https://www.faz.net/-gxh-740x0

Fünfzig Jahre James Bond : Die Venus des Agenten

Hier passt niemand in den Ursula-Andress-Bikini

Das wird beim Gala-Buffet mit Live Band am hoteleigenen Strand besonders deutlich, über das die wohlgenährte Weltmachtmittelklasse so heißhungrig wie ein ausgezehrtes Dritt-Welt-Volk herfällt, die Damen im Regelfall mit Proportionen, die jeden Ursula-Andress-Bikini sprengen, die Herren passend dazu konfektioniert, also mit dreifachem Bondbauchumfang. Zum Schmusetanz trägt man Sportsandalen, zur Reggae-Version von „Knockin’ on Heaven’s Door“ schunkelt man mit dem Bierglas, und bei Bob Marleys - oft missverstandenen - Klassiker „No Woman No Cry“ bilden wir uns ein, hier und da ein verschämt zustimmendes Nicken zu erspähen. James Bond würde jetzt übrigens scharf protestieren und das genaue Gegenteil für richtig erachten. Doch er wohnt nicht mehr im Sans Souci. Dafür wird sein Andenken ganz in der Nähe auf einer Krokodilfarm in höchsten Ehren gehalten, die Schauplatz eines der gefährlichsten Stunts in der geheimdienstlichen Filmgeschichte war: Bond alias Moore wird von einem Schurkenkrüppel mit stählernem Handhaken auf einer Plattform inmitten eines Krokodilteichs ausgesetzt und flieht in letzter Sekunde vor den heranrückenden Bestien, indem er über die Rücken von vier Krokodilen ans Ufer springt.

Wir stehen knapp vierzig Jahre später auf derselben Plattform, lassen uns von den Angestellten versichern, dass es keine Krokodile mehr im Wasser gebe, blicken trotzdem unruhig jedem sich rührenden Blatt und Ast hinterher, sehen direkt gegenüber Jeremiah in seinem Tümpel lauern, ein Fünf-Meter-Echsen-Monstrum mit hinterhältigem Blick, und fühlen uns überhaupt nicht wohl in unserer Haut - Geheimagent ist doch ein etwas zu aufreibender Beruf, auch wenn man damals 007 auf perfide Weise einen Wettbewerbsvorteil verschaffte: Die Krokodile waren am Grund des Teichs angebunden, so dass sie sich nicht in eine bessere Angriffsposition bringen konnten. Ihre Mäuler aber waren frei, und so schnappten sie sich bei einer der Proben frech den Fuß des Stuntman.

Keine Angst vor der Schwarzen Mamba

James-Bond-Geschichten haben immer ein Happy-End. Roger Moore erledigt den Bösewicht Kananga unweit der Krokodilfarm in einem unterirdischen See inmitten eines riesigen Höhlensystems, indem er ihm eine Pressluftpatrone in den Mund steckt und ihn platzen lässt wie einen Luftballon - sehr zum Leidwesen des Haifischs im See, der sich schon auf eine anständige Mahlzeit gefreut hatte und noch nicht einmal Hackfleisch bekam. In Wahrheit schwimmen in dem Höhlenteich nur harmlose, halbblinde Fischlein, die uns freundlich anblinzeln, aber was ist schon die Wahrheit. Wir vertrauen ihr auch nicht, als wir uns an diesem Abend in demselben Hotelzimmer des Half Moon Resort in Montego Bay zur Ruhe betten, in dem unserem Helden mit einer Schwarzen Mamba nach dem Leben getrachtet wurde. Auf Jamaika gebe es gar keine Giftschlangen, versichert uns das Personal glaubhaft. Wir kriechen trotzdem dreimal nervös unters Bett, um nachzuschauen. Und warum stehen überhaupt diese idiotischen Körbe in dem Zimmer herum, die genauso aussehen wie die Behältnisse indischer Kobraschlangenbeschwörer? Böser Humor, Schicksalswink oder Zufall? Nein, Geheimagent ist wirklich nichts für uns, jedenfalls nicht bis zum nächsten Morgen.

Am nächsten Morgen sind wir wundersamerweise noch immer am Leben, die Schwarzen Mambas hatten offensichtlich ihren freien Tag. Wir gehen die zwanzig Schritte von unserer Veranda zum Strand, blicken aufs Meer, pfeifen das Lied von der Liebe unterm Mangobaum, „underneath the mango tree, me honey and me can watch for the moon, underneath the mango tree, me honey and me make boolooloop soon“, und spähen und warten und hoffen und bangen, man weiß ja nie.

Mit James Bond auf Jamaika

Anreise: Die bequemste Verbindung bietet die Fluggesellschaft Condor an, die mittwochs und sonntags nonstop von Frankfurt nach Montego Bay fliegt. Preise in der Economy Class ab 800 Euro, in der Premium Economy ab 1100 Euro und in der Comfort Class ab 1800 Euro. Buchung in allen Reisebüros, online unter www.condor.com oder telefonisch unter 01805/767757 (0,14 Euro pro Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk maximal 0,42 Euro).

Information: Jamaica Tourist Board, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann, Tel.: 02104/832974, jamaica@fastforward-marketing.de, www.visitjamaica.com.

Topmeldungen

Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.