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Flugverkehr : Meine Concorde!

  • -Aktualisiert am

Auch das Modell kommt für viel Geld unter den Hammer Bild: AP

188 Positionen plus eine Fotosammlung umfaßte der Katalog "Souvenirs du Concorde". Von der dreieinhalb Meter langen Nase des Überschallflugzeugs bis zum Bedienhebel zum Absenken derselben war alles vorhanden, was das Sammlerherz begehrt.

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          Die Nummer 28 soll es sein, ein Stück Technik, das im Katalog des Auktionshauses Christie's eher archaisch wirkt. An den Kanten ist die Farbe abgekratzt, auch der silbrige Metallhebel, sozusagen der Urenkel des Joy Sticks, mit dem heutige Verkehrsflugzeuge gesteuert werden, zeigt Gebrauchsspuren.

          Doch gerade das macht den Reiz dieses 19 Zentimeter langen Instruments aus. Und es ist ein Teil, das es so nur im einzigen Überschall-Passagierflugzeug der Welt gegeben hat: Der Bedienungshebel zum Absenken der Concorde-Nase und des dazugehörigen Visiers vor den Cockpitscheiben. Ein wunderbares Erinnerungsstück also an die glorreiche Zeit des Überschall-Passagierflugs, die mit dem letzten Flug einer British-Airways-Concorde vor vier Wochen endgültig endete.

          Flug ist Grund genug

          Ein paar Mal hatte ich das Vergnügen, mit dem schnellsten Flugzeug aller Zeiten doppelte Schallgeschwindigkeit zu erreichen. Ehrensache also, am Samstag letzter Woche nach Paris in die Avenue Matignon zu pilgern, um bei Christie's meinen Traum vom eigenen Stückchen Concorde wahr zu machen.

          188 Positionen plus eine Fotosammlung umfaßte der Katalog "Souvenirs du Concorde". Von spektakulären Groß-Exponaten wie der dreieinhalb Meter langen Nase über zwei komplette Triebwerke oder einem halben Dutzend Pilotensitze war alles vorhanden, was des Sammlers Herz begehrt. Und gar nicht mal teuer sollten manche Stücke sein: Eine Tastatur des Ansagesystems an Bord war mit 20 bis 30 Euro taxiert, eine Antenne mit 30 bis 40 Euro, und auch Nummer 28, der Nasen-Hebel, stand mit einem Schätzpreis von 400 bis 600 Euro im Katalog. Bis maximal zum Doppelten wollte ich mitbieten.

          Viel zu teuer

          Aber ich hätte es besser wissen sollen: Alles, was mit der Concorde zu tun hat, mobilisiert die Massen, und alles, was je mit oder in der Concorde stattfand, war für Normalverdiener nie erschwinglich. In der Avenue Matignon allerdings sieht es zunächst so aus, als würden hier Dinge verschenkt: Eine Menschenschlange windet sich eine knappe Stunde vor Auktionsbeginn um das Haus bis in die Nebenstraße. Selbst Angemeldete werden barsch ans Ende der Schlange verwiesen.

          Da tauchen direkt am Einlaß alte Bekannte auf, die mich mit hineinschleusen: Der bisherige Concorde-Pilot Jean Louis Chatelain, der Ende Juni vor 25000 Zuschauern einen Überschalljet in Karlsruhe-Baden gelandet hatte, der jetzt im Technik-Museum Sinsheim steht. Seine Kollegin Beatrice Vialle, zuletzt einzige Concorde-Pilotin, sowie Madame Marty, die Witwe des im Juli 2000 mit der Concorde abgestürzten Piloten.

          Kein Zutritt zum Auktionssaal

          Während die erlauchte Gruppe Einlaß in den Auktionssaal findet, werden gewöhnliche Bieter in den angemieteten Saal von Pierre Cardin geschickt, zehn Gehminuten entfernt, wo sonst Modeschauen stattfinden. Mit meiner Bieternummer 217 finde ich noch Platz in der hintersten Ecke, wo mich der Auktionator gar nicht sehen kann. Per Satellitenschaltung sind die drei Räume, die die knapp 2.000 Interessenten kaum fassen können, untereinander verbunden. Das macht die Abläufe schwierig - "ein lautes Buh für die schlechte Organisation von Christie's!" schreit ein aufgebrachter Franzose in den Saal.

          Ohne Französischkenntnisse ist die Teilnahme schwierig - die Prozeduren werden den vielen Auktions-Neulingen nicht erklärt, immer wieder müssen Bietvorgänge wiederholt werden. Um 15.21 Uhr der erste Hammer - im doppelten Wortsinn. Denn der Hammerschlag des Auktionators besiegelt die Versteigerung des ersten Postens: Ein Notfall-Machmeter aus dem Cockpit, Schätzpreis 300 bis 400 Euro, erzielt mit 11.000 Euro einen Hammerpreis. Beim nächsten Posten mit gleichem Schätzpreis sind sogar 12.000 Euro fällig - der Saal raunt. Neben mir steht Elia, ein wuschelhaariger Designer aus Italien, der in Paris lebt. "Ich bin eigentlich gar kein großer Concorde-Fan", erzählt er, "aber ich finde viele Objekte so schön, daß ich hoffte, hier eins zu ersteigern - aber jetzt bin ich enttäuscht von den Preisen, das kann sich ja kein normaler Mensch leisten."

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