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Singapur : Alle Macht der Schönheit

  • -Aktualisiert am

Interkulturelle Charmeoffensive: Santarinas in Singapur Bild: Brigitte Scherer

Singapur feiert mit dem neunmillionsten Besucher gerade einen Rekord. Trotzdem hängt der Metropole noch immer das Image einer langweiligen Nutzstadt mit rigiden Vorschriften an. Das soll sich nun ändern.

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          Singapur will leuchten. Zur Weihnachtszeit schaltet der Staatspräsident selbst die Lichterketten über Tannenbäumen, Nußknackern, Nikoläusen und Rauschgoldengeln in der Innenstadt an, und New York, der Champion der Weihnachtsdekoration, muß sich von diesem Moment an verstecken. Dann schimmern Paradiesvögel und schneebestäubte Sterne in den grünen Baumwipfeln der Orchard Road, während über dem Eingang des chinesischen Kaufhauses Rentiere vierspännig den Schlitten ziehen.

          Staunend steht der Besucher in der Tropenhitze vor einem grün und rot beleuchteten Lebkuchenhaus in Übergröße sowie dem turmhohen Christbaum mit Hunderten von Teddybären zwischen den Tannenzweigen. Er sieht, wie zierliche Chinesinnen ihrem Kind im Shoppingcenter ein mit weißem Pelz umrandetes Kleidchen aus rotem Samt anprobieren, samt dazugehörigem Mützchen im Santa-Claus-Design. Auch in den volkstümlichen Fischrestaurants am Strand der Ostküste gehört die rote Nikolausmütze zu den roten T-Shirts der Bedienung zur Weihnachtsuniform. Zum Frühstück im Hotel wird "Stille Nacht" zu Gehör gebracht und beim Shopping "White Christmas".

          Markenzeichen Wasser und Grün

          Wir befinden uns im Epizentrum einer tropischen Weihnacht, die glitzert wie kein anderes Christfest auf dem Planeten. Allein in die Dekoration der Einkaufsstraßen wurden diesmal hundertfünfundzwanzigtausend Arbeitsstunden investiert. Selbst der Flughafen schmückte sich stimmungsvoll mit blausilbernen Weihnachtskugeln, die in diesen Tagen in Trauben von der Decke der Ankunftshalle hängen. Weihnachten ist die jahreszeitlich korrekte Station auf dem Weg zu dem großen Ziel Singapurs, sich von der in Wirtschafts- und Finanzkreisen geachteten, aber als kalt geltenden Nutzstadt mit ihren rigiden Ordnungsprinzipien in eine begehrte Schöne zu verwandeln: eine richtige Metropole, so kosmopolitisch und glamourös wie London, New York oder Paris.

          Singapurs Wahrzeichen: Merlion - halb Fisch, halb Löwe
          Singapurs Wahrzeichen: Merlion - halb Fisch, halb Löwe : Bild: Brigitte Scherer

          London mit seinem Big Ben, New York mit der Freiheitsstatue, Paris und der Eiffelturm: Das sind die Bilder, bei denen sich Fun Siew Leng, die Direktorin für Stadtplanung in Diensten der mächtigen "Urban Redevelopment Authority", bei ihrer Power-Point-Präsentation in Rage redet: "Und welches Wahrzeichen haben wir? Was sind wirklich unsere Vorzüge?" Dabei geht es der Stadtplanerin nicht um ein "Landmark"-Gebäude, wie es etwa das Burj als Arab in Dubai ist - denn so etwas könne man in Singapur ohnedies nicht planen, die privaten Investoren entschieden nach ihrem Geschmack. Der zarten jungen Frau im knappen schwarzen Schneiderkostüm geht es um mehr: um Selbstverständnis, oder, praktisch ausgedrückt, um die natürlichen Ressourcen, die bisher übersehen worden sind, nämlich Wasser und Grün.

          Apartmenthaus in Form einer Hand

          Ausgerechnet Wasser und Grün als "unique selling point" der Betonstadt Singapur? An den Haaren herbeigezogen ist das nicht. Schließlich ist Singapur eine Insel am Äquator, auch wenn man das früher nie wahrgenommen hat. Und das Grün sprießt im feuchten Monsunklima, so man es denn läßt. Schon breitet Frau Leng das Panorama eines Singapur der Zukunft aus, das dem Besucher den Atem stocken läßt und doch in drei Jahren bewohnbar sein soll: eine Stadt der Fußgänger, durch die sich wie mäandernde Flussläufe schattige, grüne Wege von Park zu Park ziehen.

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