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Warum wir reisen müssen : Fernweh ist keine Ordnungswidrigkeit

Wann werden wir wieder in einem Flugzeug sitzen und in die Ferne reisen? Nichts in derzeit ungewisser als diese Frage - und nichts ist quälender. Bild: dpa

Die Deutschen waren einmal Reiseweltmeister. Jetzt sind sie Meister der Selbstisolation, weil es die Regierung so will. Geht ihnen darüber die Lust auf die Ferne und Fremde verloren? Das könnte passieren – und wäre verheerend.

          8 Min.

          Kann man das Reisen verlernen? Werden wir eines Tages nach Monaten oder vielleicht sogar Jahren der staatlich verordneten Selbstisolation nicht mehr wissen, wie wir uns jenseits der Grenzen von Merkelistan und Söderland mit Anstand und Würde zu benehmen haben? Werden wir dann so unbedarft sein wie unsere Vorväter und Vormütter bei ihren ersten Wirtschaftswunderfahrten in das blühende Zitronenland und hilflos an Flughäfen vor Check-in-Apparaten verharren, ratlos über den Formularen von Visa-Anträgen grübeln, orientierungslos in den Untergrundbahnen der Weltmetropolen umherirren? Sind wir also auf dem besten Weg, uns wieder in touristische Analphabeten zu verwandeln?

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Manchmal steht uns der kalte Schweiß auf der Stirn, weil wir fürchten, dass es sich mit dem Reisen eben nicht so verhält wie mit dem Fahrradfahren oder dem Gebrauch von Messer und Gabel, sondern so wie mit komplizierteren Kulturtechniken, etwa der gepflegten Konversation oder dem Erlernen und Verlernen von Fremdsprachen – Übung macht den Meister, Tatenlosigkeit führt zum Vergessen. Und so entsetzlich das auch wäre, treibt uns doch ein noch viel schrecklicheres Szenario um: Nach einer endlosen Zeit der Verwahrlosung in der Zivilisationseinsiedelei könnten wir nicht nur das Reisen verlernen, sondern auch die Lust daran verlieren: Man sperrt die Tür des Käfigs auf, und das freiheitsliebende Tier bleibt einfach apathisch liegen.

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