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Hamburger Innenstadt : Die Zukunft heißt 2040

  • -Aktualisiert am

Mit voller Fahrt voraus: das Bürogebäude Dockland im Hamburger Hafen an der Elbe. Bild: F.A.Z.

Von Fliesenfragmenten und Gentrifizierung: Eine Zeitreise durch die Hansestadt auf den Spuren der Großmutter unseres Autors.

          11 Min.

          Die Obsttorten im Café Möwennest in der Jorker Yachthafenstraße, in leise vor sich hin summenden Kühlvitrinen präsentiert wie empfindliche Ausstellungsstücke, sind beeindruckende Kreationen aus Creme, Quark und Baiser; dazu überladen mit Früchten. Nun liegt Jork auch im Alten Land, dem zweitgrößten Obstanbaugebiet Europas. Dieser saftige und sahnige Reichtum an Obsttorten, und es gibt sie hier zu dieser Jahreszeit überall, erinnert an die Jahre des Wirtschaftswunders, als sich die karge Nachkriegszeit plötzlich in ein Schlaraffenland zu verwandeln schien und unter anderem üppig dekorierte Torten diesen neuen Wohlstand repräsentierten. Wir sitzen auf dem Deich vor dem Möwennest, betrachten das Schild mit der Aufschrift „Selbstbedienung“ und schauen hinunter auf den kleinen Hafen des Altländer Yachtclubs e. V., in dessen Becken Segelboote dümpeln. Das Wasser ist schlammbraun. Es ist die Hahnöfer Nebenelbe, die sich recht schnell in Richtung Hamburg hinaufschiebt. Es ist Flut.

          Schließt man die Augen, kann man in der betörenden Geräuschkulisse eines sonnigen Ausflugtags versinken: Gelächter, Fahrradgeklingel, Geschirrgeklapper, das Geschrei der Möwen und aufgeregtes Kindergeplapper. Manchmal tutet in der Ferne ein Schiff. Man kann sich aber auch unten am Ufer ins Dickicht schlagen. Einen Strand gibt es nicht, die Bäume wachsen bis ans Wasser heran. Zwischen ihren Wurzeln liegen Backsteine herum, und zwischen denen wiederum leuchten farbige Scherben. Das hellblaue Fragment einer Fliese, ein Stück zerschmolzenes Glas, der Rest einer Kaffeetasse, ein Stück grünliches Pressglas, eine rosafarbene Scherbe, die man sich sofort in einem Badezimmer vorstellen möchte. Hält man die Scherben in die Elbe und ist der Dreck des Bodens abgespült, funkeln sie im Sonnenlicht; ein schönes Bild. So heiter wie dieser Ausflug ins Alte Land.

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