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Vereinigte Staaten : Nennt mich ja nicht Lady Lindy!

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Nicht die Dienstkleidung eines Außeriridschen, sondern eines amerikanischen Astronauten. Das scheint diese junge Besucherin aber nicht sonderlich zu beeindrucken. Bild: dpa

Die Dichte und Qualität der Museen an der Mall von Washington ist weltweit einmalig. Neunzehn Häuser unterhält die Smithsonian Institution dort. Und es kommen immer noch welche hinzu.

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          Die Schönheit steht im Halbdunkel, hinter der Absperrung der Dekorateure und Restaurateure. Kein Scheinwerfer setzt sie in ein günstiges Licht. Die allermeisten Besucher eilen vorbei an den Planen und Baumaterialien, die man acht- und respektlos um sie herum gelagert hat. Und doch, wer hinter die Absperrung schaut, sich in diesem populärsten Museum der Welt etwas Zeit lässt, dessen Blick wird hängenbleiben an ihrer ästhetischen Gestalt, ihrer feuerroten Lackierung und ihrem silbernen Propeller, der bereit zu sein scheint, jeden Moment in Bewegung zu geraten und die Lockheed Vega anzutreiben, eine Runway hinunter, neuen Abenteuern entgegen wie damals, als das schöne Flugzeug auf beiden Seiten des Atlantiks für Schlagzeilen sorgte. Auf einer grünen Wiese in Nordirland sanft gelandet, entstieg ihr eine junge, sommersprossige Frau mit Haaren, die der Vega Röte widerzuspiegeln schienen, und wurde - je nach Interpretation durch Zeitgenossen und Historiker - zu einem Medienereignis, einer Heldin, gar zu einer Vorbotin und Bannerträgerin des Feminismus, hatte sie doch den Beweis erbracht, dass selbst der Himmel dem weiblichen Mut und Pioniergeist keine Grenzen setzte. Amelia Earhart war mit der Vega als erste Frau allein über den Atlantik geflogen, 1932, nur fünf Jahre nach Charles Lindbergh.

          Die feuerrote Vega ist das Schmuckstück der "Pioneer of Flight Gallery" im Washingtoner National Air and Space Museum, die nach umfangreichen Umbauarbeiten im Mai 2010 wiedereröffnet wird. Das Flugzeug wird dann in einem heftigen Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit der Besucher mit anderen Exponaten von höchster luftfahrthistorischer Relevanz stehen wie dem Flyer der Gebrüder Wright von 1903, der Apollo-11-Kapsel, mit der Armstrong, Aldrin und Collins im Juli 1969 nach der ersten Mondlandung zur Erde zurückkehrten, und der Spirit of St.Louis des Charles Lindbergh - Amelia Earhart hasste es wie die Pest, in Anlehnung an den männlichen Pionier "Lady Lindy" genannt zu werden.

          Großartiger als Paris und London

          Das National Air and Space Museum ist Teil der einzigartigen Museumslandschaft, die die neunzehn Häuser der Smithsonian Institution in Washington bilden. Sie sind überwiegend entlang der zentralen Achse der Hauptstadt angesiedelt, der Mall. Dieses grüne Herz Washingtons an sich ist Anlass genug zum Staunen. Die Mall geht wie das gesamte städteplanerische Konzept Washingtons auf einen Entwurf des französischen Architekten Pierre Charles L'Enfant zurück, der die aus dem Boden gestampfte Hauptstadt der gerade unabhängig gewordenen Vereinigten Staaten in den neunziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts entwarf. Seine Vision, mit der er ganz gezielt die Metropolen seiner Zeit, vor allem Paris und London, in den Schatten stellen und dabei die Überlegenheit des demokratischen Prinzips gegenüber den Monarchien der Alten Welt quasi in Stein meißeln und in Boulevards von ungeahntem Ausmaß verewigen wollte, wird selbst der demographischen Überfülle des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts gerecht. Die Mall, die sich über drei Kilometer vom Capitol bis zum Lincoln Monument erstreckt, ist vom Frühjahr bis kurz vor Thanksgiving Ende November eine der wichtigsten Besucherattraktionen des ganzen Landes. Doch selbst an einem sonnigen Samstagnachmittag, wenn sich mehrere zehntausend Besucher aus aller Welt auf dem Boulevard tummeln, spürt der Hauptstadtgast oder Hauptstadtbewohner kaum jemals das erstickende Gefühl drangvollster Enge, wie es zu identischer Tageszeit und bei vergleichbar schöner Witterungslage am Times Square oder am Rockefeller Center in New York mit Händen zu greifen ist, Monsieur L'Enfants Megalomanie sei es gedankt.

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