgeschlagen, die ihnen einen Blick von schräg hinten durch die Seitenfenster in den Royal Pavillon gewährt. Der ist nicht mehr als eine offene Hütte, die ein paar Stuhlreihen birgt, vorne in der Mitte drei Korbstühle, einer für die Queen, ihren Mann, den Prinzen von Edinburgh, und ihren Sohn Charles. Camilla fehlt.

Musik oder Tinnitus? Nach einem Tag wird jede noch so gute Pipeband anstrengend.

Alle Aktiven tragen Röcke

Wie stets auf den Britischen Inseln ist an der Kleidung der Zuschauer nicht ablesbar, in welcher Jahreszeit sie sich wähnen: Shorts, T-Shirts und Ballerinas an nackten Beinen sind ebenso vertreten wie Pelzkragen, Parker, Wollmützen und Fleecehandschuhe. Die Herren vom Organisationskomitee tragen Kilt und Krawatte, und kein Wetter dieser Welt würde daran etwas ändern. Wie gesagt: Die BBC hatte vor Starkregen gewarnt, sehr eindringlich sogar, aber wie so oft hat sich das örtliche Wetter nicht daran gehalten; um die Mittagszeit sticht die Sonne recht deutlich, gleißen die Hänge rund um die Festwiese im goldenen Heidelicht.

Um 9.30 Uhr beginnt nach kurzen Eröffnungsworten ein seltsames Spektakel: Eine Mischung aus Bundesjugendspielen, Leichtathletik-Meisterschaften, Musikfestival und Trachtenmodenschau. Um Geld geht es auch: Den Wettkämpfern winken gestaffelte Preise zwischen zehn und fünfhundert Euro für Podestplätze. Die Mädchen sprinten in Jeans, die Knaben in Pfadfinderuniform - und also im Rock, so wie eigentlich die meisten Aktiven Röcke tragen, außer beim Tauziehen und Laufen. Wie alt die Tradition der Highland Games wirklich ist, ob sie, wie manche behaupten, schon seit dem achten Jahrhundert existieren, überlassen wir an dieser Stelle der Forschung. Gefühlt sind sie nicht älter als die Erfindung der Gebirgstrachtenvereine in den Alpen, mithin ein Produkt des neunzehnten Jahrhunderts.

Irgendwo wird immer gedudelt

Gibt es ein typisch schottisches Geräusch? Unbedingt. Und wie viele Töne kann man mit einer Great Highland Bagpipe erzeugen? Neun, sagt das Konversationslexikon, und man glaubt es umstandslos. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch Zeitgenossen, die - wie der Autor - dem Instrument Sympathie entgegenbringen, werden einem gewissen Abnutzungseffekt nicht entkommen, scheint es doch im Grunde nur eine Melodie zu geben - was natürlich nur dem ungeübten Hörer so vorkommt.

Lange bevor die erste Pipe Band ins Rund marschiert, hört man ihn: den näselnden Ton des Dudelsacks, und zwar aus allen möglichen Ecken, weil sich zwischen den parkenden Autos Musiker einspielen. Die unnachahmlich jammervoll und zugleich stolzen Pfeifen vereinigen sich dann im Widerhall zu einem schwebenden Klangteppich, der den ganzen Tag nicht mehr aufreißt, weil immerzu irgendwo im weiten Rund gedudelt wird, und wenn es nur der Spieler ist, der neben der Tanzbühne steht und die Tänzer begleitet. Noch Stunden nach dem Ende des Gatherings kam es einem so vor, als habe man das Geräusch im Hinterkopf. Oder Verdacht auf Tinnitus.

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