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Alpen : Hoch im Kurs

  • -Aktualisiert am

Am zweiten Tag in Arco versuchen wir uns im Felsklettern. Aus diesem Grund ist heute der am Gardasee lebende Innsbrucker Kletterer Florian Luckner mit dabei. Als wir zum Klettergarten von San Martino, etwas oberhalb von Arco, gehen, sagt er: „Klettern ist eine Extremform des Gehens. Der Körperschwerpunkt sollte auch in der Vertikalen immer über den Füßen sein.“ Also eigentlich auch nur eine Form des Wanderns, denken wir uns. Wandern mit Seil, allerdings. Denn heute klicken wir nicht mehr nur Karabiner in ein Drahtseil, sondern sichern uns mit komplizierten Knoten, die uns Florian beizubringen versucht: Halbmastwurf, Achter, Prusik, Sackstich. Merke: Sichern ist schwerer als Klettern. Denn das funktioniert, das Gewicht stets auf den Füßen, die in engen Kletterschuhen stecken, bei allen unerwartet gut - zumindest bis zum vierten von elf Schwierigkeitsgraden. Am Abend schmerzen die Finger, und die Köpfe sind noch immer Halbmastwurf-verknotet. Doch als es endlich aufklart und das Dämmerlicht Arkadien in ein violettes Licht taucht, fühlen wir uns gewappnet und vielleicht auch berufen, einen Schritt aufzusteigen.

Vom See in den Schnee

Am nächsten Vormittag: Neuschnee am Stubaier Gletscher, minus 5 Grad auf 3000 Meter - das ist schon erstaunlich, wenn man am Vorabend zwei Autostunden südlich bei plus 20 Grad unter Zypressen saß. Ein eisiger Wind pfeift in den Kragen, die Füße werden kälter und kälter. Aber auch das gehört zum Sich-Fortbewegen-in-den-Bergen. Wir haben Schneeschuhe an den Stiefeln und stapfen Engelberg hinterher. Er hat uns alle an ein Seil gebunden, denn wir befinden uns mitten auf dem spaltendurchsetzten Gletscher. Nach 200 Metern bleiben wir stehen, weil sich die Schneedecke vor uns senkt - auch uns ist klar, dass es sich um eine Spalte handelt. „Hier seilen wir uns jetzt ab“, sagt Engelbert und rammt seinen Eispickel in den Schnee. Und jeder von uns denkt in diesem Moment das Gleiche: Wird die Schneedecke durchbrechen oder nicht? Engelberg zeigt uns, wie man mit einem Eispickel einen Anker und aus dem Restseil eine Rolle zur Bergung baut. Erst dann lässt er mich hinab in die Spalte. Am gespannten Seil geht es langsam in die Tiefe. Eiszapfen und bläuliches Eis blitzen durch den Schnee. Dann setze ich einen Fuß auf den trügerischen Untergrund, erst vorsichtig, dann kraftvoll, schließlich den zweiten Fuß. Es knirscht, knackt und kracht, und für einige Sekunden glaube ich, samt dem Neuschnee in die Tiefe zu rauschen.

Und zieh! Die Spaltenbergen auf dem Gletscher will geübt sein.

Doch das passiert nicht. Die Decke hält, das Seil bleibt straff, und nach einer Weile zieht mich Engelbert wieder nach oben. Aber mich einfach an diesem Seil hochzuziehen, wie man denken möchte, ist unmöglich. Dazu ist die Reibung des Seils, das sich an der Spaltenkante tief in den Schnee gefräst hat, zu hoch. Also wirft der Bergführer mir ein zweites Seil mit einem Karabiner zu. Er hat aus zwei Eispickeln, zwei per Prusikknoten verbundenen Seilen und Karabinern ein komplexes Gebilde gebaut, das ihm nun erlaubt, mich mit Leichtigkeit aus der Spalte zu ziehen. Es ist ein sehr spezielles Wissen, doch im Ernstfall ist es lebenswichtig. Und all jene, die nicht darüber verfügen, sollten Gletscherspalten meiden - oder Daudet lesen: Dann fällt man nämlich sanft hinunter bis zum Portier, der einen aufhebt, abbürstet, schüttelt und höflichst sich erkundigt: „Haben der Herr auch Gepäck?“

Alpine Ausbildung

Alpine Ausbildung Veranstalter wie etwa ASI Reisen bieten verschiedene Ausbildungskurse an. Die „Alpine Ausbildung in Fels und Eis“ dauert sieben Tage und kostet inklusive Übernachtungen, Leihausrüstung und Bergführer 825 Euro. Auch zu den Bereichen Klettern gibt es verschiedene Angebote, zu denen es jeweils auch Video-Tutorials gibt: www.youtube.com/asiweltentdecker. Termine und Informationen: 030 / 31 87 79 33 60 und auf www.asi-reisen.de.

Auch der Deutsche Alpenverein bietet über seine Sektionen alpine Ausbildungskurse an: www.davplus.de (Kurse und Touren).

Literatur Alphonse Daudet: „Tartarin in den Alpen“. AS-Verlag, 26,70 Euro

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