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Junges Holland : Warum die Menschen in Groningen so glücklich sind

  • -Aktualisiert am

Der Preis der Pittoreske ist oft Musealität. In Groningen aber stehen sich Schönheit, Lebendigkeit und Lebensqualität gegenseitig nicht im Weg. Bild: Franz Lerchenmüller

Groningen ist die Stadt in den Niederlanden mit der jüngsten Bevölkerung. Es hat die schönsten Einkaufsstraßen und die glücklichsten Bewohner. Nur gut, dass auch für Besucher einiges abfällt.

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          Sie kommen von links, sie sausen von rechts, sie schießen von hinten heran und strampeln von vorn im Pulk auf uns zu. Ratlos stehen wir am Straßenrand und überlegen, wie wir es anstellen sollen, in diesen sich kreuzenden Strömen die Straße zu überqueren. Tausende von Fahrradfahrern beherrschen den Verkehr in Groningen, abgestellte Räder nehmen freie Plätze, Trottoirs und Hauswände ein. Rote Teppiche, die vielerorts im Zentrum ausliegen, heißen nicht etwa VIP-Gäste willkommen, sondern verbieten explizit das Abstellen eines Drahtesels. Eineinhalb Fahrräder besitzt jeder Einwohner im Schnitt, und man glaubt dieser Statistik sofort, wenn man die in der Sonne glitzernden Blechmassen vor dem Universitätsgebäude oder in den unterirdischen Parkhallen am Bahnhof sieht, in denen allein zehntausend Exemplare Platz finden.

          „Do like the locals do“, mache es wie die Einheimischen, haben wir als Überlebensregel des Reisens einst gelernt. Also beobachten wir, wie unsere Nebenleute mit einer Mischung aus Augenkontakt, entschlossener Körpersprache und Gottvertrauen die heranrollenden Wellen abbremsen, sich dem Zebrastreifen anvertrauen und unbeschadet auf die andere Seite gelangen – und wir mit ihnen. Dieser erste Schock ist hilfreich. Denn er weckt eine grundsätzliche Vorsicht, die uns in den nächsten Tagen im Groninger Verkehrsgeschehen nicht mehr verlassen wird: Augen und Ohren sind stets weit auf. Wir bewegen uns mit einer großen Achtsamkeit, die wiederum die Wahrnehmung der vielen Facetten Groningens insgesamt schärft.

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