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Syrien und Jordanien : Die Stunde der Kriegsgewinnler

  • -Aktualisiert am

Wenig Andrang im Amphitheater von Amman Bild: AP

Den Ruf, dass Amman und Damaskus Oasen des Friedens in einer umkämpften Region seien, haben sie lange verloren. Statt Touristen sind es nun meist Kriegsgewinnler, die dort Quartier beziehen und die Hoteliers sogar von der Krise im Nahen Osten profitieren lassen.

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          Das Hotel an der fünften Ringstraße von Amman ist schon in Sichtweite, als die Limousine vor Betonbarrieren stoppt. Sie wirken wie Panzersperren. Der Kofferraum muss geöffnet werden, ein mürrischer Mann im blaugrauen Kampfanzug schwenkt ein Maschinengewehr, sein Helfer wirft einen Blick unter den Wagen. Er darf zum Hotel weiterfahren. "Welcome to ,Four Seasons'", ruft ein livrierter Herr vom Empfang und hält die Tür auf. Doch der Besucher ist immer noch nicht am Ziel, er betritt jetzt ein weißes Zelt. Muss nochmals alle Metallgegenstände ablegen, sich durchleuchten lassen und den Koffer öffnen. Spätestens jetzt ist klar, dass auch die jordanische Hauptstadt Amman nicht mehr die Enklave des Friedens inmitten der Gewalt ist, als die sie einmal galt: Der Gazastreifen ist nah, nach Beirut sind es nur wenige Autostunden, selbst nach Baghdad könnte man sich von hier aus mit Glück in kaum mehr als einem Tag auf dem Landweg durchschlagen.

          "Bevor wir unseren eigenen 11. September hatten, gab es hier keinerlei offene Sicherheitsmaßnahmen", sagt Aysha Shahin, die Hotelsprecherin. Was in Europa längst vergessen ist, hat sich hier tief in die Erinnerung gegraben: jener Tag, als in Amman und Jordanien die Illusion verloren ging, unbehelligt von den Kriegen ringsum leben zu können. Am 9. November 2005 griffen Selbstmordattentäter von Al-Qaida drei Hotels in der jordanischen Hauptstadt an, 60 Menschen starben, 115 wurden verletzt. Die Besucherzahlen gingen in den Hotels danach dramatisch zurück, auch wenn die Schäden wurden schnell beseitigt wurden.

          Goldmine Bagdad

          Heute sind alle großen Hotels in Amman hermetisch abgeschirmt wie Hochsicherheitstrakte. Im "Radisson SAS", wo die Attentäter ihre Bombengürtel auf einer Hochzeitsfeier mit 300 Gästen zündeten, wird inzwischen wieder geheiratet - nachdem alle Gäste ausgiebig durchleuchtet wurden. "Damit können wir garantieren, dass sowas nie wieder passiert", versichert Aysha Shahin. "Wir sind der sicherste Platz inmitten so vieler Länder im Krieg". Doch richtig sicher fühlt sich hier niemand mehr. "Ich schalte jeden Morgen CNN an um zu schauen, ob ich überhaupt noch im Geschäft bin", erzählt ein Hoteldirektor in Amman. Vor einigen Wochen stieg der amerikanische Präsident im "Four Seasons" ab, erfahren hat die Öffentlichkeit davon erst, als er längst wieder abgereist war.

          "Wir werden als Naher Osten wahrgenommen, und damit als Krisenregion", sagt Hussein Dabbas, Marketingchef von Royal Jordanian Airlines. "Es ist ein ganz schöner Kampf, die Leute zu überzeugen, hierherzukommen." Die Krisen bei den Nachbarn sind allerdings nicht unbedingt schlecht für's Geschäft. Sie locken nämlich Kriegsgewinnler magisch an, die vor allem am Wiederaufbau im Irak verdienen wollen. Keine andere Fluggesellschaft bietet so viele Linienflüge ab Amman in den Irak wie Royal Jordanian: zweimal täglich fliegen sie Baghdad an (wie auch die gerade wieder erstehenden Iraqi Airways). Und auch Erbil und Sulaymaniyah im kurdischen Norden des Landes sowie Basra im Süden sind im Flugplan von Royal Jordanian zu finden. "Wir sind die einzige Brücke nach Baghdad, das ist heute eine Goldmine für jeden Geschäftsmann, vor allem die Amerikaner übernachten auf dem Weg in Amman", sagt Aysha Shahin vom "Four Seasons".

          Teures Risiko

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