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Seychellen : Das Paradies senkt die Preise

Palmen, weißer Strand und blaues Meer auf der Seychelleninsel Mahe Bild: picture-alliance / dpa

Der Abend in Frankfurt war nasskalt, die Fluggäste für die Condormaschine waren vom Winter zermürbt, keiner war zu spät gekommen, alle hatten sich sehr diszipliniert in eine Schlange gereiht, und alle hatten ein Ziel: die Seychellen.

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          Der Abend in Frankfurt war nasskalt, die Fluggäste für die Condormaschine nach Mahé waren vom Winter zermürbt, keiner war zu spät gekommen, und alle hatten sich sehr diszipliniert in eine Schlange gereiht. Und dann, etwa zehn Stunden später, standen sie, blass und blinzelnd wie Tiere, die nach dem Winterschlaf den Ausgang ihrer Höhle verlassen, im grellen Sonnenlicht der Seychellen. Im Flughafengebäude gewöhnten sich die Augen nur langsam an den plötzlichen Hochsommer. Dann fiel der Blick auf ein Werbeplakat: Own it! stand in tafelsilbernen Lettern auf dem Verkaufsprospekt von Eden Island - "Besitz es!"

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist ein Befehl, der da auf dem Foto klebt, das Foto zeigt ein paar Granitfelsen, die dramatisch in der abendlichen Äquatorsonne leuchten, Palmen biegen sich hinter den Buchstaben hervor: das ist der Strand, von dem alle träumen, die perfekte Kulisse für Longdrinks, Bademode und Honeymoon. Das Foto macht Werbung für eine Insel, die es so noch gar nicht gibt, sie ist gerade im Bau und heißt "Eden Island". In diesem künstlichen, vor der Hauptinsel Mahé aufgeschütteten Paradies gibt es allerdings keine Granitfelsen, aber die ersten Häuser stehen, an den Marinas baumeln schon die ersten Yachten.

          Urlaub in Eden

          Eden Island, die neue künstliche Insel, ist so flach wie die Malediven, aufgeschüttet wie die berühmte Palme in Dubai, nur kleiner. Es gibt eine maßgeschneiderte Marina, 16 Hektar private Wasserwege, private Strände und einen Parkplatz für das SUV hinterm Haus. 450 Wohnungen und Villen gibt es auf Eden Island, alle mit Klimaanlage und Einbauküche. Für die Innenausstattung der Villen kann man zwischen Pearl, Granite und Coral wählen, "the Coral Palette welcomes you to a home filled with organic warmth". Die Werbeaufnahmen von Schlafzimmer/Küche/Bad sehen aus wie die Wohnungen von reichen, einfallslosen Menschen, die internationale Fünfsternekettenhotels gewohnt sind und gern Architekturzeitschriften lesen. Kleine sandige Buchten haben die Planer auch eingezeichnet, und wer weiß, vielleicht werden ja noch ein paar dunkle Granitbrocken von den echten Inseln herübergezerrt, dann stimmt das auch wieder mit dem Werbeprospekt überein.

          Trauminsel im Idealzustand
          Trauminsel im Idealzustand : Bild: picture-alliance/ dpa

          Mit einer Brücke ist Eden Island mit Mahé verbunden. Innerhalb von zehn Minuten ist man am internationalen Flughafen, mit dem eigenen Boot binnen einer Stunde am Strand der nächsten unberührten Insel, auf der man sich seinen Robinsonaden hingeben kann, falls der Nachbar nicht schneller war, denn das ist das Ärgerliche an jedem künstlichen Paradies und der grundlegende Unterschied zum biblischen Original: Im Garten Eden gab es außer Tieren und Gott keine Nachbarn; hier schon. Dafür gibt es auch in diesem Paradies immerhin keine Zyklone, wie der Prospekt zutreffenderweise hervorhebt.

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