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Schottland : Romanze in Grandhotel und Herrenhaus

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Schwelgen in „british rules“

Wer heute über die ratternde Eisenbrücke und dann auf knirschenden Kieswegen durch einen verwunschenen Park dem Big House näher kommt, befindet sich in einem Ambiente, wie es Rosamunde Pilcher nicht besser hätte erfinden können. Alles ist so, wie sich das kontinentale Gemüt eine Schottland-Romanze vorstellt: ein paar Sandsteinstufen hinauf, eine knarrende Tür zu einem dunkel getäfelten Flur, der sich in ein imposantes Treppenhaus mit einem brennenden Kaminfeuer öffnet. Davor bequeme Sofas, Tischchen mit Büchern und Zeitschriften. Es folgen Drawing Room, Bibliothek, Dining Room, Conservatory, der Flügel. Tiefe weiche Sessel, Mahagonitische, geblümte Draperien, Stuck. Hinter der Haustür ein Gestell mit Gummistiefeln in allen Größen für den Spaziergang auf feuchten Wiesen. An alles ist gedacht. Das ist der erste Eindruck, so bleibt es bis zum Abschied.

Wir schwelgen in „british rules“: lautloser Service, schweres Silberbesteck, gerollte Damastservietten im Silberrreif. Zuerst kommt beim Frühstück der süße Gang, dann erst der geräucherte Kabeljau mit Rührei. Das Essen ist ausgezeichnet, sogar der weiße Toast hausgebacken und knusprig. Höhepunkt des Tages ist das mehrgängige Dinner, wenn auf einem imposanten Servierwagen der weltkugelrunde, riesige Silberdeckel sich hebt über dem mit Honig und Senf glasierten heißen Schinken. Deftige Scheiben werden abgeschnitten und vorgelegt, Portwein-, Orangen- und Johannisbeersauce gereicht und Gemüse aus dem Garten, karamelisiert und köstlich. Derweil spielt sich draußen, beleuchtet wie in Kenia in der Safarilodge die Salzleckstelle, das Wildlife ab. Wenn nach den Rehen die Dachse vorüberhuschen, ist es Zeit für den Kaffee in der Bibliothek. Dort drängt sich alles an der Tür zur Terrasse, auf deren Boden jeden Abend ein Dachsschlemmermenü angerichtet ist.

Der Prinz, der aus St. Andrews kam

Aber auch ohne Inszenierung ist die Natur feenhaft: die verwunschenen, flechtenüberzogenen Zweige des Birnbaums, die vier Meter hohe, in glühendem Rot erblühende Fuchsie, die jeden Morgen von dicken Tautropfen wie von einem Schleier überzogene sattgrüne Landschaft und die Fischotter, die im Wasser heranrauschen, als wollten sie mit dem menschlichen Zuschauer spielen.

Der Prinz übrigens, der das Dornröschen wiedererweckte, war nicht königlichen Geblüts, er war weder Graf noch Lord, sondern Robin Buchanan-Smith, Pfarrer der Universität von St. Andrews. Als er und seine Frau Sheena bei einem ihrer Bootsurlaube auf die verwunschene Insel Eriska stießen, änderte das ihr Leben. Sie kauften Haus und Insel, zogen mit ihren Kindern hierher und wurden fast ohne Geld und ohne jegliche Erfahrung Besitzer, Bauherren und Hoteliers. Die Söhne, angesteckt vom Enthusiasmus der Eltern, führen das Lebenswerk fort, bauen weiter um und an, verbessern, verfeinern, sammeln Preise ein und sind auch mit fünf Sternen, mit einundzwanzig Zimmern, mit Spa und Vierundzwanzigstundenservice das gemütlichste aller denkbaren Familienhotels geblieben.

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