https://www.faz.net/-gxh-z3ec

Sri Lanka : Affe verprügelt Hund

Vor Tieren und Pflanzen gibt es in Sri Lanka kein Entkommen. Das ist zwar schön, kann aber mitunter auch ganz schön anstrengend sein. Bild: dpa

Sri Lanka ist voller Widersprüche. Die Natur ist von berückender Schönheit und paradiesischer Fülle. Doch während der Regenzeit kann sie zum Albtraum werden.

          Gerade regnet es einmal nicht. Es ist heiß, sehr heiß, sogar noch jetzt, da sich der Tag dem Ende neigt. Das macht uns zu schaffen. Am Straßenrand sitzen schmutzige Affen und lauern darauf, dass die Bewohner ihren Abfall des Tages in den Graben werfen. An einem Baum hängt eine Meute krächzender Flughunde, auch sie warten auf die Dämmerung. Die Hitze in Sri Lanka ist nicht diese angenehme Wärme, wie man sie von Sommertagen an der Adria oder aus Südfrankreich kennt. Nein. Wenn es in Sri Lanka heiß ist, dann ist es klebrig, feucht und schwül. Vor allem jetzt, während der Monsunzeit. Alle paar Stunden kommt dann etwas vom Himmel, das die Singhalesen Regen nennen. Die Tropfen haben die gefühlte Größe von Tennisbällen, und so fühlen sie sich auf der Haut auch an. In Sekundenschnelle ist man bis auf die Unterwäsche durchnässt; aus Erdsenken werden warme, stinkende Tümpel, auf deren Oberfläche braune Bläschen schwimmen. Und der Urwald verwandelt sich zu einem feuchten, noch undurchdringlicheren Geflecht einander verschlingender Pflanzen. Doch auch wenn es nicht regnet, kleben die Haare im Gesicht, die Hose an den Beinen, die Haut juckt. Der Himmel ist dann fast den ganzen Tag über milchig-weiß, die Sonne ist ein schleimiger Ball. Irgendwann wischt man sich nicht mehr den Schweiß von Hals und Stirn.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Ayurveda-Mann

          Was denn, zu viel Sonne abbekommen? Ehe die Gefragte auch nur antworten kann, hat Rohan ein Messer in die Pflanze neben sich gerammt. Glasklarer Saft quillt aus der Wunde. "Aloe Vera!", ruft der junge Mann, reißt sein Messer in die Höhe, als habe er soeben dem fiesesten aller Waldgeister den Garaus gemacht. Dann fängt er die hervorquellenden Tropfen mit dem Finger auf und schmiert den Saft auf die Arme der Touristin. Rohan ist Student der Ayurveda-Medizin. Schon der Großvater und auch der Vater fertigten Salben, Tinkturen und Tees nach Rezepten der aus Indien importierten Heilkunst und linderten damit die Leiden von Nachbarn und Verwandten. Rohan hingegen hat den internationalen Markt im Blick: Er führt Touristen durch einen Gewürzgarten, der, so sagt er, ihn und seinen Kommilitonen als Materiallager für ihre Rezepte dient, und berät sie anschließend beim Kauf von Salben, Tees und Tinkturen. Die Wege sind fein geharkt, die Beete sauber mit Kokosnussschalen eingefasst. Jahrhundertealte Bäume strecken ihre mächtigen Kronen in das faule Blinken der Sonne, zarter Bambus rahmt einen brackigen Teich, von einem Strauch hängen fleischig-rote Blütendolden.

          Rohan eilt von Busch zu Baum, von Strauch zu Rabatte, zupft hier nach einem Blatt, teilt dort liebevoll Zweige auseinander, zerbröselt winzige Kerne zwischen den Fingerspitzen und hält uns wohlduftende Blätter und abgebrochene Rinde unter die Nase. Er versucht ein Ratespiel, das aber nicht funktionieren will - weil wir Gewürze nur in Tütenform aus dem Supermarkt kennen. Also verlegt sich Rohan darauf zu erklären, was man mit der jeweiligen Pflanze anstellen kann: Curry hilft bei Schlangenbissen, Ingwer gegen Halsschmerzen, Kardamom bekämpft Mundgeruch, Kakao befreit von Schlafstörungen, Nelken lindern Zahnschmerzen, Zimt heilt Ohrenentzündungen.

          Weitere Themen

          Eine Gradwanderung

          Norwegen : Eine Gradwanderung

          Land der Stunde: In Norwegen kann man den Sommer bei 36, aber auch bei minus 18 Grad verbringen. Stationen einer Reise.

          Topmeldungen

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Luxusbauten in New York : Ästhetische Abschottung

          Ein Penthouse für 239 Millionen Dollar: Die Wohlhabendsten schauen von immer größeren Höhen auf das Stadtvolk hinab. New York baut jetzt superdünn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.