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Alpen : Hoch im Kurs

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Vom Gehen im Eis: Auf Gletschern bewegt man sich als Seilschaft, mit Steigeisen, Pickeln, Gurt und Seil. Bild: F1online

Viele Touristen überschätzen sich, wenn sie zum ersten Mal einen Berg besteigen. Aber auch Wandern kann man lernen

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          Hoch oben auf dem Stubaier Gletscher, es ist kalt, alles knirscht, und unter uns spannt sich eine weiße Wolkendecke über die Täler einer flachen Welt, mit der wir seit Tagen nichts mehr zu tun haben wollen. Der Winter ist dieses Jahr erst im Frühjahr gekommen, und auch vergangene Nacht hat es noch einmal kräftig geschneit. Rund zehn Zentimeter Neuschnee liegen nun auf dem Gletscher und bedecken auch die Spalte, in die wir uns abseilen sollen. Es ist der dritte Tag eines alpinen Ausbildungskurses, und nach „Wandern“ und „Klettern“ stehen wir nun also vor dieser Gletscherspalte. Der Neuschnee hat sie in eine drei Meter tiefe Senke verwandelt. Unmöglich zu sagen, ob die Oberfläche tragen wird oder nicht - und man ins Bodenlose durchbrechen wird. Also los. Am Seil gesichert über den Spaltenrand in die Senke. Noch ein Stück. Und noch ein Stück, das Seil spannt sich, das Eis knackt, es kracht, und dann . . . ja, was dann?

          Zwei Tage zuvor waren wir bei Nieselregen in Arco, nördlich des Gardasees angekommen. Arco ist das Kletterzentrum der Alpen, hier finden Meisterschaften statt, im Dorf hat jeder zweite Laden Seile und Karabiner, und in den Eisdielen rund um die Piazza III Novembre sitzen Menschen mit Klettergurten. Klettern bestimmt hier den Alltag, und aus diesem Grund sind auch wir hier, eine kleine Gruppe, die lernen will, wie man sich sicher durch die Berge bewegt, erst an den Felswänden der Gardaseeberge, später auf einem Gletscher in Tirol. „Diese Kurse sind in letzter Zeit sehr gut gebucht“, sagt Ambros Gasser, Geschäftsführer von ASI Reisen. „Durch den Wander- und Kletterboom bekommt die Ausbildung wieder Relevanz“, sagt er und erzählt, dass diese Kurse in den 1960er Jahren, als sein Vater das Unternehmen gegründet hat, der Anfang waren. Mittlerweile ist aus dem Unternehmen einer der größten Berg-Reiseveranstalter im deutschsprachigen Raum geworden.

          Und nun ist sie wieder hoch im Kurs. Weil es im 21. Jahrhundert immer mehr Menschen vor allem auch aus den Städten in die Berge zieht. Weil die Berge einen analogen Ausgleich zur digitalen Arbeitswelt versprechen. Weil es sich bei abenteuerlichen Touren durch Schluchten, Wände oder über Gletscher gut abschalten lässt. Aber auch, weil diese neue Klientel erkannt hat, dass sie nicht so genau weiß, worauf sie sich da einlässt.

          Auch Wanderer leben gefährlich

          Die neue Bergbegeisterung lässt sich auch an den Mitgliederzahlen des Deutschen Alpenvereins (DAV) ablesen. Seit zehn Jahren verzeichnet man dort jährlich ein Plus von vier bis fünf Prozent, seit 2013 hat der DAV über eine Million Mitglieder. Das wirkt sich auch auf die Unfallstatistiken aus. Seit 2000 haben sich beispielsweise die Unfälle in Klettersteigen im Verhältnis zur DAV-Mitgliederzahl verdreifacht. Fast die Hälfte sind sogenannte „Blockierungen“, Situationen, in denen die Betroffenen weder vor- noch zurückkommen und die Bergrettung rufen. Aber auch Wanderer leben gefährlich: Entweder weil sie stolpern und stürzen oder weil sie sich zu viel zumuten. „Viele Unfälle und Notfälle sind auf die Überforderung der betroffenen Bergsportlerinnen und Bergsportler zurückzuführen und deshalb vermeidbar“, heißt es in der Unfallstatistik.

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