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Haiangriffe : Kokosnüsse sind gefährlicher

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Beisst meist nicht richtig zu: der Hai Bild: dpa

Die wahre Gefahr des Meeres scheint von Haien auszugehen. Doch falsch: am tropischen Strand ist die Gefährdung durch herabfallende Kokosnüsse größer.

          2 Min.

          Haifische sind die Kampfhunde der Meere: Ihr Anblick versetzt die meisten Menschen in Angst und Schrecken. Jahr für Jahr steigt während der Badesaison an den Stränden der USA die Angst, von einem zähnefletschenden Fisch angegriffen zu werden. Experten halten die Panik für maßlos übertrieben. „Es ist wahrscheinlicher, von einer herabfallenden Kokosnuss getötet zu werden, als durch einen Hai-Biss“, sagt Robert Hueter, Direktor des Hai-Forschungszentrums von Sarasota im US-Bundesstaat Florida.

          Hueter warnt vor einer Panik wie im vergangenen Jahr, als Medien mit dem Thema das Sommerloch stopften. Fernsehbilder suggerierten, die Tiere lauerten nur darauf, Menschen zu killen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung von Mensch und Hai laut Experten äußerst gering. Die Wahrscheinlichkeit, von einem Hai angegriffen zu werden, betrage sogar nur eins zu zehn Millionen, sagt Hueter. Und in Lebensgefahr gerieten die Opfer nur selten. Die wenigsten Wunden seien schlimmer als Hundebisse, resümiert die Internationale Haifisch-Datenbank (ISAF).

          Mit dem weißen Hai begann die Hysterie

          Im Jahr 2000 wurden weltweit 85 Angriffe mit zwölf Todesfällen verzeichnet. Im vergangenen Jahr registrierte die ISAF weltweit 76 Hai-Angriffe, von denen fünf zum Tod führten. In den Vereinigten Staaten wurden 2001 demnach 55 Angriffe notiert, davon 37 in Florida. Drei Fälle endeten tödlich. Zum Vergleich: Jedes Jahr werden weltweit durchschnittlich 150 Menschen an Stränden von einer herabfallenden Kokosnuss erschlagen.

          Doch Fernsehbilder und Katastrophenfilme hinterlassen einen anderen Eindruck: „Es ist ganz klar, dass die Ängste durch den Film 'Der weiße Hai' von Steven Spielberg ausgelöst wurden“, sagt der renommierte Hai-Experte George Burgess. Doch auch die Wirklichkeit jagt den Menschen Angst ein: Als ein Hai vergangenen Sommer im Golf von Mexiko einem achtjährigen Jungen einen Arm abbiss, flogen Fernsehteams umgehend mit Hubschraubern die US-Küsten ab und sendeten Live-Bilder von vermeintlich bösen Meerestieren, die allerdings seelenruhig im kristallklaren Wasser schwammen. Der Junge hatte Glück und überlebte - doch die Hysterie war bereits ausgebrochen.

          Empfehlung: Zurückschlagen

          Die Angriffe in den USA warfen die Frage auf, ob die Fische sich vielleicht vermehrt hätten oder ob sie aggressiver geworden seien. Aber auch das verneinen die Kenner. „Die Population geht zurück, 20 bis 100 Millionen Haie werden jedes Jahr von Menschen getötet“, sagt Hueter. Und aggressiv würden die Tiere nur, wenn sie provoziert würden. 60 Prozent der Verletzten sind laut Burgess Surfer. Die seien selbst Schuld, wenn sie mit ihren Brettern in weite Gewässer vordrängen und die Haie nervös machten, sagt er.

          Hueter empfiehlt, bei einem Angriff zurückzuschlagen. „Vielleicht merkt der Hai dann, dass er einen Fehler begangen hat.“ Grundsätzlich müssten gewisse Regeln eingehalten werden. So solle möglichst in Gruppen gebadet werden, weil Haie sich lieber an einzelnen Schwimmern vergreifen. Schmuck solle abgenommen werden, da die Tiere ihn mit glitzernden Fischen verwechseln könnten. In Gewässern, in denen gefischt werde, solle ein Bad vermieden werden. Auch mit blutenden Wunden oder während der Menstruation empfehle es sich, an Land zu bleiben. Am besten sei es, in Küstennähe zu bleiben und sich ruhig zu verhalten, empfiehlt Hueter.

          Der Hai-Experte ist sich allerdings recht sicher, dass in diesem Jahr keine Medienhysterie während des Sommers droht: „Sie werden merken, dass nach dem 11. September kaum noch von Haien die Rede ist.“

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