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Türkei : Willkommen in meiner Bucht

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Langsam spricht es sich herum: Die türkische Mittelmeerküste entwickelt sich zu einem beliebten europäischen Segelrevier. Aus Göcek, etwa auf halbem Weg zwischen Marmaris und Antalya, ist innerhalb weniger Jahre der größte Seglerhafen an der türkischen Südküste gewachsen.

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          Langsam spricht es sich herum: Die türkische Mittelmeerküste entwickelt sich zu einem beliebten europäischen Segelrevier. Aus Göcek, etwa auf halbem Weg zwischen Marmaris und Antalya, ist innerhalb weniger Jahre der größte Seglerhafen an der türkischen Südküste gewachsen. Im Halbkreis erstreckt sich die Bucht, umgeben von flachen Vorbergen. Ihre Mitte bildet eine kleine Gemeinde mit Geschäften und Restaurants, die schönsten liegen aufgereiht an der Uferpromenade. Gleich dahinter die Supermärkte, in denen sich vor allem Segler versorgen. Die Geschäfte gehen gut, denn hier liegen mehrere hundert Boote. Es gibt eine öffentliche Marina und daneben einen vornehmen Yachtclub, von Ordnungshütern abgeschirmt. Die Bootseigner kommen aus Istanbul und Ankara an den Wochenenden eingeflogen.

          Das Charterangebot entspricht der Größe des Reviers. Boote zwischen zehn und sechzehn Meter Länge sind die Regel. Darin finden bis zu acht Personen komfortable Kojen. Standard der Ausrüstung und Zustand der Boote entsprechen denen in deutschen Segelrevieren. Kaum ein Boot ist älter als zwei oder drei Jahre. Vor allem Anfänger fühlen sich an der türkischen Mittelmeerküste auf Anhieb wohl: Das Revier ist einfach. Die Ufer fallen steil ins Meer, man könnte unmittelbar an der Küste entlangsegeln, ohne in Gefahr zu geraten, Grund zu berühren. Die Karten verzeichnen nirgendwo Untiefen, die zahlreichen Buchten haben komfortable Ankertiefen.

          Kochen an Bord macht Spaß

          Die Lage der Häfen und Buchten läßt für die Planung eines Törns schier unendliche Möglichkeiten. Gegenüber dem Festland liegen die großen Inseln Zypern, Rhodos und Kreta, in der Ägäis kann man zwischen den kleineren griechischen Inseln wochenlang kreuzen. In den Sommermonaten ist der vorherrschende Wind der Meltemi, er kommt im freien Seegebiet aus nördlichen Richtungen.

          Das Boot macht unabhängig. Ab und zu Strom und Wasser von einer Marina nachgefüllt, auf einem Markt frisches Obst und Gemüse eingekauft - mehr benötigt man nicht. Kochen an Bord macht Spaß. Wer jedoch lieber essen geht, findet in den meisten Buchten ein Restaurant. Auf einfachen Bänken sitzt man dort an blank gescheuerten Tischen im Schatten der Bäume - manchmal ganz allein, bisweilen mit anderen Crews. Sie können einem oft gute Tips fürs nächste Ziel geben.

          Der Blick entschädigt für den Fisch

          Eine weithin gerühmte Adresse ist "My Marina" in der Bucht von Ekincik. Hier verkehren nur Segler, denn von Land aus ist das Restaurant nicht zu erreichen. Ankommende Boote werden in Empfang genommen, man ist einander beim Anlegen behilflich. Leider hat sich die Küche dort in letzter Zeit auf ein eher einfallsloses Standardprogramm festgelegt: ein paar Vorspeisenteller und danach gegrillter Fisch. Dennoch: Der Blick von der Terrasse weit hinaus übers Meer und die bewaldete Bucht ist einmalig. Irgendwo am Horizont blinken die Lichter eines Dorfs, im "My Marina" klingen derweil die Gläser aufs herrliche Seglerleben.

          An der türkischen Südküste sind die Buchten die Stars. Die wenigsten von ihnen sind je überlaufen. In Boynuz Bükü war an jenem strahlenden Sonnentag überraschend viel Betrieb, deshalb machten wir nicht am Steg vor dem kleinen Restaurant fest, sondern gingen etwas abseits vor Anker. An Land standen Tische und Stühle unter einer Pergola mit Weinlaub. Der Sohn des Besitzers, Student in Istanbul, bediente die Gäste in perfektem Deutsch. Am nächsten Morgen kam er mit dem Boot vorbei und brachte frisches Brot: ein Geschenk seines Vaters.

          Der Wind macht Pause

          Auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs von Fethiye, in der Nähe des gleichnamigen Ortes, liegt die kleine, feine "Yes Marina". Die Angestellten dort erwarten ihre Gäste stets mit einem Begrüßungstrunk. Gleich hinter der Marina befindet sich eine Bushaltestelle, in ein paar Minuten ist man in der Stadt - auf einem quirligen Markt, in einem guten Fischrestaurant. Am Abend kann man zu den lykischen Felsgräbern hinaufspazieren. Beim Sonnenuntergang färben sich die Felsen goldrot. Von hier hat man eine herrliche Aussicht auf die Dächer und Kuppeln von Fethiye, auf die Inseln und Buchten des Golfs und auf die Bergketten des lykischen Taurus.

          Für unseren letzten Tag auf See blieb die gemütliche Fahrt an zahlreichen kleinen und größeren Inseln vorbei zurück zur Marina von Göcek. Auch wenn der Wind nicht viel hergibt, wir segeln zum letzten Mal, genießen die weite Sicht auf die graugrünen Berge ringsum, lassen uns langsam in die Marina treiben, wollen es festhalten, dieses Gefühl der Freiheit. Dann rauscht das Großsegel zum letzten Mal herunter, die Fock wird eingerollt, ein Knopfdruck, und der Diesel übernimmt die letzten Meter.

          Anreise: Charterflüge von mehreren deutschen Flughäfen nach Dalaman. Von dort mit dem Taxi in etwa dreißig Minuten nach Göcek.

          Segelerfahrung: Wer ein Segelboot chartern möchte, muß einen entsprechenden Befähigungsnachweis vorlegen. Informationen beim Deutschen Segler-Verband e. V., Gründgensstraße 18, 22309 Hamburg, Telefon 0 40/6 32 00 90.

          Yachtmiete: Das Angebot beginnt bei Booten von zehn Meter Länge, die bis zu sechs Personen Platz bieten. Die Wochenmiete beträgt von 2500 Euro an in der Hauptsaison. Die Boote sind komplett ausgestattet, meistens sind Autopilot, Außenborder, GPS und Bettwäsche im Preis enthalten. Buchungen werden mindestens sechs Monate im voraus empfohlen. Yachten in Bodrum, Marmaris, Göcek und Cesme vermietet die Agentur Argos, Yachtcharter & Partner, Rheingaustraße 152, 65203 Wiesbaden, Telefon: 06 11/6 60 51, Fax 69 12 36.

          Segelrevier: Die türkische Mittelmeerküste eignet sich auch für Einsteiger. Die Segelsaison dauert von Mitte April bis Ende Oktober. Die Sommermonate sind trocken und heiß, der Wind macht die Hitze erträglich. Beste Segelzeit ist der Herbst mit herrlichen Badetemperaturen. Der Wind kommt meist aus nördlichen Richtungen und brist gelegentlich heftig auf.

          Nautischer Reiseführer: Der Band "Türkische Küste - Ostgriechische Inseln" (in der Reihe "Edition Maritim" im Verlag Delius Klasing, Bielefeld, dritte Auflage 2002, 304 Seiten mit zahlreichen Fotos und Plänen, 45 Euro) bietet exzellente Beschreibungen der Küstenabschnitte und Ankerplätze in einsamen Buchten, Hinweise auf Ansteuerung und Gefahren, Hafenpläne sowie Restauranttips.

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