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Fegefeuermuseum in Rom : Die Brandmale der ehrwürdigen Schwester Maria vom heiligen Aloysius

  • -Aktualisiert am

Die schwarze Hand beseitigt alle Zweifel: Die Exponate zeigen Brandspuren, die Menschen aus dem Fegefeuer bei ihrer kurzzeitigen Rückkehr auf die Erde hinterlassen haben. Bild: Martin Glauert

Gibt es das Fegefeuer wirklich? Wer daran zweifelt, muss die Kirche des Heiligen Herzens der Fürbitten in Rom besuchen. Denn dort findet man letztgültige Beweise: Das Purgatorium erwartet uns.

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          Nur wenige Meter trennen uns noch vom Ziel, und doch scheint es unerreichbar. Zwischen dem Tiberufer und der Kirche verläuft der Lungotevere Prati, eine fünfspurige Straße im römischen Berufsverkehr. Mordlustige Pendler sind auf der Jagd, unerwartet schießen Autos aus dem Straßentunnel hervor, dazwischen kreischende Vespas mit tollkühnen Reitern. Nur mit Verwegenheit und stierkämpferischer Eleganz gelingt dem Fußgänger schließlich die Überquerung. Dann steht er vor einer zierlichen, weißen Kirche im neugotischen Stil, die von zwei klobigen Wohnhäusern eingeklemmt wird. Chiesa del sacro cuore del suffragio ist ihr melodischer Name, Kirche des Heiligen Herzens der Fürbitten. Die Fürbitten gelten einer ganz besonderen Klientel, der wir bisher noch nie begegnet sind. Sie verbirgt sich in einem Hinterzimmer der Kirche.

          Besucher beten in den Bänken, manche betrachten ehrfurchtsvoll die Altäre und Gemälde der Heiligen. Wir aber gehen zielstrebig nach vorne, flüstern dem Kirchendiener wie Eingeweihte nur kurz das Passwort zu: „il museo“. Er zeigt verschwörerisch auf den kleinen Durchgang zur Sakristei. Ebenso wortlos hält uns sein Kollege einen Korb mit dem Zettel „offerta“ hin - der Eintritt ist frei, eine Spende jedoch obligatorisch. Als Gegenleistung und Vorbereitung auf das Kommende reicht er uns einen kleinen Zettel. Darauf abgedruckt ist der gekreuzigte Christus, zu dessen Füßen nackte Menschen in lodernden Flammen stehen.

          Schönen Gruß vom Höllenherrscher

          Wir treten in eine kleine Kammer ein. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein langweiliges Heimatmuseum. An der Wand hängen Glaskästen, darin Bücher und Textilien, die etwas beschädigt aussehen. Ein Merkblatt aber klärt uns auf, dass wir vor den unwiderlegbaren Zeugnissen des Jenseits stehen, Nachrichten direkt aus dem Fegefeuer. Die Seelen Verstorbener sind für kurze Zeit aus dem Zwischenreich zwischen Himmel und Hölle auf die Erde zurückgekehrt. Und da sie direkt aus dem Feuer kamen, haben sie Brandspuren auf Kissen, Kleidern und Büchern hinterlassen.

          Fingerabdruck aus dem Jenseits: ein Buch mit Brandspuren.

          Die französische Nachtmütze hat gelitten. Man kennt diese hässlichen braunen Spuren, die unbedachte Zigaretten oder ein vergessenes Bügeleisen hinterlassen. Hier aber sind deutlich die fünf Finger einer Hand zu erkennen, die sich in den weißen Stoff eingebrannt haben. Sie gehörten Luisa Le Sénéchal, die ihrem Ehemann Ludwig im Jahre 1875, zwei Jahre nach ihrem Tod, erschien und ihn um Gebete und heilige Messen bat. Befürchtete sie, dass er sie schon vergessen hatte, und brachte sich deshalb eindrucksvoll in Erinnerung? Sündigte er vergnügt und benötigte eine strenge Ermahnung? Das Merkblatt der Kirche klärt darüber auf, was letztlich das Anliegen aller Visiten aus dem Jenseits ist: Die Gestorbenen bitten die Lebenden um gute Taten, Gebete, Messen und Spenden, damit so ihre eigene Zeit im Fegefeuer verkürzt wird. Denn nach dem Tod müssen auch jene Seelen, die schließlich im Himmel enden, von ihren Sünden gereinigt werden und deshalb eine bestimmte Zeit im Purgatorium, dem Fegefeuer, qualvoll leiden.

          Wie lange muss der Sünder schmoren?

          Das gilt offenbar selbst für Geistliche. Schwarz haben sich die Abdrücke der Hände von Pater Panzini, dem Abt der Olivetaner von Mantua, am 1. November 1731 auf einem Holztischchen eingebrannt. Selbst nach fast 300 Jahren kann man noch genau erkennen, wo die Hand fester oder weniger fest aufdrückte. Warum aber lassen sich seine Handabdrücke auch auf dem Ärmel der ehrwürdigen Mutter Isabella Fornari, Äbtissin der Klarissen von Mantua, in aller Deutlichkeit erkennen? Darüber schweigt das Merkblatt der Kirche.

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