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Gefährliche Länder : Und, was machen wir jetzt Irres?

  • -Aktualisiert am

Während des Bürgerkriegs war der Strand von Mogadischu leer, langsam belebt er sich wieder. Bild: dpa

Baden in Mogadischu oder einen Latte macchiato in Libyen? Was eigentlich lebensgefährlich ist, zieht einige Reisende an. Über das Phänomen Hochrisikotourismus

          Im November 2013 flog Heimo Liendl für drei Tage an den Indischen Ozean. Der Arzt aus Graz war nicht allein, zwei Männer aus Düsseldorf und Brüssel begleiteten ihn. Es muss eine tolle Reise gewesen sein. Turkish Airlines beförderte die drei bequem von Istanbul ans Ziel. Zu sehen gab es reichlich: Basare, Moscheen, eine alte Kathedrale, einen alten Leuchtturm. Das Hotel war so exklusiv, dass sogar zwei einheimische Minister darin übernachteten. Auch essen konnte man hervorragend, es gab Pizza und Spaghetti, aber auch so ausgefallene Dinge wie Ziegen- und Kamelfleisch. Das Beste aber war der Strand. Der war so schön, dass die drei Europäer einen Extra-Badetag an den eigentlich nur auf 48 Stunden terminierten Trip anhängten. „Ein extrem weißer Sand und ein unglaublich warmer Ozean“, schwärmt der 52-jährige Liendl noch heute. Andere Urlauber hatte es nicht an diesen schönen Ort gezogen. Um genau zu sein, waren Liendl und seine beiden Reisegefährten die einzigen Gäste, die in das türkisfarbene Wasser des Indischen Ozeans stiegen und fleißig knipsten, als Fischer einen riesigen Thunfisch an Land zogen und ihn sogleich zerlegten.

          Es war der Strand von Mogadischu.

          Ferien in Somalia, einem der gefährlichsten Orte der Welt? In 25 Jahren Bürgerkrieg ist dieser Staat fast vollständig zerstört worden. Clanwillkür und Anarchie bestimmen den Alltag. Mogadischu ist eine Trümmerwüste: Kathedrale und Leuchtturm, einst der Stolz der italienischen Kolonialherren, hängen als gespenstische Gerippe am Himmel. Im Schatten der Ruinen sitzen junge Männer mit Kalaschnikow und kauen Qat. Die islamistischen Milizen von Al Shabaab sind seit drei Jahren aus einigen Gebieten zwar vertrieben, doch das Leben will nicht besser werden. Millionen Somalis haben ihre Heimat verlassen. Ausgerechnet dort kann man Urlaub machen?

          3000 Euro für 72 Stunden

          Man kann. Doch Liendl spricht lieber von einer „Extremreise“, die er vor zwei Jahren mit dem britischen Veranstalter Untamed Borders in die somalische Hauptstadt unternahm. Extrem sind die Bedingungen dort wahrhaftig. Westliche Ausländer können jederzeit das Opfer von Attentaten, Überfällen und Entführungen werden. Liendl und seine beiden Reisegefährten waren daher stets mit bewaffnetem Begleitschutz unterwegs. „Allerdings haben wir die Security nach jedem Tag gewechselt“, sagt Liendl. „So gut hätten wir sie gar nicht bezahlen können, als dass sie anderntags nicht versucht gewesen wären, uns zu verraten und an professionelle Entführer zu verkaufen.“

          Die Sicherheitsmaßnahmen hatten trotzdem ihren Preis. Rund 3000 Euro hat jeder der drei für seinen 72-Stunden-Trip bezahlt. Nur gut die Hälfte entfiel dabei auf Flug, Hotel und Verpflegung. „Dafür hatten wir eine exzellente einheimische Reiseleitung“, sagt Liendl. „Unser somalischer Führer war bestens vernetzt und wusste, wo es verhältnismäßig sicher war. Es war derselbe, der sonst Journalisten durch Mogadischu führt.“

          Der Kongo als Urlaubsziel: Der britische Veranstalter Undiscovered Destinations bietet eine 29-tägige Tour an.

          Etwas Glück gehörte wohl aber auch dazu, den Aufenthalt in Mogadischu unversehrt zu überstehen. Erst im vergangenen Juli hat ein Selbstmordattentäter wieder mehrere Gäste eines Hotels mit in den Tod gerissen, darunter auch Mitglieder der somalischen Regierung. Man mag es kaum glauben, doch für sie ist es noch immer sicherer, in einem Hotel zu übernachten als zu Hause oder in einem Regierungsgebäude.

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