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Schiffstaufe : Heute eine Königin

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Aufgeputzt wie zum Debütantinnenball: die „Queen Elizabeth” Bild: Steve Dunlop

Das goldene Zeitaltalter der Atlantikschiffahrt ist lange vorbei, doch mit der neuen „Queen Elizabeth“ sticht ein weiteres Hotel in See. Im Innern des Ozeanriesen wird klar: Den Profit bringt nicht die Erste Klasse.

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          England ist ein glückliches Land. So viel Begeisterung, so viel Stolz bei der Taufe dieses Kreuzfahrtschiffs vorigen Montag auf den Namen „Queen Elizabeth“. Was alles lässt dieser Name wieder lebendig werden: das mächtige Empire; die Seemacht England; die Transatlantik-Liner, die hier vom Ozeankai in Southampton in die Neue Welt ablegten - auch die „Titanic“ war hier vor achtundneunzig Jahren zu ihrer unheilvollen Jungfernreise nach New York ausgelaufen.

          Zweimal trug ein Flaggschiff der Reederei Cunard schon den Namen „Queen Elizabeth“. Das erste Schiff, 1938 getauft, war Star der Atlantikroute, schon damals war die heutige Königin bei der Taufe zugegen; das zweite, die „Queen Elizabeth 2“, die bis vor kurzem über die Meere fuhr, wurde von der jungen Königin im Jahr 1967 getauft. Sie diente im Falklandkrieg zeitweise als Truppentransporter - ein kaum vorstellbarer Nebenjob für ein heutiges Kreuzfahrtschiff. Die beiden „Queens“ repräsentierten immer auch ihr Land - mit dem gleichen Nationalstolz wie später die Luftlinien, als der Staat sie noch als „Flag Carrier“ unterstützte.

          Da waren die Ozeanriesen schon Fossilien. 1958 bewältigten zum ersten Mal mehr Passagiere per Flugzeug den Weg über den Nordatlantik, es war das Ende des goldenen Zeitalters der Atlantikschiffahrt. Die italienischen Zwillinge „Michelangelo“ und „Raffaelo“ verschwanden. Die elegante „France“ wurde verkauft und vom Flaggschiff Frankreichs zum schwimmenden Freizeitpark mit Namen „Norway“ umgerüstet. Nur die „Queen Elizabeth 2“ fuhr noch weiter, nun soll sie in Dubai zum Hotelschiff umgebaut werden.

          Am Drücker: die Königin auf der Brücke
          Am Drücker: die Königin auf der Brücke : Bild: dapd

          Ein britisches Disneyland

          Wer Ende der siebziger Jahre mit der „Queen Elizabeth 2“ von Southampton nach New York übersetzte, gab sich dem alten Großbritannien mit Vorsatz hin, vor allem einem Service wie aus der Feudalzeit, der schon im „Boat Train“ am Bahnhof Waterloo begann. Schon damals fuhren vor allem amerikanische Kunden über die Meere, die den englischen High Tea und den Händedruck des Kapitäns wie ein britisches Disneyland erlebten.

          Der Taufe der neuen „Queen Elizabeth“ fieberte ganz Southampton entgegen, denn die „Naming Ceremony“ nimmt die Queen selbst vor. Im „Powder Room“ des „Grand Harbour“-Hotels, das sich auf Vor- und Nach-Kreuzfahrt-Packages spezialisiert hat, tragen aufgeregte Frauen letztes Make-up auf. Früher, sagt eine Dame in Spitzenmini und Stilettos, war man bei royalen Ereignissen nur mit Handschuhen und Hut zugelassen. Aber die Zeiten ändern sich. Und wie sollte man auch den großen Hut im Billigflieger transportieren? Jetzt müssen zwei Federchen und der Paillettenschal reichen, das passt auch ins Handgepäck.

          Wie zu einem mittelalterlichen Turnier ist die Arena für die Taufgäste am neuen Ozeanterminal von Southampton aufgebaut. Der rote Teppich, das Spalier der Cunard-Uniformen in Schwarz und Weiß und Gold. Die rotberockte irische Garde paradiert vor blauen Plastikplanen mit der königlichen Krone, eine frische Brise spielt in den weichen Haaren ihrer Bärenfellmützen. Lordbischof, Chor, Dudelsackspieler im Kilt, das ganze Tableau. Das Publikum schmettert „God Save the Queen“. Dann rollt ein brombeerfarbener Rolls-Royce herein. Es entsteigt eine kleine alte Dame in Türkis, die Königin. Sie spricht die alte Taufformel, sie lässt, wie es Tradition ist bei Cunard, eine Flasche weißen Baron de Rothschild am Bug zerschellen. Just unter der Leinwand mit ihrem Bild als strahlende junge Frau im Jahr 1967, wie sie, von ihrem Prinzgemahl begleitet, dem Vorgängerschiff ihren Namen gibt.

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