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Grand Canyon : Lasst ihn, wie er ist!

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An der Kante: Den Versuchungen, hier eine Art Disneyland zu etablieren, haben die Anrainer bisher immer widerstanden. Bild: Stefan Nink

Heute wird der Grand-Canyon-Nationalpark hundert Jahre alt. Alle Pläne, aus der monumentalen Landschaft ein buntes Disneyland zu machen, sind bislang gescheitert – zum Glück!

          Neulich war er mal wieder vor Ort, Geschäftstermin in einem der Bürogebäude am South Rim, Statements, Statistiken, Flipcharts, das übliche Programm. In einer Kaffeepause ist Roger Clark kurz nach draußen, um sich die Beine zu vertreten, er ist ein paar Schritte gelaufen, und dann – Bamm! „Es war wie beim ersten Mal“, erzählt er. Die Tiefe. Die Weite. Diese Ahnung von Unendlichkeit. „Ich hab mich gefühlt, als ob ich das alles noch nie gesehen hätte“, sagt der Programmdirektor des Grand Canyon Trust, der wahrscheinlich kein Stück Landschaft derart oft gesehen hat wie diese Schlucht im Norden Arizonas, um die er und seine Organisation sich seit Jahrzehnten kümmern. „Ich war wie benommen. Für ein paar Minuten hab ich einfach nur hinaus geschaut. Dann hab ich mich umgedreht und bin zurück zu meinem Termin im Büro.“

          Dass man den Grand Canyon erst dann sieht, wenn man unmittelbar vor seinem Rand steht: Das ist wahrscheinlich die wirkkräftigste Eigenschaft dieser Schlucht der Superlative. Das Gelände steigt unmittelbar vor dem South Rim sanft an und bricht dann von einem Meter auf den anderen im Neunzig-Grad-Winkel ab. Natürlich weiß jeder, was ihn erwartet, es gibt ja niemanden, der den Canyon nicht schon mal irgendwo gesehen hätte, und sei es nur morgens im Motel auf Instagram. Trotzdem ist der shock-and-awe-Effekt überwältigend.

          Der Mensch kann es nur verderben

          Und egal, wie oft man schon am Mather Point gestanden hat oder an einem der anderen Aussichtspunkte: Der Anblick macht immer ein wenig benommen. Das ging wahrscheinlich schon dem spanischen Expeditionstrupp so, den ersten Europäern, die 1540 hier vorbeischauten, und allen folgenden Besuchern in den folgenden Jahrhunderten ebenfalls. Teddy Roosevelt soll so überwältigt gewesen sein vom Anblick der Schlucht, dass ihm angeblich augenblicklich jener berühmte Satz eingefallen ist, der heute in jeder Broschüre steht: „Leave it as it is“, appellierte der Präsident 1903 an alle, die schon damals von Hotelkomplexen und maximaler Gewinnabschöpfung träumten. „Die Zeitalter haben das geschaffen. Der Mensch kann es nur verderben.“

          Regen, vergangene Woche am Grand Canyon

          Am 26. Februar feiert der Nationalpark nun seinen hundertsten Geburtstag, das Centennial, und in der Parkverwaltung ist man froh, dass ihnen der aktuelle Mann im Weißen Haus nicht mit einem weiteren Shutdown in die Quere gekommen ist. Während des Regierungsstillstands über den Jahreswechsel war der Grand-Canyon-Nationalpark – anders als etliche andere – weiterhin geöffnet; der Bundesstaat Arizona hat mit kräftigen Finanzspritzen dafür gesorgt, dass der Müll abgeholt und die Toiletten gereinigt wurden.

          Das Problem sind nicht die sechs Millionen

          Und jetzt wird also gefeiert, nicht bloß übermorgen, sondern ein ganzes Jahr lang, und es soll bitteschön nicht immerzu über Politik und Probleme geredet werden. Vanessa Ceja Cervantes jedenfalls würde das alles gerne zumindest eine Zeitlang weglächeln. Die Rangerin koordiniert die Jahrhundertfeierlichkeiten, die Auftritte der Roosevelt-Doubles, die Social-Media-Kampagnen, die Bierpremieren. Für viele Besucher sei der Grand Canyon ihr erster Nationalpark überhaupt, sagt sie: Da sei es wichtig, den Leuten klar zu machen, auf was es ankomme. Und was sie auf keinen Fall machen sollen. Plastikflaschen in die Schlucht werfen, die Raben mit Keksen füttern, Steine mitnehmen und Graffiti in die Felsen ritzen, so was eben. „Was die Leute hier erleben, prägt ihr Bild von einem Nationalpark möglicherweise entscheidend. Darauf wollen wir uns im Jubiläumsjahr konzentrieren.“

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