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Urteile zum Reiserecht : Große und kleine Katastrophen

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Ist Corona eine Naturkatastrophe? Und welche Ansprüche haben Fluggäste, die von Hamburg nach Hannover umgeleitet werden? Gerichte in München und Luxemburg kennen die Antworten.

          2 Min.

          Die Corona-Pandemie kann nicht als „Naturkatastrophe“ gewertet werden. Deshalb muss eine Reiseabbruchversicherung auch nicht zahlen, falls eine Reise wegen des Virus vorzeitig beendet wird. Das hat das Amtsgericht München entschieden (Aktenzeichen: 275 C 23753/20). Im verhandelten Fall ging es um zwei Urlauber, deren Rückflug aus Sri Lanka nach Deutschland wegen Corona gestrichen wurde. Sie buchten auf eigene Kosten einen Ersatzflug und wollten von ihrer Versicherung die Mehrkosten in Höhe von 3610 Euro erstattet bekommen. Doch vor Gericht scheiterten sie damit. Der Versicherer habe zwar in seinen Bedingungen den Reiseabbruch wegen einer Naturkatastrophe als Versicherungsfall anerkannt und trage dann die anfallenden Mehrkosten für die Rückreise. Corona sei aber keine Naturkatastrophe und damit kein Versicherungsfall, urteilte die zuständige Richterin am Amtsgericht und gab dem Versicherer Recht. Eine typische Naturkatastrophe tritt für das Gericht lokal und zeitlich begrenzt auf und bringt „unmittelbare physische Auswirkungen“ mit sich. Die Gefahr durch das Coronavirus bestehe jedoch viel länger und werde „aufgrund seiner dezentralen Entwicklung noch länger eine Gefahr darstellen“. Corona, so das Gericht weiter, wirke „insbesondere auf das öffentliche Leben“, weil wegen der Pandemie staatliche Schutzmaßnahmen ergriffen würden. Die Corona-Folgen sind also – je nach Art der nationalen Schutzkonzepte – an verschiedenen Orten unterschiedlich. „Kennzeichen für eine Naturkatastrophe ist aber, dass sie an jedem Ort die gleichen Auswirkungen hätte“, befindet das Amtsgericht. Deshalb sei Corona „kein versichertes Ereignis“ – und deshalb bleiben die Urlauber hier auf ihren Mehrkosten sitzen. wog

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