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Südafrika : Herr Vos und seine Luftschlösser

  • -Aktualisiert am

Die Convair 440 Metropolitan von 1954 Bild: Andreas Spaeth

Der südafrikanische Luxuszug-Betreiber Rovos Rail steigt mit historischen Flugzeugen elitär ins Fluggeschäft ein.

          3 Min.

          Der Mann schien alles erreicht zu haben. Wohlhabend geworden im Handel mit Auto-Ersatzteilen, hatte sich Rohan Vos 1989 einen Traum erfüllt und eine Bahngesellschaft mit historischen Luxuszügen gegründet. Rovos Rail avancierte in den fünfzehn Jahren ihres Bestehens zum Symbol für die elegante nostalgische Reise über die Schienenstränge des südlichen Afrika. Drei Züge aus den zwanziger und dreißiger Jahren schaukeln wohlhabende Passagiere aus aller Welt vom firmeneigenen Bahnhof in Pretoria nach Kapstadt, Durban, über die Garden Route oder zum Krüger-Park - streckenweise gezogen von einer der Rovos-Dampfloks aus den Dreißigern, zwei davon 1938 bei Borsig in Berlin gebaut. Auch die Victoria-Fälle gehörten lange Zeit zu den festen Bestandteilen des Fahrplans, bis schwere Überflutungen und die unsichere Lage in Zimbabwe dieser beliebten Tour vor gut vier Jahren ein Ende bereiteten.

          Da sann der nimmermüde Perfektionist Rohan Vos auf eine Alternative und entschloß sich, zwischen Pietersburg und Afrikas größten Wasserfällen in die Luft zu gehen. Doch die Gründung von Rovos Air als Ergänzung der Zugreise sollte dem Patriarchen viele schlaflose Nächte und vor allem Unsummen an Geld kosten. Denn Rohan Vos mietet nicht einfach irgendein historisches Flugzeug, von denen es in Südafrika viele gibt, und nimmt den Betrieb auf, er will etwas ganz Besonderes haben. Der stolze und manchmal dickköpfige Bahnbetreiber lehnte alle Kooperationsangebote von örtlichen Flugexperten ab und stürzte sich als Laie in das Abenteuer Luftfahrt, von dem er selbst heute als einem "Albtraum" spricht und sagt: "Das würde ich nie wieder tun."

          Flugzeuge ohnegleichen

          Aber Vos gab nicht auf, und so sind heute an Südafrikas Himmel zwei Flugzeuge unterwegs, die auf der Welt ihresgleichen suchen. Die beiden Convair 440 Metropolitan von 1954 mit ihren mächtigen Kolbenmotoren und dem eleganten dunkelgrün-beigen Äußeren sind eine Augenweide für jeden Luftfahrt-Nostalgiker. In den fünfziger und sechziger Jahren flog dieses Kurz- und Mittelstreckenflugzeug auch bei der Lufthansa; SAS und American Airlines setzten es noch in den siebziger und frühen achtziger Jahren als Inselhüpfer an der Ostsee und in der Karibik ein. Kein Passagier dürfte aber an Bord der damaligen Linienflüge derart verwöhnt worden sein wie heute die Gäste von Rovos Air. Schon die im Flugzeugbau einmalige und zeitlos elegante Flügeltür sorgt beim Einsteigen für besonderes Flair, bereits die Stufen der ausfahrbaren Fluggasttreppe sind mit dickem Teppich ausgelegt.

          Das durchaus beabsichtigte Gefühl vom fliegenden Salonwagen setzt sich im Inneren der Kabine fort - hier reicht der Teppich vom Boden bis auf Kniehöhe an den Wänden, vierundvierzig üppige Sessel aus dunkelgrünem Leder verströmem Clubatmosphäre - und sogar die hölzerne Toilette dürfte zu den schönsten stillen Örtchen in der Luft gehören. Aus den großen, viereckigen Kabinenfenstern fällt der Blick auf die Weiten Afrikas, während die Flugbegleiterinnen zum erlesenen Essen hervorragende Weine aus Kristallgläsern servieren - so wie es die Gäste von Rovos Rail gewohnt sind. Während die Passagiere nach dem Lunch vom sonoren Brummen der Propeller in den weit nach hinten gestellten Rückenlehnen ihrer Sitze sanft in ein Nickerchen gewiegt werden, müssen die drei Männer im Cockpit hart arbeiten.

          "Die Convair zu fliegen ist eine sehr körperliche Erfahrung", sagt Flugkapitän André Balt, "wir haben hier keine Hydraulik." Zu kämpfen haben die Piloten vor allem mit der begrenzten Reichweite und Zuladung ihres Schmuckstücks bei Abflügen von Livingstone auf der sambischen Seite der Victoria-Fälle. Bei größerer Hitze, und die ist hier die Regel, und mehr als neunzehn Passagieren kann die Convair nicht vollgetankt starten und muß auf dem zweistündigen Weg ins südafrikanische Pietersburg oft in Botswana nachtanken. Und auch die beiden jeweils dreitausend Pferdestärken leistenden Pratt & Whitney-Kolbenmotoren machen immer mal wieder Kummer, wenn etwa durch ein Leck größere Mengen Öl austreten, "aber das war damals beim Fliegen normal", beruhigt Captain Balt.

          Eine lange Leidensgeschichte

          Mit ihrer begrenzten Leistung und als Unikate sind die beiden Metropolitans eigentlich die falschen Flugzeuge für diesen Betrieb, das wissen die Piloten wie auch Rohan Vos. Doch nachdem er eine lange Leidensgeschichte mit seinen beiden ursprünglich für die amerikanische Luftwaffe gebauten, dann eingemotteten und später in Bolivien eingesetzten Luftschlössern überstanden hat, gibt er nun nicht einfach auf. "Ich mußte einige meiner früheren dreizehn Firmen verkaufen, um für die Kosten aufzukommen", gibt Rohan Vos unumwunden zu. Bis die Veteranen, zu denen auch noch eine DC-3 gehört, nach vielfältigen Modifikationen und Verzögerungen endlich von den Behörden für den zivilen Passagierverkehr in Südafrika zugelassen wurden, hatte Vos im laufenden Betrieb schon mehrere Millionen Euro verloren und gleichzeitig eine ähnlich hohe Summe je Flugzeug in die Instandsetzung investiert.

          In der Zwischenzeit versuchte der eigensinnige Unternehmer bereits, die beiden Flugzeuge zu verkaufen, aber ohne Erfolg. Zur Zeit fliegen die Convairs insgesamt gerade etwa dreißig Stunden im Monat - viel zuwenig, um zumindest einen Teil ihrer Kosten wieder hereinzuholen. Neben den nur im Paket buchbaren Flügen zwischen Zug und Victoria-Fällen steht die historische Edel-Flotte auch für Rundflüge und fliegende Dinner-Parties im Raum Johannesburg sowie für Charter-Einsätze im südlichen Afrika zur Verfügung. Viel zuwenig hat Rovos Air seine Schmuckstücke bisher dort gezeigt, wo sie auf die meisten Bewunderer und offene Geldbörsen stoßen würden - auf Luftfahrtschauen. Aber auch den Zugreisenden ist es nicht egal, womit sie fliegen. "Anfangs mußten wir ersatzweise einen Fokker-F28-Jet einsetzen", erinnert sich Rohan Vos und stöhnt: "Da wollten viele Kunden ihr Geld zurück, weil sie angeblich extra aus Japan wegen der Convairs angereist waren."

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