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Vietnam : Das Medium ist die Massage

  • -Aktualisiert am

Am Strand von Da Nang Bild: Arezu Weitholz

Ein Hotel in Vietnam bietet eine Wellness-Flatrate an: Massagen, Pediküre, Lachyoga - jeder Gast kann im „Fusion Maia“ so viele Behandlungen besuchen, wie er will. Ein Selbstversuch in Da Nang.

          Tag 1. 11 Uhr. Fräulein Van grinst. Sie ist zwei Köpfe kleiner als ich und will wissen, ob sie doll zudrücken darf. Ich nicke. Bunte Gerbera dümpeln in einem Becken vor dem Spa. Jeder Gast kann im „Fusion Maia“ pro Tag zwei Behandlungen im Voraus buchen; danach so viele, wie er will, sofern Termine frei sind. Ich liege auf dem Bauch und spwwwwwwüre, wie in extremer Zeitlupe ein weiches, schweres Stuhlbein über meinen Rücken gezogen wird. Aua. Das ist die Nackenschultermassage. „Täktikbräss“, sagt Fräulein Van. Ich halte die Luft an. Dann sagt sie wieder: „Täktikbräss.“ Bevor ich begreife, dass ich tief Luft holen soll, rammt sie mir sanft ihre Knöchel in den Nacken, und eine hautflächendeckende Gänsehaut macht sich breit. Hinterher habe ich keinen Rücken mehr, sondern einen besonders gut geklopften Teppich - toll. Aber, rät Fräulein Van, ich solle besser sofort gleich noch so ein paar Nackenschulterdinger buchen, ich habe das nötig.

          18 Uhr. Es klopft. Zwei Jungs kommen in den Bungalow und machen sich an der Badewanne zu schaffen. Als ich wieder hinsehe, brennen Teelichter rings um den Stein, im Badewasser schwimmen unzählige dunkelrote Blätter. Ich habe jetzt zwei Massagen und ein Facial hinter mir, bin achtmal gefragt worden, wie ich heiße und wo ich herkomme, nun lege ich mich in die Wanne und denke an den Film „American Beauty“, nur fühle ich mich überhaupt nicht wie Mira Sorvino, sondern wie ein alter Wal. Die Blütenblätter schippern wie führerlose rote Dschunken über die Wasseroberfläche, es duftet nach Orangen und Rosen. Ambientmusik weht durch den Raum, sie ist erstaunlich unaufdringlich, kompiliert von einem DJ aus Saigon. Eine Stunde später bin ich zu müde zum Aufstehen. Schlafen geht aber nicht. Um 20 Uhr ist Pediküre. Als ich gegen 21 Uhr das Spagebäude verlasse, sind noch immer an die 30 Therapeuten bei der Arbeit.

          22 Uhr. Lila Leuchtquallen hängen in der Mitte des Restaurants. Es ist schick hier, ein bisschen wie in einem modernen „Hyatt“, aber auch ein bisschen wie in einem schönen Zen-Tempel, nur ohne Buddhafiguren. Abends finden wir eine Karte in unserem Zimmer. Darauf steht das Motto für morgen: Get social. Das ist eine der sieben Säulen des Wohlbefindens, die das Konzept hinter dem Wort Fusion bilden: Gut essen, Natur entdecken, Bewusstsein öffnen, aktiv sein, sich frei fühlen, bewusst handeln, und wenngleich das Ganze klingt wie ein Manifest, ist es so wenig sozialistisch wie das Resort selbst. Wir lesen den Wochenplan, in dem jeder Aspekt mehrmals vorkommt. Es gibt Ausflüge, Vietnamesisch-Kurse, Schmuckbasteln, Lachyoga. Lachyoga?

          Ich sehe lila Lichter, dann schlafe ich ein

          Tag 2. 5 Uhr. Am Strand macht ein etwa siebzigjähriger Mann barfuß Powerwalking. Das klotzige Hotelgebäude nebenan gehört einem Hawaiianer, der es nicht hinbekommt, es fertig zu bauen. Es steht zum Verkauf. Langsam geht die Sonne auf, in den Bergen gegenüber leuchtet hellweiß die Figur von Lady Buddha. Die 67 Meter hohe Betonstatue schaut erst seit ein paar Jahren über die Küstenstadt Da Nang. Sie weiß nicht, dass Da Nang Beach früher China Beach hieß, dass hier zu Beginn des Vietnamkrieges die ersten US-Truppen an Land gingen, sie hat nicht gesehen, wie sich vor zehn Jahren die Militärfluglandebahn in eine Ausfallstraße verwandelte, auf der heute Fahrräder, Tuktuks und Autos drängeln, vorbei an Hotelanlagen, staubigen Feldern und halb fertig gebauten Häusern.

          7 Uhr. Frühstück. Pyramiden aus süßem Gebäck, Dumplings, kleine Gläser mit Panna Cotta, warme Tet-Reisbällchen, asiatische Nudelsuppen, und die Salatbar sieht aus wie eine Kunst-Installation. Es sind kleine Portionen, weswegen man von allem probieren kann, ohne sich vollzustopfen.

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