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Fußballkneipenführer : Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

  • Aktualisiert am

Vor zwei Wochen war halb Bielefeld bei „Tante Käthe“ am Mauerpark, um die Arminia zu unterstützen. Bild: Jens Gyarmaty

Sie sind zu Besuch in der Hauptstadt und Ihr Fußballverein spielt? Kein Problem. In den Fankneipen Berlins können Sie trotzdem dabei sein.

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          „Schwalbe“

          Seltsamerweise überhaupt nicht, wie man sich eine Kneipe des stets zur größten Feier und besten Laune aufgelegten 1. FC Köln vorstellen würde, sieht es in der „Schwalbe“ im Prenzlauer Berg an der Pappelallee 65 aus: Kaum etwas innen, schon gar nichts von außen lässt einen zunächst einmal erahnen, dass dies hier einer der zentralen Orte der Kölner in der Hauptstadt sein könnte.

          Vielmehr erinnert die „Schwalbe“ – mit ihren dunklen, glattlederbezogenen Sesseln und Stühlen – an eine halbschicke After-Work-Bier-Bar in New York, und vom Grad der Aufgeräumtheit vor der großen Leinwand im Hauptraum ist man immer wieder überrascht. Wenn der FC spielt, ist es hier jedoch derartig voll, dass man schon viele Stunden vorher auftauchen muss, was aber gar nicht schlimm ist, gibt es doch frisch gezapftes, kaltes Gaffel Kölsch zu angenehmen Preisen.

          Auch wundert man sich jedes Mal aufs Neue, wie groß der Laden tatsächlich ist und wie viele Räume und Hinterzimmer mit Bildschirmen es da hinter dem Tresen sowie unten im Keller noch so gibt - auch ein echter Club, mit Musik und so weiter, soll dort irgendwann schon mal ausfindig gemacht worden sein.

          (tkk)

          „Café Madonna“

          Mitten in Kreuzberg, in jenem Teil, der bis heute, obwohl sich die Postleitzahlen längst geändert haben, „Kreuzberg 36“ genannt wird, mitten in dieser Gegend von Berlin, in der früher einmal das Herz der Anarchie geschlagen hat, die jetzt aber vor allem den Puls von Maklern und Immobilienentwicklern in die Höhe jagt, hier, in der Wiener Straße 22, sammeln sich die Fans des FC Bayern München. Also vom Inbegriff des deutschen Geldclubs – aber die Wiener Straße ist so weitläufig und großzügig, dass auch dafür Platz ist. Und am Ende passt es ja sogar ganz gut zusammen, das Kreuzberg der Krawallos und Radikalinskis und ein maroder Verein, der in den späten Siebzigern von den eigenen Spielern (Hoeneß, Breitner) mehr oder weniger instandgesetzt worden ist. Außerdem leben Kreuzberg wie die Bayern schon seit einiger Zeit von ihrem Ruf.

          Das „Café Madonna“ in Kreuzberg - für alle Bayernfans in Berlin.

          Man kommt übrigens im Trikot her – denn das Personal im „Café Madonna“ trägt ja auch rotweiß, wenn die Bayern spielen, was im Hauptraum vor der Bar und im schlauchartig stickigen Nebenzimmer gezeigt wird. In den harten Achtzigern war die Mauer nicht weit und ein paar Häuser weiter ein Club namens „Bronx“, so verstand man sich hier – und kokettierte mit der letzten Ecke. Später spielte das „Café Madonna“ in der Verfilmung von Sven Regeners Roman „Herr Lehmann“ mit. Kulissen, aber sehr lebendige (und sehr verrauchte).

          (tob)

          „Junction Café“

          Zur ewigen grauen Maus des deutschen Fußballs, dem VfL Bochum, passt es doch irgendwie sehr, dass auch das einzige Vereinslokal im Hauptstadt-Exil, das „Junction Café“ in der Kreuzberger Gneisenaustraße 18, dem Club in seiner Außenwirkung voll und ganz entspricht: Man übertreibt nicht, bezeichnet man es als ziemlich unglamourös, bieder, unprätentiös und insgesamt eher lieblos eingerichtet. Doch wer Anhänger des VfL Bochums ist und wie 99,999 Prozent aller Bochum-Fans auch aus Bochum kommt, fühlt sich gleich angenehm an zu Hause erinnert.

          Das „Junction Café“, ebenfalls in Kreuzberg, allerdings Treffpunkt für Fans des VfL Bochum.

          Woche für Woche trifft sich hier ein Kern von knapp hundert Anhängern, der hier den Fanclub „Bochumer Botschaft“ betreibt. Bis zum Anpfiff ist die Stimmung meist gut, was daran liegt, dass der Wirt heimisches Bier der Privatbrauerei Fiege serviert, das sonst außerhalb von Bochum schmerzlich vermisst wird. Doch weil der VfL nun mal so spielt, wie er spielt, kann es sein, dass die Nerven schon kurz nach dem Anpfiff blankliegen – es wird dann derart unverhältnismäßig geflucht und verdammt, dass sich bisweilen auch mal ernsthafter Streit ergibt. Man hat ja sonst nichts, ganz wie daheim.

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