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Fünf Länder, fünf Berge : Der Gipfel der Schönheit

Menschheitsikone: Kein Berg ist bekannter, keiner wird häufiger fotografiert als das Matterhorn, das aber nur Zermatt seine Schokoladenseite präsentiert. Bild: Kurt Müller

Wer es je leibhaftig gesehen hat, hat keinen Zweifel mehr: Das Matterhorn ist der Berg der Berge. Und Zermatt ist ein würdiger, aber auch dankbarer Hüter seiner Pracht.

          11 Min.

          Plötzlich war er weg, und alles war anders. Es war, als hätte ein arglistiger Wettergott die schönste Zacke aus der Alpengipfelkrone gebrochen, als hätte er der Landschaft ihren schärfsten Zahn gezogen und ihre Einzigartigkeit in Austauschbarkeit verwandelt. Dabei hüllte sich der Berg nur in Wolken und spielte nun hinterhältig Verstecken mit uns, tat erst so, als wolle er wie Salome seine sieben Schleier abwerfen, um sich uns in voller Pracht zu präsentieren, überlegte es sich dann aber anders und verschwand wieder hinter seinem Wolkengewand, als gäbe es ihn gar nicht. Dieser Koloss kann also auch kokett sein, dachten wir uns und begannen augenblicklich, ihn zu vermissen, schlimmer noch: Wir fühlten uns um unser Recht auf seine Schönheit betrogen und begriffen plötzlich, warum der erste Blick der Zermatter jeden Morgen voller Demut und Dankbarkeit zu ihrem Matterhorn geht, Tag für Tag, ein Leben lang. Denn ohne ihren Haus- und Herzensberg, ohne diesen Berg der Berge wäre alles anders in ihrem Dorf.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Ohne das Matterhorn waren wir in einem phantastischen Skigebiet unterwegs, das uns einen weißen Rausch im hochalpinen Gelände inmitten von drei Dutzend Viertausendern auf dreihundertsechzig Pistenkilometern bescherte, ein grenzenloses Skifahren auf dem Dach der Alpen mit zweitausendreihundert Metern Höhenunterschied, fünfundzwanzig Kilometer langen Abfahrten und spektakulären Dreiländerblicken auf Frankreich, Italien und die Schweiz, Montblanc, Monte Rosa und Dent Blanche, Gabelhorn, Zinalrothorn und Breithorn. Doch erst als das Matterhorn endlich seine Schleier fallen ließ und wie ein König auf seinem eisigen Thron Platz nahm, erst jetzt wurde aus dem Zermatter Skigebiet ein Ort der Wunder und des Staunens, ein Ort, der wie kein zweiter in den Alpen von einem einzigen Berg so triumphal beherrscht und überstrahlt wird – von diesem 4478 Meter hohen Giganten, der kaum etwas gemein hat mit seinen Brüdern im Hochgebirge.

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