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Spanien : Etwas anderer Cluburlaub auf Gran Canaria

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Das Schweigen der Berge ist die schönste Musik Bild:

Auf tausend Meter Höhe klebt der Club Mirador über dem Ort San Bartolomé de Tirajana am Fels. Hier, mitten in den Bergen Gran Canarias, weit weg vom lärmigen Strand, findet man Ruhe und Charme. Zumindest jetzt noch.

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          Morgens um neun sind die Liegen auf der Poolterrasse noch nass vom Tau, und unsere nackten Füße frieren auf den Steinplatten. „Und einatmen, und ausatmen!“, ruft die Iris, die in ihrer blütenweißen Trainingshose wirkt wie einer Yoga-Zeitschrift entstiegen. Wenn wir uns beim Qi-Balance halb um die eigene Achse drehen, sehen wir die Sonne, die als hell glänzender Ball über dem Atlantik aufsteigt. Drehen wir uns wieder zurück, schauen wir auf den Pico de las Nieves, den höchsten Berg von Gran Canaria, dessen markanter Zacken an diesem Wintermorgen vor tiefblauem Himmel steht. Bis auf die sanften Kommandos von Iris und das Rascheln der Eidechsen zwischen den Palmen ist es still. Nur ab und zu rumort eine Betonmischmaschine und erinnert uns daran, dass wir alle Adams und Evas sind in dieser neu erschaffenen Wellnesswelt. Es wird noch gebaut im Paradies.

          Gerade erst hat die Clubkette Aldiana ihren neuen Club Mirador mitten in den Bergen Gran Canarias eröffnet, schon ist er ausgebucht, weil das alternative Motto „Aldiana in aller Ruhe“ bei vielen Menschen einen Nerv trifft. Jedenfalls haben Menschen, die schon am frühen Morgen mit Qi-Balance ihr Gleichgewicht suchen, offensichtlich keine Lust auf Ferienanlagen, in denen abwechselnd hektisches Animationsgeschrei und Säuselmusik aus Lautsprechern am Pool schallt. An solch einem Ort ist das auch nicht nötig, hier ist das Schweigen der Berge die schönste Musik. Herbert etwa, der zu Hause in Deutschland wichtig ist in seiner Firma und sich nun mit dem Handtuch den Schweiß von der Stirn wischt, sagt, er habe noch nie in einem Club Urlaub gemacht. Aber bei nur sechzig Zimmern inmitten einer grandiosen Berglandschaft, die sonst wenig ansprechende Unterkünfte bietet, sei es ihm das Experiment wert gewesen.

          Urlaub mit großem Ernst

          Auf tausend Meter Höhe klebt das Clubgebäude über dem Ort San Bartolomé de Tirajana am Fels wie ein Adlernest, das Panorama umfängt uns bereits, wenn wir im rustikalen Himmelbett die Augen aufschlagen. Phantastisch, sagt Herbert, und dann entschuldigt er sich, er hat zu tun. Die Gäste, die morgens in weißen Bademänteln durch die Gänge eilen, betreiben ihren Urlaub mit großem Ernst.

          Beim Frühstück an einem der runden Tische im Restaurant klären Damen und Herren im Sportlerdress mit gedämpften Stimmen darüber auf, bei welch beeindruckendem Programm sie sich an diesem Tag zu erholen gedenken. Nur schade, dass die Mountainbiketour erst so knapp vor dem Bogenschießturnier zu Ende sei, das Bild vom Malkurs harre auch noch der Vollendung und, ach, Schatz, vergiss nicht, du hast doch heute Abend einen Massagetermin! Wir prosten heimlich mit unserem Joghurtdrink der Berglandschaft zu, die sich vor der Fensterfront ausbreitet, und sind froh, dass wir schon eine Wanderung auf den Pico de las Nieves gebucht haben und somit jeglicher Entscheidungsdruck entfällt.

          Leichenblasse Businsassen

          Zum Wandern gibt es den Manfred. Der Manfred ist Österreicher und kommt um halb elf. Das freut den Langschläfer, erstaunt jedoch den routinierten Bergsteiger und lässt die Ingrid aus Oberbayern, die sonst gerne Trekking in Nepal macht, gleich mal grimmig argwöhnen: „Das kann ja nichts Gescheites sein!“ Der späte Tourenstart erklärt sich aber dann schnell aus der Tatsache, dass der Manfred seit dem frühen Morgen unten in den Hotels an der Küste wanderwillige Touristen aufgesammelt hat, die jetzt leichenblass im Bus sitzen und Tabletten gegen Übelkeit austauschen. Die schmale Straße in die gebirgige Inselmitte führt über gefühlte zehntausend Haarnadelkurven an tiefen grünen Abgründen entlang.

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