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Fünfzig Jahre James Bond : Die Venus des Agenten

Auch Golden Eye ist mittlerweile in ein Hotel mit Privatstrand inklusive Privatkorallenriff und Privatgrotte allerdings ohne Privat-Ursula umgewandelt worden und gehört selbstredend ebenfalls dem jamaikanischen Nationalmidas Chris Blackwell. Er verwandelt tatsächlich alles in Gold, was er berührt, und hat nicht nur als Produzent von Bob Marley, Peter Tosh, Tom Waits, Grace Jones, U2 und vielen anderen ein Vermögen von epischen Dimensionen angehäuft. Flemings alte Möbel - mit Ausnahme des Schreibtischs - ließ Blackwell von der indonesischen Innenarchitektin durch schweres Bambusmobiliar und furchteinflößende Totems ersetzen, ganz nach dem Geschmack der königlichen Hoheiten und des Hollywood-Hochadels, die für achteinhalbtausend Dollar pro Nacht gerne die Villa mieten. Und im tropischen Park rings um Golden Eye haben prominente Gäste wie die Clintons, Harrison Ford, Jim Carrey oder James Bond höchstselbst in Person von Pierce Brosnan Obstbäume gepflanzt, um so ihre großzügigen Spenden an Chris Blackwells Umweltstiftung zu dokumentieren.

Die schrecklichen Taten des Großverbrechers Kananga

Fürsorglich gehegt wird der Baumbestand vom Gärtner Ramsey, einem sehnigen Greis mit sanften Augen, der als Siebzehnjähriger in Ian Flemings Dienste trat und mit fünfundsiebzig immer noch Beete harkt und Büsche stutzt. Der „Commander“, wie er seinen einstigen Herrn prinzipiell nennt, habe ein viel ruhigeres Leben als James Bond geführt, nicht einmal Ursulas hätten eine Rolle gespielt. Er sei oft schwimmen gegangen, habe gerne einen zahmen Oktopus gefüttert und sich von ihm zum Titel einer Bond-Geschichte inspirieren lassen, sei ansonsten ein reservierter Mann gewesen, der sich nie mit dem Personal unterhalten habe. Schließlich seien das noch Kolonialzeiten gewesen, da habe sich der Kontakt zwischen Schwarz und Weiß auf gesittetes Grüßen beschränkt. Aber jetzt sei alles anders, jetzt lebe man ja in modernen Zeiten, sagt Ramsey und lächelt ein wenig unsicher, als könne er es selbst noch nicht so recht glauben.

Natürlich will niemand die Vergangenheit zurückhaben. Ein wenig Wehmut erlauben wir uns dennoch, wenn wir an die Zeit von Jamaikas James Bond zurückdenken. Damals war die Welt noch groß und weit, und im Flugzeug trug man eine Garderobe wie in der Oper und nicht wie an der Strandbar. Und ein Seufzen wird aus der Wehmut ein paar Kilometer weiter westlich von Golden Eye, im Hotel Sans Souci, das im zweiten, zu großen Teilen auf Jamaika gedrehten Bond-Film eine prominente Rolle spielt. Roger Moore hatte es in „Leben und sterben lassen“ von 1973 mit einem drogendealenden Großverbrecher namens Kananga samt allerlei bösartigen Voodoo-Priestern zu tun und logierte im Sans Souci, das sich dramatisch an einer Steilküste festkrallt und damals das Nonplusultra des Luxus war, der Inbegriff von Glamour und Stil. Heute sieht es zwar fast genauso aus wie einst, ist aber nicht mehr ganz so exklusiv, sondern alles inklusive und ausschließlich für Paare reserviert, die fast ausnahmslos aus Nordamerika kommen und eine eher volkstümliche Vorstellung von Glamour haben.

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