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Hôtel du Cap-Eden-Roc : Glanz oder gar nicht

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Man glaubt es fast nicht: Seit den siebziger Jahren sieht der Meerwasserpool des „Eden-Roc“-Pavillons genauso aus. Bild: ullstein bild

Zur Abwechslung mal ein fröhliches Jubiläum: Vor 100 Jahren hat das „Hôtel du Cap-Eden-Roc“ an der Côte d’Azur seinen Meerwasserpool eingeweiht. Seitdem ist eine Menge passiert.

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          Über das „Hôtel du Cap-Eden-Roc“, das berühmteste Hotel der Côte d’Azur, zu schreiben, ist ein bisschen, wie einem Freund von einem Traum zu erzählen. Es ist einer dieser Träume, die man viel zu selten träumt und noch viel seltener lebt und deshalb ganz unbedingt mit Worten festhalten will, bevor sie ganz verblassen. So wirklich viel Nennenswertes passiert darin gar nicht, nur reicht das auf einmal aus. In diesem Traum ist alles ganz hell und warm und leicht. Wenn man sich bewegt, dann läuft man nicht, sondern schwebt, und wenn man Menschen begegnet (die ja eigentlich auch stören könnten), dann findet man sie auf einmal schön und interessant und freundlich, und eigentlich ist man sich auch fast sicher, dass sie sehr bekannt oder zumindest wichtig sein müssen. Sich selbst findet man übrigens auch ein bisschen schöner und interessanter.

          Man könnte jetzt genau sagen, wo das alles spielt, nämlich zwischen Cannes und Nizza, an der südlichsten Spitze des Cap d’Antibes, nur entzieht sich der Ort jeder geographischen Festlegung, als würde er mit der Welt, die ihn umgibt, so gar nichts zu tun haben wollen. Denn auf dem riesigen Anwesen des ehemaligen „Grand Hôtel du Cap“, das so majestätisch die Promenade herunter, über den Pinienwald hinüber auf das Meer und den darüber hängenden Pavillon des „Eden-Roc“ blickt, ist alles noch ein Stückchen besser, als man es sich ausgemalt hat. Nun wird dieser Traum 100 Jahre alt. Im Sommer 1914 eröffnete das Haus, dem Kriegsbeginn zum Trotz, mit seinem frisch in den Fels geschlagenen Meerwasserpool die erste Sommersaison.

          Abstruse Wünsche der Megastars

          Man muss nur eine Minute in der wohltuenden Kühle des Foyers der bereits 1870 erbauten Villa stehen und Monsieur Quiska, den Chef-Concierge des Hauses, beim Erfüllen von allerlei exzentrischen Kundenwünschen beobachten, um zu wissen, dass die Zeit hier in einem anderen Tempo läuft. Da draußen vor der goldgerahmten Glastür kann die Welt an ihrer Schnelllebigkeit implodieren, hier drinnen lässt man sich auch von so abstrusen Anfragen wie der nach einer Harfenistin im Iren-Kostüm (Sharon Stone) oder nach gelben Rosen an roten Früchten zum Frühstück (Madonna) nicht stressen. Man schafft die Zeit, die keiner hat, atmet durch, denkt nach, tut, was zu tun ist. Es ist perfekt. Ist es wirklich, weil all die Dinge, die an sogenannten Luxus- oder Palace-Hotels sonst so nerven und erschrecken, hier einfach fehlen. Statt sarkozyschem Bling-Bling wird der alte Luxus zelebriert, kein Zuviel an allem, sondern sein Gegenteil. „Im Urlaub“, so pflegte André Sella, der erste Direktor des Hauses, zu sagen, „zahlen reiche Menschen gerne Maharadscha-Preise, um wie Pfadfinder zu leben.“

          Das Eckzimmer Nummer 60 zum Beispiel, in dem während der Filmfestspiele von Cannes angeblich Sharon Stone immer schläft, ist sinnvoll, aber nicht absurd groß, also so, dass man dort nicht spazieren gehen muss, um es auszunutzen. Alles ist in zarten Mint-creme-gold-rosa-Tönen gehalten - ein bisschen so, wie man es auch von seiner französischen Oma kennt (wenn man denn eine hat) - und kann genau das, was ein Zimmer können muss. Weder wird man dazu genötigt, in der Badewanne fernzusehen, noch vergeudet man seine Zeit sonst mit irgendwelchen Hightechspielereien, und mit der neuen Hamam-Funktion der Dusche mag man sich ja irgendwie auch nicht aufhalten. Wäre auch zu schade, so wunderbar, wie es hier ist.

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