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Tsunami : Die Reinigung der Katastrophe

  • -Aktualisiert am

Gähnende Leere: Strand in Sri Lanka Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Alles ist wieder schön. Das soll die Botschaft an die Touristen von den Stränden der Tsunamiregion sein. Aber die Menschen haben die Flutbilder im Kopf und schrecken noch vor einem Urlaub in der Region zurück. Wie Asien den Tsunami bewältigt.

          5 Min.

          Am Strand von Bentota an der südlichen Westküste Sri Lankas, dem einzigen Urlaubsort des Landes, der am Reißbrett geplant wurde, steht Roman Knizka mit den Füßen im Wasser. Eine Welle rollt heran, den Kamm weiß geschwollen, und Roman Knizka winkt ihr fröhlich zu.

          In der nächsten Szene hüpft er zusammen mit einer blonden Frau in die Brandung. Kurz darauf sieht man ihn, wie er in eine Muschel bläst und auf einem Elefanten reitet. Schließlich steigt er auf ein Moped und knattert in einer weißen Benzinwolke davon.

          Alles ist wieder schön in Sri Lanka

          Wer ist Roman Knizka, und was will er uns sagen? Seine Worte sind nicht zu verstehen, denn die Live-Schaltung an diesem späten Morgen aus dem kalten Berlin in den sonnigen Sommernachmittag Sri Lankas zeigt Bilder, doch ein Ton ist nicht zu hören. Channa Jayasinghe, der junge Direktor des Fremdenverkehrsamts von Sri Lanka in Deutschland, spricht mit ihm am Mobiltelefon. Roman Knizka gestikuliert und deutet aufs Meer, zum Himmel und auf die Hotelgebäude hinter ihm. Immer lächelt er dabei. Jayasinghe hält sein Telefon an das Saalmikrophon, doch auch so versteht man nichts von dem, was der Mann am Strand in Sri Lanka spricht. Resignierend antwortet Jayasinghe ihm durch sein Telefon: "Das ist doch sehr schön."

          Als wäre nichts gewesen: Touristen nach der Flutwelle in Sri Lanka

          Alles ist wieder schön in Sri Lanka. Das soll die Botschaft sein, die Roman Knizkas nur wie im Stummfilm überbringen konnte. Der deutsche Schauspieler, dessen Gesicht man vage aus einigen Fernsehproduktionen in Erinnerung zu haben meint, macht auf Einladung des Fremdenverkehrsamts mit seiner Schwester Urlaub in Sri Lanka. Im Gegenzug hat er sich bereit erklärt, nur Gutes zu erzählen. Er kennt das Land von früheren Aufenthalten, heißt es, und bezeichnet sich als Freund der Insel. Und Freunde sollen füreinander dasein in der Not.

          Ungehörige Honorarforderungen

          Vor Knizka machte bereits Verona Pooth, ehemals Feldbusch, Kurzurlaub in Sri Lanka - ebenfalls im Auftrag der staatlichen Tourismuswerber. Doch über den Umstand hinaus, daß die Moderatorin dort war und ein wenig unglücklich über die Arbeit der Maskenbildnerin, die man für ihren Auftritt vor der Kamera bestellt hatte, konnte man von ihrer Mission in Berlin nicht viel in Erfahrung bringen.

          Die Hauptwerbeagentur Sri Lankas, in Singapur ansässig, hatte die Devise ausgegeben, in den wichtigsten Touristenmärkten des Landes nach Prominenten zu suchen, die bereit seien, für das Land zu werben. Verona Pooth und Roman Knizka sind die deutschen Vertreter. Mit anderen Berühmtheiten habe man keine Einigkeit erzielen können, hieß es entschuldigend in Berlin - zumeist seien die Verhandlungen an ungehörigen Honorarforderungen gescheitert.

          Der Tourismus stockt

          Die Botschaft von der Schönheit des Urlaubsziels Sri Lanka läßt sich auf die anderen Länder übertragen, die von den Tsunami-Wellen am zweiten Weihnachtsfeiertag getroffen wurden. Dreihunderttausend Menschen soll die Katastrophe in der Region das Leben gekostet haben, doch für die übrigen Millionen, die dort leben, muß das Leben weitergehen. Diese Erkenntnis ist mehr als eine Platitüde, sie ist der einzige Anker, der in der Not die Menschen hält. Denn groß ist derzeit die Verzweiflung an den Stränden der Urlaubsorte in Sri Lanka und Thailand, auf den Malediven und in Indonesien.

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