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Trekking in Äthiopien : Soweit die Hufe tragen

Im Süden Äthiopiens soll sich allmählich so etwas wie Trekkingtourismus etablieren. Und dieser Traum wird langsam zur Realität: Die landesweit einzigen Wanderhütten locken immer mehr Touristen in den Bergwald der Bale Mountains - glücklicherweise. Denn der natürliche äthiopische Bergwald, oder besser, das, was von ihm übrigblieb, kann so geschützt werden. Und mit Unterstützung der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit entstanden in dem Gebiet fünf Lodges mit je acht Betten. Die Einnahmen des Modellprojekts kommen direkt der lokalen Bevölkerung zugute.

Einer wollte das Projekt „hijacken“

Dabei standen viele Einheimische dem Tourismus zunächst mißtrauisch gegenüber, erzählt GTZ-Experte Martin Neumann. Pferde gegen Geld zu verleihen war in der Kultur der Oromo unbekannt, schließlich hatte jeder welche. Andere überschätzten die Einnahmen, die mit den Besuchern zu erzielen sind. „Manche glaubten wohl, der Tourismus könnte alle wirtschaftlichen Probleme der Region lösen“, sagt Neumann. Und schließlich riefen jährlich steigende Besucherzahlen auch Neider auf den Plan. Der Besitzer des Bale Mountains Motels in Dodola etwa wollte das Projekt „hijacken“. Die zehn Bergführer sollten fortan unter seiner Kontrolle arbeiten. Aber so war das Projekt nie angelegt, die Einnahmen sollten breit gestreut werden. Heute profitieren etwa hundert Menschen von den Öko-Touristen: Guides, Hüttenwarte und Pferdeführer.

Der zweite Wandertag führt uns bis auf 3700 Meter und die Vielfalt des äthiopischen Bergwalds vor Augen. Einst war das Land zu vierzig Prozent bewaldet, heute sind gerade noch drei Prozent übrig. In den Bale Mountains sind zahlreiche endemische Pflanzenarten heimisch, und es hat den Anschein, daß unser Führer sie alle kennt. Hussein weiß auch, wie die Bergbauern sie nutzen und etwa ihre Extrakte als Medizin einsetzen. Immer wieder erkundigt er sich höflich, ob diese oder jene Pflanze auch in Deutschland wächst und wann bei uns die Regenzeit einsetzt. Affen können wir jeden Tag irgendwo klettern sehen, mit etwas Glück lassen sich Warzenschweine, Bergnayalas und Schirrantilopen blicken. Wer aber den äthiopischen Wolf und andere Wildtiere beobachten möchte, kann dies mit größerer Wahrscheinlichkeit im benachbarten Bale Mountains National Park tun. Dort gibt es aber nur eine Lodge, übernachtet wird ansonsten im Zelt.

„Ferenjis“ werden mit Handschlag begrüßt

In der Adele-Hütte probieren wir die tägliche Kost der Waldbewohner: ein flaches, ungesäuertes Gerstenbrot, Porridge aus Mais und Gerste mit dem Aroma ranziger Butter und eine Paste, die sie hier „ensete“ nennen und die aus den Blättern der Zierbanane hergestellt wird. Trotz Kohl und Frühlingszwiebeln bleibt der Speisenplan der Einheimischen begrenzt. Wir träumen von einem Omelett, müssen aber erfahren, daß es in dieser Höhe einfach zu kalt ist, um Hühner zu halten.

Das Besondere an diesem nördlichen Teil der Bale Mountains ist die Verbindung von Natur und Kultur. Dieser Wald lebt, und in ihm und von ihm leben vor allem Hunderte Kinder. Oft barfuß unterwegs, leben sie ein einfaches, hartes Leben. Die meisten leiden unüberhörbar unter einer chronischen Bronchitis. Doch diese Kinder lachen viel, sie winken unablässig. Als am letzten Morgen der Wanderung eine Gruppe von dreißig Schülern unseren Weg kreuzt, werden wir „ferenjis“ von jedem mit Handschlag begrüßt. In den Bale Mountains dürfen sich Hüttenwanderer ohne weiteres wie Exklusivgäste fühlen.

Der Weg in die Bale Mountains

Anreise Flugverbindungen ab Frankfurt und München nach Addis Abeba haben unter anderem die Lufthansa, Emirates und Ethiopian Airlines. Mehr unter www.lufthansa.de, www.emirates.com und www.flyethiopian.com.

Trekking Seit 1998 werden Trekkingtouren in den Bale Mountains angeboten. Ausgangspunkte für Wanderungen im Bergwald sind Dodola oder Adaba. Beide Kleinstädte sind von der Hauptstadt Addis Abeba per Geländewagen in etwa fünf Stunden erreichbar. Zudem gibt es eine tägliche Busverbindung. Vier Hüttencamps eignen sich zur Übernachtung. Sie befinden sich zwischen 3080 und 3460 Meter Höhe und sind fünf bis achtzehn Kilometer von Dodola entfernt. Weitere Informationen und Buchung (die Touren sollte man im voraus buchen) unter: Dodola Tour Guides Association Office, P. O. Box 80, Dodola, Ethiopia, oder im Netz unter www.baletrek.com.

Literatur Im Conrad-Stein-Verlag ist der Reiseführer Äthiopien (22,90 Euro) erschienen, der auch die acht Nationalparks beschreibt. Der Reise-Know-How-Äthiopien-Führer (23,50 Euro) geht dagegen mehr auf Kultur und Geschichte des Landes ein. (asl)

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