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Seychellen : Abschlag mit Butler

Nach dem Golf ein Glas Champagner im Sand: Picknick an der Anse Georgette Bild: Constance Hotel

Zwischen den Doppelkokosnußpalmenurwäldern und schrottigen Dörfern der Insel Praslin liegt das Hotel Lémuria: Es bietet Kolonialgefühl mit Butler und den idyllischsten Golfplatz der Seychellen.

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          Wenn man morgens aufwacht, ist er schon da. Läuft durch die Küche und dekoriert Früchte auf üppige Teller. Fegt Sand von der Terrasse am Pool. Läuft durch den Garten und pickt herabgefallene Blätter vom Rasen, mit einem eigens dafür erfundenen Blättervomrasenpicker, denn die Gäste sollen über einen blätterfreien Rasen aufs Meer schauen. Man sieht das Meer, wenn man morgens in den Villen des Hotels Lemuria aufwacht, und man sieht Roshan.

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Roshan ist der Butler, den man automatisch mit dem Bungalow mietet. Es gibt Gäste, die das herrlich finden, und weil es diese Gäste gibt, muß Roshan sich nützlich machen und neben der Sonnenliege stehen und den gesamten Tag Fragen stellen: Ob man noch einen Drink trinken wolle? Nein? Aber ein Bad nehmen, ein schönes? Und dafür ein flauschiges Handtuch benötige? Oder etwas essen, Früchte vielleicht? Sagt man, nein, danke, ganz reizend, aber wissen Sie, wir machen das selber, Sie haben heute frei, Roshan: Dann ist er ganz irritiert; dann schaut er, als ob er etwas falsch gemacht hat. Nein! Sie haben nichts falsch gemacht, es ist nur so, ich möchte hier allein liegen, wissen Sie ... So ist es auf den Seychellen; mit dem Luxus bekommt man gleich die Probleme eines britischen Großgrundbesitzers des 19. Jahrhunderts mitgeliefert: wohin mit den Angestellten, wenn ich einmal allein sein möchte.

          Very british: Bungalows mit Butler

          Auch sonst geht es auf der Insel Praslin, im Lemuria Resort, sehr britisch zu: Die sehr luxuriösen, hausgroßen Bungalows mit Butler, aber auch die einfacheren Apartmentblocks liegen wie eine tropische Miniatur-Suburbia an einer endlos langen Betonpiste, auf der nur Golfkarren fahren dürfen; will man seine Villa verlassen, muß man auf ein Golfkarrentaxi warten, das der Butler herbeiruft.

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          Die wirkliche Welt, das chaotische Inselchen Praslin mit seinen Doppelkokosnußpalmenurwäldern und seinen schrottigen Dörfern und seinen abenteuerlichen afrikanischen Straßen und dürren Hühnern wird ausgeblendet. Das ist nicht jedermanns Sache. Dafür gibt es, wie gesagt, Kolonialgefühl mit Butler und, auch das sehr britisch, einen perfekten, grünen, gigantischen Golfrasen, der so idyllisch und abenteuerlich ist, daß Golfspieler aus der ganzen Welt anreisen.

          Ein hundsgemeiner Parcours

          Das Lémuria ist der einzige Ort auf den Seychellen, an dem man Golf spielen kann. Es soll ein hundsgemeiner Parcours sein, den die Golfplatzarchitekten da in die Hügel gezaubert haben: 5556 Meter lang ist der Weg von Loch eins zu Loch 18, und nur die ersten neun Löcher liegen noch flach unter Palmen. Um die restlichen neun zu spielen, muß man auf die Berge, was sich auch lohnt, wenn man nicht Golf spielt, denn von Loch 15 aus hat man den besten Blick auf die Anse Georgette, eine wunderschöne, einsame Bucht, die man nur mit dem Boot oder eben über den Golfplatz erreichen kann. An der Anse Georgette landet man auch, wenn man seinem Villabutler sagt, daß man gerne einmal allein am Strand wäre. Der Villabutler läuft dann zu Hochtouren auf, selig, endlich einmal etwas auf die Beine stellen zu dürfen, bringt einem Tisch, Stühle, Sonnenschirm, Scampi-Spieße und Picknickkoffer an den Strand, was die angenehmste und freundlichste Art ist, hier zu speisen.

          Früher fanden hier rabiatere Picknicks statt. An Essen mangelte es auf den Inseln nie; "wer einen Brotfruchtbaum und eine Kokospalme im Garten hat, wird nie hungern", lautet ein altes Sprichwort - und außerdem gab es hier schon immer Meeresschildkröten, die man, wenig feinfühlig, als riesengroße, selbstlaufende Fleischdosen betrachtete.

          „Wir essen noch immer Schildkröten“

          "Es ist heutzutage verboten, aber wir essen noch immer Schildkröten", sagt Elvin Jeannevol, der Meeresschildkrötenmanager des Hotels Lemuria auf Praslin. Mit "wir" meint er nicht sich selbst, sondern seine Landsleute. Es dauere einfach noch ein bißchen, bis diese Angewohnheit aussterbe. "Wir arbeiten dran." Elvin hat jahrelang für Umweltschutzprojekte der Regierung gearbeitet, aber irgendwann wurde ihm die restriktive Art seines Arbeitgebers zu dumm: Er durfte nicht sein, was er im Herzen schon immer war: ein Rastamann; und die haben eben Haare, die aussehen müssen, als hätte Joseph Beuys sie aufgeklebt. Im Hotel Lemuria kümmert sich Elvin um die Gelege und führt Buch über alles, was die Schildkröten an den Stränden des Hotels so treiben.

          Wegen der Schildkröten ist motorisierter Wassersport und alles, was der Meeresflora und -fauna unnötigerweise schaden könnte, verboten, es sei denn, es gibt mal wieder eine Ausnahme für die reichen Russen, die hier manchmal auftauchen. Die Wasserscooter, die im Ufersaum dümpeln, warten zum Beispiel auf eine russische Familie, die die Präsidentensuite für den Geburtstag ihrer Tochter reserviert hat. "Sondergenehmigung der Regierung", murmelt ein Hotelangestellter, und man sieht ihm an, daß er die Wasserscooter für keine gute Idee hält. Seit der Rubel bis in den Indischen Ozean rollt, haben die dort ansässigen Luxushotels zwar weniger finanzielle Sorgen, aber immer mal wieder Erklärungsnotstand, wenn die russische Art, Urlaub zu machen, mit den Ruhebedürfnissen und dem Stilempfinden der übrigen Gäste kollidiert.

          Der heiße Schokoladenkuchen ist legendär

          Über die Exzesse der Nouveaux Russes tröstet einen dafür der legendäre heiße Schokoladenkuchen hinweg, der im Restaurant serviert wird, wo man einen sehr schönen Blick auf die Insel, das Meer und die Golfer hat, die auf ihrem Weg zum letzten Loch immer wieder seltsame Erfahrungen machen müssen. Denn daß die chaotische Welt jenseits des Resorts nicht ganz auszublenden ist, daß es dort draußen vor den Toren des Hotels auch noch ein Leben jenseits von Butler, Golf und Schokokuchen gibt, merkt man in der Nähe von Loch Nummer drei - denn dort stinkt ein benachbarter Hühnerstall ganz fürchterlich in das weißgrüne Paradies hinein.

          Anreise: Von Deutschland aus fliegt Air Seychelles noch bis April einmal wöchentlich direkt ab Frankfurt; danach via Paris. Preis ab 810 Euro (zzgl. Steuern), Telefon 089/55253338 oder www.airseychelles.de. Günstigere Tarife bietet Condor.

          Lemuria Resort of Praslin: Neben dem Frühstück sind die Greenfees im Zimmerpreis inbegriffen. Preis ab 320 Euro pro Person. Die Villen haben alle einen privaten Pool und einen darin versenkten Eßplatz. Preis für eine Villa (bis zu vier Personen) ab 2475 Euro pro Nacht - das Frühstück und der persönliche Butler sind inklusive. Informationen unter www.lemuriaresort.com und Tel. 06196/777380. Etwas preiswertere Pauschalangebote und Golfarrangements gibt es bei Veranstaltern wie Dertour und Airtours oder Relais & Chateaux.

          Weitere Informationen: Fremdenverkehrsamt der Seychellen, c/o Mangum, Sonnenstraße 9, 80331 München, Tel. 01908/29046 (1,86 Euro/Min.), www.seychelles.com.

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