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Puccini in Lucca : Hausbesuch beim Operngott

  • -Aktualisiert am

Der „bedeutendste Europäer seiner Zeit“ bei der Arbeit: Giacomo Puccini. Bild: Picture-Alliance

Giacomo Puccini war ein Genie mit allzu menschlichen Seiten. Davon aber will man bei der Apotheose des Komponisten in seiner Heimatstadt Lucca nichts wissen.

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          Ja, aber das Bett!, trumpft Silviano Tonfani auf und strahlt vor Stolz und auch ein wenig vor Schadenfreude. Natürlich lasse sich nicht leugnen, dass Giacomo Puccini im viel größeren Lucca geboren wurde und dort aufwuchs. Es mag auch sein, dass sein Geburtshaus dort weitaus bekannter ist und von wahren Menschenmassen besucht wird. Aber das Bett, dieses nussbraun schimmernde Bett mit der geschnitzten Muschel, einer Säule an jeder Ecke und dem gehäkelten Überwurf ist nun einmal, da können sie sich in Lucca noch so winden, genau das Bett, in dem der Maestro am 22. Dezember 1858 das Licht der Welt erblickte – und das später, als er sein Haus in Lucca verkaufte, mit seinen anderen Möbeln hierher gebracht wurde.

          Außerdem, lächelt der tadellos gekleidete Mittfünfziger vom Verein des Puccini-Hauses, hätte es den Operngott ohne dieses gelb gestrichene, verwinkelte Häuschen im beschaulichen Bergdorf Celle bei Pescaglia nie gegeben. Man betrachte bitte den Stammbaum über dem Flügel, aus dem ersichtlich werde, dass schon im siebzehnten Jahrhundert der Ururgroßvater Puccinis hier die Orgel spielte und sich dabei wahrscheinlich auch gern ein paar musikalische Neuigkeiten ausdachte. Na gut, der Maestro selbst habe nie hier gelebt, aber er habe viele Ferien im Dorf verbracht und fünf Wochen vor seinem Tod das Dorf noch einmal besucht und Abschied genommen von seinem Stammhaus. Eines der letzten Fotos zeigt ihn im Kreis der örtlichen Honoratioren auf der Steintreppe davor.

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