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Reise durch den Kaukasus : Einigkeit beim Recht auf Freiheit

Fast wie im Berlin der Neunziger: Bar in der Altstadt von Tiflis Bild: Bloomberg

Georgien ist ein begehrtes Ziel, nicht nur der russischen Expansionsgelüste. Es gibt gerade viele gute Gründe für eine Reise in den Kaukasus, zu Stalins Wiege und in eine der angesagtesten Hauptstädte der Welt.

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          Drei Stunden soll die Fahrt dauern, am Ende werden es fünf, aber anders als bei der Deutschen Bahn hebt sich im Minibus mit jedem Kilometer die Laune. Kaum hat der erste Fahrer das Steuer an seinen Kollegen übergeben, setzt er sich schon nach hinten und verteilt großzügig selbstgebrannten chacha, georgische Grappa, aus einer Plastikflasche an seine Passagiere und nicht zu knapp an sich selbst, was auf dem kurvenreichen Weg in die Berge einiges an Geschick verlangt. Es greifen alle zu, während die Schlucht neben der Straße immer tiefer wird, das Pärchen aus Weißrussland, die Familie aus New York, die Touristen aus Deutschland. Bei der Rast am Wegesrand kommen noch junge Israelis mit Kippa aus dem zweiten Bus hinzu, und gerastet wird reichlich, dreimal auf der recht übersichtlichen Fahrt von nicht mal 140 Kilometern. Beim dritten Stopp beginnen die erwachsenen Kinder der Amerikaner zu nörgeln, der Vater moderiert ab, bitte nicht aufregen, „das ist die Kultur“.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zusammengeführt hat die lustige Reisegesellschaft zunächst mal der Mythos des Großen Kaukasus, der mit seinen mehr als fünftausend Metern nicht nur höher als die Alpen ist, sondern auch als wilder und urtümlicher gilt. Als Inbegriff dieser Unberührtheit galt lange Zeit Swanetien, jene Bergregion kurz vor der russischen Grenze, die erst seit gut einem Jahrzehnt über eine vernünftige Straßenanbindung (und einen kleinen Flugplatz) verfügt, wo trotz aller Modernisierung immer noch mittelalterliche Wehrtürme die Ortsbilder bestimmen, die Hausschweine frei in den Gassen herumlaufen und andererseits schon die kleinen Kinder in der Dorfschule fließend Englisch sprechen.

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