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Abenteuer in der Südsee : Tauchgang mit Tiger

  • -Aktualisiert am

T47 nennen die Taucher dieses Tigerhaiweibchen, weil sie das 47. Exemplar dieser Spezies ist, die am Tauchplatz „White Valley“ entdeckt worden war. Bild: Robert Wilpernig

Ohne Schutzkäfig im großen Ozean: In Französisch-Polynesien kann man Tigerhaien sehr nahe kommen. Der Gedanke an Flucht ist verboten.

          4 Min.

          Es stinkt nach Fisch. Zwei Körbe mit Thunfischköpfen stehen am Kai. Die sollen sie anlocken, die Tigerhaie. „Wir holen die Fischreste bei den lokalen Fischern“, sagt Yannis Saint-Pe, Chef von Fluid Dive in Papeete, der Hauptstadt Französisch-Polynesiens. Seit 2010 lockt er Tigerhaie vor die Küste Tahitis, um sie seinen Gästen zu präsentieren. „Unfallfrei“, wie er betont.

          Zehn Taucher räumen ihre Ausrüstung aufs Boot. Sie sprechen nicht viel. Mit dem ersten Abtauchen ist frühestens in ein bis zwei Stunden zu rechnen. Baiting, das Ködern von Haien, ist ein Geduldsspiel. Yannis steuert das Boot aus dem Riff vor der Bucht von Papeete. Meterhohe Wellen brechen sich an der Riffkante. Der Tauchplatz ist mit orangen Bojen markiert. Kaum hat das Boot festgemacht, umkreisen Grauhaie, Weißspitzen- und Schwarzspitzenriffhaie das Boot. Futter naht. „Unten werdet ihr noch Ammen- und Zitronenhaie sehen“, verspricht Yannis.

          Die Crew packt die Fischreste in eine durchlöcherte Alukiste und wirft sie ins Wasser. Über 50 verschiedene Tigerhaie haben Yannis und seine Mitarbeiter bisher gezählt, alle mit Lasern vermessen und in der Reihenfolge der Begegnung benannt: „T1“ war der Erste. Jetzt heißt es warten. Loic, ein junger Bretone und einer der Tauchführer an Bord, schnorchelt ums Boot. Die Sicht ist gut genug, um die Kiste in 18 Meter Tiefe zu sehen, wo sie ihren Duft verströmt. Der Hai kann viele Kilometer entfernt sein. Wenn die Strömung günstig steht, wird er direkten Kurs auf die mutmaßliche Beute nehmen. Von allen Sinnen ist der Geruchssinn der Haie derjenige mit der größten Reichweite.

          Südseetraum: Bora Bora und die gesamte Südsee ist auch unter Haien sehr beliebt

          Sanft schaukelt das Boot. Wellen plätschern. Die Taucher sitzen eingepackt in Neopren unter einem Sonnensegel und warten. Loic schnorchelt noch immer, den Blick starr nach unten. Nach einer Stunde entscheidet Yannis: „Wir gehen runter!“ Zuvor hat er der Gruppe den genauen Ablauf beschrieben. „White Valley“ heißt der Tauchplatz, weil unten ein heller Sandboden zu beiden Seiten von Korallenblöcken flankiert wird. Mitten drin liegt der Köder. „Wir gehen an der Leine runter. Unten setzt sich jeder hinter einen Korallenblock. Dort bleibt ihr bitte, bis die Führer euch andere Anweisungen geben. Diejenigen, die keine Kamera dabeihaben, nehmen das hier mit.“ Yannis zeigt einen ein Meter langen Stab mit einer Handschlaufe. „Wenn der Hai auf euch zu schwimmt, haltet ihr ihn damit auf Abstand“, sagt Yannis. „Und noch etwas“, ergänzt er. „Wenn ihr den Tigerhai seht, zeigt bitte mit ausgestrecktem Arm in seine Richtung, damit ihn alle sehen! Es ist wichtig, dass jeder zu jeder Zeit weiß, wo der Hai sich befindet. Wenn er euch umkreist, dreht euch mit ihm. Er muss immer wissen, dass ihr ihn seht.“

          Mit dem Rücken zum Korallenstock

          Die Gruppe hat in den Korallen Platz genommen. Hunderte bunter Fische umschwärmen die Köderbox, dazwischen Dutzende mittelgroße Haie. Die größten sind drei Meter lange Zitronenhaie, die am Grund patrouillieren. Näher als zwei Meter schwimmt kein Hai an die Taucher heran. Die Tiere haben Respekt vor den Blasen ausstoßenden, nach Gummi riechenden Wesen. Eine halbe Stunde verstreicht. Die Aufpasser stehen rechts und links der Gruppe, schwimmen ab und zu zur Kiste, nehmen ein Stück Fisch heraus und verstecken es unter einem Stein. Aufgeregt umkreisen die Haie die Köder. Die Blicke der Taucher kreisen umher. Wo bleibt der Tiger?

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