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Grand Canyon : Mutprobe in 1200 Metern Höhe

  • Aktualisiert am

Dass einem da nicht schwindelig wird... Bild: REUTERS

Der gläserne „Skywalk“ am Grand Canyon soll Touristen nach Arizona locken. Die hufeisenförmige Aussichtsplattform ragt knapp 25 Meter weit über den Rand der Schlucht hinaus. Firmen aus Berlin und Köln lieferten das Spezialglas.

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          Besucher des Grand Canyon können in luftiger Höhe über dem Abgrund wandeln. Am Rande der Schlucht im amerikanischen Bundesstaat Arizona wurde am Dienstag eine spektakuläre hufeisenförmige Aussichtsplattform eingeweiht, durch deren gläsernen Boden Touristen 1200 Meter in die Tiefe blicken können.

          „Apollo 11“-Astronaut Buzz Aldrin (77), der als zweiter Mann den Mond betrat, gehörte diesmal zu den ersten: Er war von den indianischen Betreibern für den „First Walk“ über die neue Touristenattraktion eingeladen worden. Aldrin war im Juli 1969 mit Neil Armstrong auf dem Mond gelandet. Stammesälteste der Hualapai-Indianer begleiteten den Ehrengast beim Spaziergang über die frei schwebende Glas- und Stahlkonstruktion. „Ich fühle mich wunderbar. Es ist zwar nicht genauso wie durch die Luft zu fliegen oder im Weltall zu spazieren, aber es war wunderbar“, sagte Aldrin.

          „Dieser Boden ist heilig“

          Die Plattform ragt knapp 25 Meter vom Hochplateau über dem Tal in die Schlucht hinein. Weit unten fließt winzigklein der Colorado River. Firmen in Berlin und Köln lieferten Spezialglas für den Boden und die gebogene Brüstung. Die Konstruktion muss starken Winden, möglichen Erdbeben und dem Gewicht der Besucher standhalten. Rund 500 Tonnen wiegt der bis zu 14 Meter tief im Gestein verankerte Koloss. Große Stoßdämpfer sollen Vibrationen verhindern. Der Bau wurde mit rund 30 Millionen Dollar (23 Millionen Euro) von dem Investor David Jin aus Las Vegas finanziert. Ein Abkommen mit den Hualapi-Indianern, auf deren Gebiet der Skywalk liegt, sieht vor, dass Jin dafür in den kommenden 25 Jahren die Hälfte der Einnahmen erhält. Der Eintritt kostet 25 Dollar.

          Die Plattform ragt 25 Meter vom Hochplateau über dem Tal in die Schlucht hinein
          Die Plattform ragt 25 Meter vom Hochplateau über dem Tal in die Schlucht hinein : Bild: AFP

          An dem „Skywalk“ scheiden sich allerdings die Geister. Kritiker unter den Hualapi bemängeln, die Konstruktion entweihe geheiligten Boden. „Wir bringen die Erde durcheinander“, sagte die 70 Jahre alte Indianerin Dolores Honga. „Unsere Ahnen sind hier gestorben, dieser Boden ist heilig.“ Andere Hualapai hoffen dagegen auf Touristen, die vom rund 190 Kilometer entfernten Las Vegas wegen des „Skywalks“ ins Reservat kommen sollen. „Unsere Leute haben jahrelang unter Armut und Arbeitslosigkeit gelitten“, sagte Sheri Yellowhawk. Der Vorsitzende des Stammesrates, Charlie Vaughn, sagte, er habe das Schweigen der Stammesmitglieder bei der Vorstellung des Projekts als Zustimmung gedeutet. Der „Skywalk“ sei eine Perspektive für die Zukunft.

          Umweltschützer bemängeln, der Aussichtspfad störe eine der spektakulärsten Landschaften der Erde. Die Aussichtsplattform ist ab dem 28. März für Besucher zugänglich.

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