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Stationen : Josephine Baker schwamm hier

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Schöner liegt kaum ein Pool: eingebettet in eine Wiese, die auf der einen Seite steil zum Ufer der Dordogne abbricht und auf der anderen Seite steil aufsteigt - dort oben dann ein Schloß, Les Milandes, verziert von zahlreichen Türmchen.

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          Schöner liegt kaum ein Pool: eingebettet in eine Wiese, die auf der einen Seite steil zum Ufer der Dordogne abbricht und auf der anderen Seite steil aufsteigt - dort oben dann ein Schloß, Les Milandes, verziert von zahlreichen Türmchen. Sonnenschirme, Cafetische, Stühle gruppieren sich um das Becken. Zwei mächtige Weiden hängen ihre Blättervorhänge dazwischen, teilen die Tische fast zu Chambres separees ab. Es sind nur wenige Besucher in der Anlage. Einige Mütter mit ihren Kindern, einige Jugendliche. Im Becken fordert eine Engländerin ihre Tochter zum Wettschwimmen heraus.

          Die exklusive Atmosphäre steht in einem merkwürdigen Widerspruch zum Zustand der Anlage. Schon der Zugang ist mehr ein Trampelpfad. Aus den Ritzen der beigefarbenen Betonplatten am Beckenrand sprießt Gras. Aus dem Becken ragt ein Sockel mit Scheinwerfern, die Scheiben sind blind. Hinter dem Becken rostet ein Podium, Büsche umwuchern eine kleine Tribüne. Darunter sind die Toiletten. Was auffällt: Überall, mal auf die Betonplatten gemalt, mal fein mit Kieseln in Mauern gefügt, finden sich die Initialen JB.

          Ein J für Joséphine

          Wenn der Wind sich legt und die Wasseroberfläche durchsichtig glatt wird, leuchten sie sogar deutlich und blau auch vom Grund des Schwimmbeckens. Und wer ein paar Schritte vom Beckenrand zurückgeht, erkennt, daß das ganze Becken in der Form eines J gebaut ist: J für Josephine - B für Baker.

          Vor hundert Jahren, am 3. Juni 1906, kam Josephine Baker in St. Louis zur Welt. Sie war talentiert und willensstark genug, dem rassistischen Südstaatenmilieu zu entkommen. Zuerst macht sie als Charleston-Tänzerin am Broadway Karriere, dann werden die Bühnen von Paris ihr Podium. Die schwarze Venus im goldenen Bananenröckchen und mit rosa Federn an den Füßen gehört zu den Stars der zwanziger und dreißiger Jahre.

          Im Jahr 1937 kauft sie das Schloß Les Milandes und krönt damit ihren Aufstieg zur Diva. Aber das glamouröse Leben ist nur die eine Seite der Josephine Baker. Sie war auch eine furchtlose Agentin der Resistance und eine wütende Kämpferin gegen Diskriminierung. 1963 reiht sie sich in Martin Luther Kings Marsch auf Washington ein.

          Eine Gegenwelt für die Menschheitsfamilie

          Sie will eine Gegenwelt schaffen. Ohne Diskriminierung, ohne Sorge, eine Menschheitsfamilie. So adoptiert Josephine Baker, die nach einer Fehlgeburt keine eigenen Kinder bekommen kann, ihre "Regenbogenfamilie": zwölf Kinder, Kriegswaisen und Arme unterschiedlichster Herkunft - etwa den Koreaner Akio, ein ausgesetztes Baby aus Südamerika, Brahim und Marianne aus Algerien. Der Kinder wegen läßt sie alle Fotos, die sie mit viel Haut zeigen, aus dem Schloß entfernen.

          Les Milandes tauft sie zur "Welthauptstadt der Brüderlichkeit". Die paradiesische Lage soll einer guten Sache dienen. Von 1948 an, vor dem Bau des ersten Club Mediterranee oder des Disneyland, läßt sie das Gelände von Les Milandes zu einem Freizeitpark ausbauen, mit Minigolf und Tennisplätzen, einem kleinen Zoo und Radwegen, einem Hotel und dem "Jorama", in dem Wachsfiguren Episoden aus dem Leben der Baker darstellen. Die Perfektionistin in Sachen Illusion plant sogar die Anschaffung einer Schneekanone. Tourneen müssen das alles finanzieren. Das Schwimmbad, 1952 eingeweiht, zahlt sie mit dem Scheck eines Gastspiels in London.

          Ein trauriges Ende für einen Traum

          "Sans Souci" nennt Josephine Baker ihre Anlage. Aber sie bringt sie bald um den Schlaf. Obwohl in den fünfziger Jahren eine halbe Million Besucher im Jahr kommen, häufen sich die Schulden. Denn der Lebensstil der Baker ist nicht gerade unaufwendig. So fehlen mehr und mehr die Mittel, den Park instand zu halten, was wiederum dazu führt, daß immer weniger Gäste kommen. Es hilft auch nichts, daß Josephine Baker einen Strahlensucher in den Keller des Schlosses schickt - er soll vergrabene Schätze aufspüren. Die Diva ist so pleite, daß das Schloß 1968 zwangsversteigert und der ganze Besitz unter mehrere Käufer verteilt wird.

          Nach etlichen Besitzerwechseln gibt es nun zwei Möglichkeiten, auf den Spuren von Josephine Baker zu wandeln. Das Schloß ist ein Baker-Museum, mit vielen Fotos, ihrer Garderobe, ihren Liedern vom Band, nachgestellten Szenen und Originaldokumenten. Eine informative Schau.

          Dem Drama ihres Lebens ist man jedoch auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitparks näher. Dessen Besitzer betreibt dort ein Restaurant und überläßt die übrigen Einrichtungen weitgehend dem Zahn der Zeit. Ein eindrückliches Memento mori des Ruhms, ein stiller Ort, der nicht mit rummeliger Baker-Vermarktung die Tragik übertüncht, die dem Zerbrechen ihres Traumes und ihrem Abschied von Les Milandes innewohnt. Der neue Schloßbesitzer stellte ihr das Wasser ab und ließ sie, als sie zum Brunnen in den Hof ging, aussperren. Barfüßig saß sie auf den Stufen vor der Tür: im Regen, eine Decke über die Knie gelegt, den Kopf erschöpft zur Seite geneigt.

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