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Feststeckende Flugreisende : Die Deutschen aus dem Risikoland

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Bei Touristen und in der großen Gemeinschaft von am Kap lebenden Deutschen wuchs die Besorgnis. Wie geht’s jetzt weiter? Kommen wir hier noch raus? Vor allem: Wo bekommen wir verlässliche Informationen her? Bild: dpa

Deutsche Reisende wollen jetzt schnell nach Hause. Aber wie? Diese Frage stellen sich gerade viele, die in aller Welt festsitzen. Zum Beispiel in Südafrika.

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          Während die Nachrichten aus aller Welt immer bedrohlicher wurden sonnten sich am Strand von Camps Bay in Kapstadt am vergangenen Sonntag im warmen Spätsommerwetter noch viele Gäste. Südafrika hatte bisher nur wenige Corona-Fälle, doch die Zahlen steigen auch dort rapide an. Am Sonntagabend verhängte Präsident Cyril Ramaphosa den nationalen Notstand und verbot unter anderem Deutschen ab Mittwoch die Einreise, bereits erteilte Visa würden entzogen und alle nach Mitte Februar eingereisten Bürger aus Risikoländern wie Deutschland müssten sich einem nicht näher beschriebenen Test unterziehen. Genauere Informationen dazu hatte zu Wochenbeginn aber selbst das deutsche Konsulat nicht, die lokalen Gesundheitsämter wussten nichts von Tests. Im benachbarten Namibia, ebenfalls ein beliebtes Reiseziel um diese Jahreszeit, hatte der Präsident am vergangenen Samstag mit sofortiger Wirkung alle Langstreckenflüge von und nach Windhuk verboten, ein Eurowings-Flug auf dem Weg dorthin musste umkehren. Hunderte Touristen saßen fest. Nur der Weg über Südafrika blieb offen.

          Gleichzeitig wuchs bei Touristen und in der großen Gemeinschaft von am Kap lebenden Deutschen die Besorgnis. Wie geht’s jetzt weiter? Kommen wir hier noch raus? Vor allem: Wo bekommen wir verlässliche Informationen her? Und eine Flugbuchung? Inzwischen kommt die Realität in Kapstadt an, Restaurants und Bars müssen ab 18 Uhr schließen, in der bereits geschlossenen Deutschen Schule gibt es die ersten Corona-Fälle, auch der französische Generalkonsul ist infiziert. Schon während der Präsidentenrede war auf den Buchungsseiten der Airlines, die noch Flüge nach Deutschland anboten, zu sehen wie Preise stiegen und „Ausgebucht“-Vermerke auftauchten bei Verbindungen, die wenige Minuten vorher noch buchbar waren. Wer Glück hatte und schnell genug war, ergatterte zum Beispiel noch einen Platz auf dem letzten regulären Flug mit Austrian Airlines. In der Nacht zu Mittwoch verließ er Kapstadt in Richtung Wien. Dort waren Anschlüsse nach Deutschland nur für Transitpassagiere verfügbar.

          „Wir wollen uns nicht gesundstoßen“

          Solche Unwägbarkeiten sind derzeit Alltag in der Flugbranche, die unter nie gekannten Bedingungen operieren muss und ständig von kurzfristigen Schwierigkeiten durch sich ändernde Regelungen betroffen ist. „Aus kommerziellen Gründen ergibt Fliegen zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr“, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Gut beschäftigt ist die Lufthansa derzeit aber mit Rückholflügen für Urlauber im Auftrag des Auswärtigen Amts. Insgesamt 50 Millionen Euro will die Regierung dafür ausgeben um vor allem aus Ländern, die sonst jeden Flugverkehr unterbinden, wie etwa Ägypten oder Marokko, Deutsche heimzuholen. Am Donnerstag befanden sich gleich sieben Großraumjets der Kranich-Linie auf Barbados um gestrandete Kreuzfahrt-Reisende heimzufliegen. „Uns war wichtig die Leute erst mal nach Hause zu holen, bei den von der Bundesregierung gecharterten Flügen erhalten wir den Economy-Flugpreis pro Passagier, wer das am Ende bezahlt klären wir später“, so Carsten Spohr. Und der Lufthansa-Chef betont: „Wir wollen uns nicht gesundstoßen daran.“

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