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Fußballkneipenführer : Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

  • Aktualisiert am

(tkk)

„Tante Käthe“

Ein schmuckloser Flachbau direkt am Mauerpark, dort, wo sich Prenzlauer Berg und Wedding treffen (Bernauer Straße 63/64): „Betreutes Fußballschauen“ steht überm Eingang von „Tante Käthe“, benannt natürlich nach Rudi Völler. Keine neutrale Location: Beim Ortstermin waren massenhaft Arminen zum Vorglühen da, doch weil die Bielefelder Arminia gleich nebenan im Jahn-Sportpark zum Pokalspiel antrat, war während des Spiels wenig los. Dafür gab es nach dem Match ein Fanfest, das karge 1:0 reichte für Partystimmung, garniert mit ostwestfälischem Punkrock der Band ZZZ Hacker.

Seit der Saison 2014/15 haben die Berliner Ostwestfalen hier ihre Heimat. Das wurde auch Zeit, denn schon vor dem Erstligaabstieg 2009 musste man einen harten Schlag hinnehmen, als das „Enzian“ an der Yorckstraße, betrieben von Norbert Hähnel aus Bünde, besser bekannt als „der wahre Heino“, 2007 schloss. Ansonsten sieht man im spartanischen Ambiente Fußball live auf vier Leinwänden, es wird heftig gekickert an elf Tischen, und es gibt einen Biergarten. Und es teilen sich drei Clubs das Lokal als Homebase: neben den Arminen die Berliner Fans des SC Freiburg, Leute also, die auch wissen, wie sich zweite Liga anfühlt. Und dazu der „AS Roma Club Berlino“, für den die Saison erst in einer Woche beginnt. Man wird auch künftig von einer friedlichen Koexistenz der Anhänger ausgehen dürfen, solange die Tifosi nicht ihr Wappentier, die Wölfin, mitbringen wollen.

(pek)

„Oberbaumeck“

Mit Kneipen des FC St. Pauli in Deutschland ist es wie mit Irish Pubs in der ganzen Welt: Alle sehen gleich aus, erfüllen sämtliche Klischees, haben also mit der Sache selbst im Grunde nicht wirklich was zu tun, sind aber wegen ihrer Vorhersehbarkeit immer mindestens okay bis geradezu optimal, um dort Fußball zu schauen und mit großem Elan trinken zu können.

Die Toilettenwand vom „Oberbaumeck“ am Schlesischen Tor - in der Kneipe schauen St.-Pauli-Fans Fußball.

Was in einer richtigen St.-Pauli-Kneipe nicht fehlen darf, fehlt auch im Kreuzberger „Oberbaumeck“ am Schlesischen Tor (Bevernstraße 5) nicht: Totenkopf-Flaggen und -Merchandise gleich über dem Tresen und überall in beiden großen Räumen. Gezapftes Astra-Bier aus Astra-Gläsern. Sich fest ins Holz der Theke eingefressener Kneipengestank aus vielen, vielen Jahren. Kaum Licht. Von oben bis unten mit sozialistischen und antifaschistischen Aufklebern zugekleisterte Toiletten. Sowie ein insgesamt rauhes Klientel. Geraucht wird im „Oberbaumeck“ so viel, dass man schnell Sorge hat, nicht mehr hinauszufinden, geschweige denn atmen zu können, was aber nicht stört, weil es kaum einen ausgelasseneren Ort gibt, um in Berlin Fußball zu schauen, und zwar nicht nur den des FC St. Pauli.

(tkk)

„Soulcat“

Fans des SV Werder Bremen haben es gut in Berlin, denn es gibt gleich eine ganze Reihe von Bars und Kneipen, in denen sie die Spiele ihres Teams anschauen – und auch nach dem Abpfiff bleiben können, weil es sich lohnt, das „Alois S.“ in Prenzlauer Berg zum Beispiel, oder „Eure Kneipe“ in Friedrichshain, wohin sich auch schon mal der Stadionsprecher von Werder verirrte, Christian Stoll, der gefeiert wurde wie ein Siegtor in allerletzter Minute.

Das „Soulcat“ in Neukölln - für Fans des SV Werder Bremen.

Im „Soulcat“ in der Pannierstraße 53 geht es samstags so vertraut zu wie im Weserstadion unter Dauerkartenbesitzern, sonst ist es aber eine Musikkneipe, wie der Name schon sagt, in der man nach Spielende angenehm weitertrinken und -feiern kann. Vor der Tür des „Soulcat“ steht es im Neuköllner Kampf zwischen neuer, modischer, teurer Fertigkeit (Cocktail-Bars, Burger Joints, Galerien) und der guten, alten, billigen Fertigkeit von Eckkneipen, wie sie nur West-Berlin in dieser Perfektion hervorgebracht hat, aktuell noch unentschieden. Aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.

(tob)

Fußballkneipenführer

Es gibt etliche Fußballkneipen in Berlin: Manche, wie die „Magnet Bar“, decken alle Wettbewerbe ab, andere richten sich gezielt an Fans (auch wenn man es nicht sein muss, natürlich). Eine Auswahl, quer durch die Stadt und die Ligen:

„Zur Glühlampe“, Lehmbruck- Str. 1, zurgluehlampe.com (Eintracht Frankfurt)

„Mp3 Bar“, Grünberger Str. 28, Tel. 0 30/29 35 28 64 (Mainz 05)

„Alois S“, Senefelder Str. 18, Tel. 0 30/44 71 96 80 (Werder Bremen)

„Bretterbude“, Niederbarnim- str. 9, Tel. 0 30/29 77 19 03 (FC Bayern München)

„Tagblatt“, Kreutzigerstr. 28, Tel. 0 17 6/21 14 68 59 (1. FC Kaiserslautern)

„Eure Kneipe“, Weidenweg 60, Tel. 0 30/22 46 20 12 (Werder Bremen, Union Berlin)

„Lange Nacht“, Weisestr. 8, Tel. 0 30/62 72 10 15 (Werder Bremen)

„Intertank“, Manteuffelstr. 47, Tel. 0 30/61 62 90 21 (Borussia Dortmund)

„Hops & Barley“, Wühlisch- str. 22/23, Tel. 0 30/29 36 75 34 (Borussia Mönchengladbach)

„Hally Gally 2.0“, Tel. 0 30/ 55 61 37 04 (Hamburger SV)

„alles GuT“, Horstweg 7, Tel. 0 30/74 78 51 86 (Borussia Mönchengladbach)

„Königsblau“ im Restaurant Berliner Hof, Hildegardstr. 14, Tel. 0 30/85 07 28 60 (Schalke 04)

„Zum Kugelblitz“, Liebenwalder Str. 46, Tel. 0 30/92 12 67 72 (Hertha BSC Berlin)

„FC Magnet Bar“, Veteranen- str. 26, Tel. 0 30/24 35 24 55

„Lenau-Stuben“, Hobrechtstr. 62, Tel. 0 30/6 93 48 54 (Fortuna Düsseldorf)

„Rössle“, Braunschweiger Str. 51, ckb08.de (VfB Stuttgart)

„Niedersachsenstadion. Das Rote Berlin e. V.“, Hobrechtstr. 39, wp.dasroteberlin.de (Hannover 96)

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