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Sri Lanka : Die Stadt des Lichts

  • -Aktualisiert am

Nuwara Eliya: „Hier atmest Du die Wolken ein” Bild: Anja Lubitz

Minzsauce, Pferderennen und Hüte: Nuwara Eliya ist immer noch einer der beliebtesten und britischsten Ferienorte von Sri Lanka. Den Engländern gefiel das grüne Hochland, hier wird es selten wärmer als 25 Grad.

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          Oben in Nuwara Eliya haben die Jungs kalte Hände. Nias und seine Freunde schießen Steinchen ins Gebüsch und warten. Auf die Mädchen. Als Yashila vorbeikommt, springt Nias hervor - ein Blumenstrauß, eine flüchtige Berührung, doch Yashila geht einfach weiter. Nias folgt ihr, zehn Meter Abstand, ins Dorf hinab. Das gehört zum Spiel. Es sind Sommerferien in Sri Lanka.

          Noch leuchten die Berggipfel, rosa, im letzten Licht der Sonne. Die Nacht kommt plötzlich, wie überall in den Tropen. Sie verschluckt den Tag und füllt die Luft mit neuen Geräuschen, mit Zirpen und Rascheln. Und von den Wegen, die sich überall die Hügel hinabwinden, sind leise Stimmen zu hören. Denn wenn es Nacht wird in Nuwara Eliya, verstauen die Obstverkäufer ihre Karren im Gebüsch. Väter nehmen die Kinder Huckepack und haken ihre Frauen unter. Tuk-Tuk-Fahrer geben Vollgas und gabeln jeden auf, der ihnen zuwinkt. Dann wird gefeiert.

          Mangos und gezuckerte Erdnüsse

          Rote Lampions baumeln über dem kleinen Sandplatz im Dorf. Hühnchenspieße braten im Feuer, es riecht nach Mangos und gezuckerten Erdnüssen. Hier treffen sich alle wieder: die Obstverkäufer und Teepflückerinnen, die Alten, die immer noch in den kleinen Hütten auf den Hügeln leben, und die Jungen, die weggezogen sind, nach Colombo zum Arbeiten oder zum Studieren.

          Der Weg in die Berge führt in ein anders Sri Lanka

          So wie Nias. Jedes Jahr kommt er hierher, um die Ferien von April bis August in der kühlen Heimat seiner Großeltern zu verbringen. Und um Mädchen zu treffen. Nirgendwo sind sie schöner als hier, und keine ist schöner als Yashila. In Colombo studiert Nias Wirtschaft, denn Geld, sagt er, ist die Zukunft für dieses Land, das er so sehr liebt. Sri Lanka könne viel reicher sein, und seine Generation werde dafür sorgen, daß das auch bald so ist.

          Alles anders als im Flachland

          „Du willst wissen, was das Besondere an Nuwara Eliya ist?“ fragt Nias dann. „Hier atmest du die Wolken ein. Hier ist alles anders als da unten.“ Da unten - das ist das Flachland, die Küste. Colombo mit seinen zwei Millionen Einwohnern, seinen Wolkenkratzern und Wellblechhütten. Und da unten ist die Hitze. Tag und Nacht dreißig Grad, warmer Wind, flirrende Straßen.

          Nuwara Eliya, gesprochen klingt es wie „Nurelia“, bedeutet „Stadt des Lichts“. Fünf Stunden fährt man von Colombo mit dem Auto bis hierher. Fünf Stunden für 170 Kilometer. In engen Schleifen holpert die Schotterpiste durch den Dschungel, 1890 Meter hoch, bis die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen und die Luft nach kühlem Gras riecht. Teeplantagen breiten sich aus, überdimensionale Moospolster in allen Schattierungen von Grün.

          Zwei Geschichten, und beide sind wahr

          „Warum heißt es ,Stadt des Lichts'?“ frage ich Santhos, der in seinem kleinen Laden am Ortseingang Tabak, Zeitungen und Hühner verkauft. Seit über dreißig Jahren arbeitet er hier schon, viele westliche Touristen kommen in seinen Laden. „Stadt des Lichts“, fängt er an, „das kommt von den funkelnden Tautropfen. Verzauberte Götter, die in den Blüten glänzen und auf schimmernden Regenbögen durch die Wolken reiten.“ Dann grinst er und erzählt noch eine zweite Geschichte. Von britischen Offizieren, die sich im Jahr 1826 bei der Elefantenjagd im dichten Wald verirrten und immer höher stiegen, bis sie in der Ferne Licht sahen - und Nuwara Eliya fanden, ein bis dahin unbekanntes Dorf. Welche Geschichte ist denn nun wahr? Er schüttelt den Kopf: „Beide natürlich.“

          Den Engländern gefiel das nebelverhangene Hochland, in dem es nicht wärmer wird als 25 Grad. Gouverneur Edward Barnes ließ sich hier 1828 eine Residenz bauen. Clubhäuser, Villen und Kartoffeln folgten ihm in das verschlafene Dorf - die Zukunft Nuwara Eliyas als Ferienort britischer Kolonialoffiziere hatte begonnen. Aus der „Stadt des Lichts“ wurde „Little England“, Kaminfeuer und Fünf-Uhr-Tee inklusive.

          Für jeden, der sich die Anfahrt leisten kann

          Es gibt immer noch den „Hill Club“, der mit Herren im Smoking und Damen im Abendkleid die alte Zeit heraufbeschwören will. Es gibt den Golfplatz des St.-Andrew's-Hotels mit seinem makellosen Rasen. Das prunkvolle Postamt mitten im Ort. An den Hängen schmiegen sich herrschaftliche Kolonialvillen in die Teeplantagen, Abglanz der ehemaligen Gutsherrin Britannia, einer älteren Dame, die man heute nachsichtig belächelt.

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