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Gran Canaria : Höhle Nr.17

  • -Aktualisiert am

Viele Höhlen bergen die Gipfel Gran Canarias Bild: Fremdenverkehrsamt Gran Canaria

Die Spuren der Ureinwohner der Kanarischen Inseln, der Guanchen, sind noch heute in Höhlen auf Gran Canaria zu finden. Und einige von ihnen sind sogar noch bewohnt.

          Frederico Artiles, Ende fünfzig, sonnengebräunt, lenkt den Renault Clio sicher über die engen Straßen und Kurven, die ins Zentrum Gran Canarias führen. Er erzählt, wie er als 16jähriger allein nach Hamburg ging und Anfang der achtziger Jahre nach Gran Canaria zurückkehrte. Seitdem ist er Fremdenführer oder besser: Kulturbotschafter. 1997 gründete er mit Freunden den Verein "Asociación International Cultural, Turística y Social", der Operetten-Festivals veranstaltet und Ausflüge für archäologisch interessierte Touristen plant. "Wir sind Canarios, nicht Spanier!" sagt Artiles, und die Besonderheiten der autonomen Region kennt und liebt er.

          Bei einer Fahrt durchs Landesinnere, durch üppig grüne Bergtäler, in die sich kleine Orte schmiegen, oder auf unbefestigten, einsamen Straßen, engen Serpentinen entlang steiler Berghänge: Aus fast allen Gipfeln filtert das Auge automatisch schwarze Flecken, Buchten, ovale, runde oder längliche Spalten: Höhleneingänge. Die Guanchen, die Ureinwohner Gran Canarias, lebten in Höhlen, und in einer Höhlenfestung endete 1483 ihre Freiheit.

          Leben an den Berg gedrängt

          Noch heute leben Teile der Bevölkerung in Höhlen, so in Cueva Bermejo in Barranco de Guayadeque, der Schlucht des fließenden Wassers. In dem kleinen Lokal ohne Namen am Fuße des roten Berges ein kleiner Plausch mit den grauhaarigen Männern, ein Cortado am Tresen. Der Raum ist eine dunkle Höhle, in den Fels geschlagen, erhellt vom kalten Licht einer Neonröhre. Im Regal steht Schnaps, von der Decke hängen Kalebassen und fünfzig Schinken. Vorbei an der Höhlenkapelle des Dorfes (sechs Reihen Holzbänke, drei Heiligenfiguren), an Taubenverschlägen und leuchtenden Malven führt Frederico Artiles einen schmalen Weg bergauf, zur Höhle mit der Nummer 17.

          "Hola", sagt Isabel und lacht und lädt den Besuch in ihr Haus. Sohn und Töchter schlagen den Vorhang zurück, der rechts die Küche vom Flur trennt. "Hola Frederico", sagen sie und schließen ihn in den Arm. Isabel ist eine herzliche Frau in einem dunkelblauen Kleid, mit einer großen Brille, lachenden Augen und ganz und gar mütterlich. Während sie hinter einem Vorhang verschwindet, um handgemachten Käse zu holen, blitzt es im elterlichen Schlafzimmer: Drei deutsche Besucherinnen lichten den Raum ab, die Jesus- und Madonnenbilder, die Familienfotos, die die weiß getünchten Wände schmücken und auf der Kommode stehen, aus dunklem Holz wie das Bett, der Schrank, das Kreuz. Isabels Sohn stellt einen Hocker aus Holz und einen Metallring auf die Stufen, seine Mutter kommt mit dem runden hellen Käse und deutet mit den Geräten an, wie sie käst. Fünf Ziegen und zwei Kühe besitzt die Familie, und jeden Morgen melkt Isabel sie; am frühen Nachmittag macht sie Käse, bis zu eineinhalb Kilo am Tag. Zusehen dürfen nur Freunde.

          Auf den Spuren der Guanchen

          Isabels Höhlenwohnung ist Hunderte Jahre alt, vier Zimmer, Küche, Bad. Während der Entstehung Gran Canarias bildeten sich Gasblasen in der Lava, die beim Erkalten Höhlen formten. Fast fünfzig Meter weit erstrecken sich einige der Höhlen - so wie Isabels Wohnung - ins Berginnere. Die Temperatur ist angenehm und bleibt bei jedem Wetter gleich. Erst vor zehn, fünfzehn Jahren habe man Strom bekommen, sagt Frederico Artiles. Davor kochten die Familien mit Petroleum und Holz. Aber tauschen? Nein, tauschen würden sie, deren Vorfahren schon in dieser Höhle wohnten, nicht. "Egal, wohin man geht", sagt Isabel, "man trägt dieses Haus im Herzen."

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