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Am Waitaki in Neuseeland : Spur der Steine

Maori-Kunst an den Ufern des Waitaki River: Hier ein „Taniwha“, ein Wasser-Monster
Maori-Kunst an den Ufern des Waitaki River: Hier ein „Taniwha“, ein Wasser-Monster : Bild: Ulf von Rauchhaupt

Solches Gestein entzückt aber nicht nur an den historischen Fassaden von Oamaru. Wer sich etwas länger Zeit nimmt, kann die Stadt nicht nur bei verschiedenem Sonnenstand bewundern, sondern auch das Waitaki-Tal hinauffahren. In einer Tagestour gelangt man bis zu den spektakulären Lehmklippen nahe Omarama und auf dem Weg – oder auf dem Rückweg, denn die Lehmklippen liegen vormittags noch besser im Licht – zu verschiedenen steinernen Sehenswürdigkeiten des geplanten Waitaki-Whitestone-Geoparks. Das geht auch, und sogar besonders gut, mit dem Fahrrad. Der Radwanderweg „Alps 2 Ocean“, der über 300 Kilometer vom Fuße des Mount Cook bis zum Pazifik führt, verläuft in seinem letzten Drittel durch den Geopark. An dessen Akkreditierung durch die Unesco wird noch gearbeitet – es wäre der erste solche Park in Australien und Neuseeland –, doch ein lokaler Verein, die „Vanished World Society“, hat die wichtigsten Attraktionen bereits ausgeschildert.

Bild: Christine Sieber

Etwa Anatini, ein bezauberndes kleines Tal, durch das der Radwanderweg geradewegs hindurchführt. In dem rings um die dort weidenden Kühe formschön verwitternden Otekaike-Kalk – er ist etwas jünger als der Stein in Oamaru – wurde vor Jahren ein versteinerter vorzeitlicher Wal gefunden. Noch mehr Fossilien kamen im nahe gelegenen Tal des Awamoko River zutage, der sich auf dem Weg zum Waitaki fotogen in den Kalkstein geschnitten hat. Manche der darin gefundenen Knochen urzeitlicher Wale, Delphine und Riesenpinguine kann man – neben allerlei geologischen Lesefunden – in dem kleinen Museum bestaunen, das die Vanished World Society in der Ortschaft Duntroon betreibt. Ein paar Kilometer den Waitaki hinauf ist auch eine der besten Stellen, um historische Felszeichnungen der Maori zu sehen, etwa ein meterlanges „Taniwha“, ein Meeresungeheuer, das in der Mythologie der Maori nicht nur die See unsicher macht, sondern generell Bedrohungen durch Wasser verkörpert – für alle, die hier einst unter Felsüberhängen kampierten, dürfte das vor allem der über seine Ufer tretende Waitaki gewesen sein.

Das vielleicht kultigste Bodendenkmal am Waitaki findet sich ein paar Kilometer südlich von Duntroon. Wieder auf privatem, aber zugänglichem Weideland öffnet sich dort eine Senke, in der die Erosion emporgehobene Segmente des Otekaike-Kalksteins in einen atemberaubenden Skulpturengarten verwandelt hat. Wie erstarrte mythische Wesen blicken die „Elephant Rocks“ auf ihre Besucher. Das namensgebenden Tier ist indes nur an einer Stelle und aus einem bestimmten Blickwinkel zu sehen, denn mit jedem Schritt verwandeln sich die Formen dieses kleinen kalkigen Kosmos. Und man fragt sich, ob Henry Moore vielleicht einmal hier gewesen war.

Was sehen die Maori in diesen Felsen? „Sie haben hierzu keine Geschichten“, antwortet Micheal Gray von der Vanished World Society. „Das ist sehr seltsam.“ Nicht einmal von Maori-Namen für diese Felsen hat Gray gehört, dabei muss ihnen der Ort schon im 14. und 15. Jahrhundert bekannt gewesen sein, als die Moas, die großen neuseeländischen Laufvögel, noch nicht ausgerottet waren und das Buschland am Unterlauf des Waitaki die wahrscheinlich reichsten Jagdgründe beider Inseln bot. Aber vielleicht gerieten die Maori-Namen für die Elefantenfelsen sowie die dazugehörigen Geschichten einfach nur in Vergessenheit. Das Verschwinden der Moas muss für sie einen tiefgreifenden Wandel bedeutet haben. Wie Jahrhunderte später für die viktorianischen Einwohner von Oamaru das Verschwinden der Segelschiffe.

Wo der Waitaki River fließt

Reisen nach Neuseeland sind aufgrund der Covid-19-Pandemie im Moment nicht möglich. Premierministerin Jacinda Ardern teilte kürzlich mit, dass das Land wohl noch einen Großteil des Jahres seine Grenzen geschlossen halten werde. Aktuelle Informationen unter immigration.govt.nz/about-us/covid-19 oder beim Auswärtigen Amt, auswaertiges-amt.de. Mehr über Oamaru und den Waitaki: waitakinz.com Mehr zum Radwanderweg „Alps 2 Ocean“ unter: alps2ocean.com, zum Whitestone Geopark unter: whitestonegeopark.nz, Weitere Informationen über Neuseeland und wann es wieder touristisch besucht werden kann: newzealand.com

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