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Deutschland per Rad : Martyrium mit Handkäs und Musik

  • -Aktualisiert am

Auch die Profis leiden: der Peloton im Taunus beim Henninger-Turm-Rennen am 1. Mai 1999. Bild: picture-alliance / dpa

Hessens Kultstrecke des Radsports: Bei einer Tour über den Großen Feldberg im Taunus kann sich jeder Amateurrennfahrer für ein paar Stunden wie Dietrich Thurau oder Erik Zabel fühlen.

          8 Min.

          Es war am Tag des Radrennens: Nach zwei Jahren Pause wegen der Pandemie fand am 1. Mai wieder die klassische Rundfahrt von Frankfurt in den Taunus statt, die vor sechs Jahrzehnten als „Rund um den Henninger-Turm“ begonnen hatte und seither als wichtigstes deutsches Eintagesrennen unter wechselnden Namen stattfindet. Zwar wurde das Rennen in diesem Jahr wieder einmal im Sprint vor der Alten Oper entschieden, doch das eigentliche Spektakel fand wie immer im Taunus statt, in dem sich die Fahrer den Mammolshainer Berg und die lange Anfahrt zum Großen Feldberg hinaufquälten. Und in diesen Momenten fiel dann vor dem Fernsehschirm auch die Entscheidung: Es wird höchste Zeit, statt der gemütlichen Touren an Rhein, Main und Nidda wieder einmal selbst die radsportliche Kultstrecke am Großen Feldberg in Angriff zu nehmen. Also haben wir das verwaschene Trikot mit dem Schachbrettmuster und dem Logo des französischen Fahrrad- und Autobauers im Schrank gesucht, aber nicht gefunden, dafür Helm und gelbe Warnweste bereitgelegt, Bremsen justiert, Reifen aufgepumpt, die Kette ordentlich geölt, und schon waren die fundamentalen Voraussetzungen erfüllt – einfach genug. Die Fahrt selbst würde dafür umso schwieriger werden.

          Erst einmal den Strampelrhythmus finden

          Zwar ist der Große Feldberg kein Gebirgsriese, aber als Kultberg und Legende des Radsports hat er in Deutschland wenig Konkurrenz. Jenseits der Grenzen sieht das ganz anders aus. Der finale Anstieg über einundzwanzig Serpentinen auf der Etappe nach Alpe d’Huez ist ein wiederkehrendes Ritual während der Tour de France und längst ein radsportlicher Mythos. Nicht minder berühmt sind die Kletterpartien zur Passhöhe des Col du Tourmalet in den Pyrenäen oder auf den kahlen, windumtosten Gipfel des Mont Ventoux in der Provence, auf denen sich auch gern ehrgeizige Nachahmer von Etappensiegern wie Bernard Thévenet, Marco Pantani oder Chris Froome tummeln. Die Italiener wiederum verfügen beim Giro d’Italia über den Mortirolo in der Lombardei und den Monte Zoncolan in den Karnischen Alpen. Die Spanier haben vor zwei Jahrzehnten in ihre Vuelta den wohl brutalsten Anstieg im Radsport eingebaut: den Alto de l’Angliru in Asturien mit einer Passage von fast vierundzwanzig Prozent Steigung. Auf dieser berüchtigten Bergtour haben Amateure nichts zu suchen, denn sogar die Spitzenfahrer müssen ihre Ketten mit einer besonderen Übersetzung ausstatten, um überhaupt oben anzukommen. Im Vergleich dazu erscheint der Feldberg wie ein Kinderspiel, wenngleich nicht für jeden.

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