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Schiffe : An Bord der "Queen Mary 2" - Cunards künftiges Flaggschiff

Die neue Königin: Der Speisesaal der Queen Mary 2 Bild:

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die englische Reederei Cunard in ihrer Werbung für den Transatlantikdienst vollmundig behauptet, ihre Streckenangebote seien "The Only Way to Cross".

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          Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die englische Reederei Cunard in ihrer Werbung für den Transatlantikdienst vollmundig behauptet, ihre Streckenangebote seien "The Only Way to Cross". Es war ihr britisch-zurückhaltender Hinweis auf den Luxus an Bord und die Sicherheit ihrer Schiffe. Die prophetische Komponente des Satzes hingegen hatte damals niemand im Sinn. Sie erfüllte sich Ende der sechziger Jahre - als die "Queen Elizabeth 2" als einziger verbliebener Ozeandampfer regelmäßig Dienste zwischen Europa und New York anbot. Gleichsam als ein Aufbäumen gegen den rasant sich entwickelnden Flugverkehr war das Schiff 1965 in Auftrag gegeben worden. Der Erfolg gab dem Unternehmen recht, und so darf System dahinter vermutet werden, wenn Cunard ausgerechnet jetzt, da die Umsatzzahlen im internationalen Kreuzfahrtgeschäft bestenfalls mäßig genannt werden können, ein Schiff bauen läßt, das sich bemüht, an Größe, Technik und Pracht alles zu übertreffen, was je auf dem Wasser geschwommen ist. Es soll vom kommenden Frühjahr an die Transatlantikverbindung der "QE2" übernehmen, wird "Queen Mary 2" heißen, schon jetzt aber von der Reederei mythen- wie werbeträchtig kurz "QM2" genannt.

          Freddy Langer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Kosten von knapp 870 Millionen Euro sind für die "Queen Mary 2" veranschlagt, das macht sie zum teuersten jemals gebauten Kreuzfahrtschiff. Mit einer Länge von 345 Metern, einer Breite von 41 Metern und einer Höhe von 72 Metern oder fünfzehn Decks ist sie zugleich das größte - der Jogging-Rundpfad auf dem Promenadendeck mißt immerhin mehr als einen halben Kilometer.

          Einzig bei der Zahl der Passagiere übt man Zurückhaltung. Trotz einer Crew von 1254 Mitgliedern bieten insgesamt 1310 Kabinen nur 2620 Gästen Platz - sehr viel Platz. Selbst die kleinsten Innenkabinen messen achtzehn Quadratmeter und sind mit einem King-Size-Bett möbliert. Die Gäste der ersten Klasse hingegen könnten Schwierigkeiten haben, sich in den 71 bis 209 Quadratmeter großen, teils zweistöckigen Suiten und Penthäusern zurechtzufinden. Neben getrennten Schlaf-, Wohn- und Eßbereichen sowie Bädern verfügen sie auch über Gästetoiletten für jene Besucher, die man womöglich an der eigenen großen Speisetafel bewirten mag. Die Suiten erreicht man über private Aufzüge, manche öffnen sich zu einem eigenen Sonnendeck - 94 Prozent aller Kabinen haben einen Balkon. Vom Whirlpool der Grand Duplex Suiten aus schaut man übers Meer. Die Panoramafenster der Royal Suiten geben den Blick sogar direkt über den Bug des Schiffs frei - identisch mit der Sicht des Kapitäns von der Brücke aus.

          Eine dezente Form des Art deco

          Für die Ausstattung der "Queen Mary 2" wurde eine dezente Form des Art deco gewählt. Vornehm klare Linien und viel Licht bestimmen ebenso die sechs Etagen hohe Lobby wie die zwei und drei Etagen hohen Restaurants. Es wird zehn Restaurants unterschiedlicher Kategorien geben, zudem knapp zwanzig Bars und Lounges - von Pub und Wintergarten Cafe samt eigenem Wasserfall bis Cigar Lounge und Nachtclub. Unterhaltungsprogramme finden im Royal Court Theater statt, mit Platz für 1094 Gäste, und im Planetarium "Illuminations" für knapp fünfhundert Gäste. Es ist die erste Sternwarte auf einem Schiff - sie wird zugleich als Kino dienen. Der "Queen's Room" mit ebenfalls mehr als fünfhundert Sitzplätzen verwandelt sich abends zum Ballsaal.

          Dafür, daß dort niemand aus dem Takt kommt, soll das neuentwickelte vibrations- und geräuscharme Antriebssystem mit vier sogenannten Mermaid TM Azipod-Motoren (Azimuthing Electronic Propulsions Drive) garantieren. Die Motoren erzeugen 157000 PS und machen die "Queen Mary 2" mit einer Höchstgeschwindigkeit von dreißig Knoten, etwa 56 Stundenkilometer, zum zweitschnellsten Kreuzfahrtschiff der Welt - nach der "Queen Elizabeth 2". Auch bei der Manövrierfähigkeit werden neue Maßstäbe gesetzt: Ohne Hilfe von Schleppern kann sich die "QM2" um die eigene Achse drehen.

          Immer rund um die Welt

          Die "Queen Mary 2" geht am 12. Januar 2004 von Southampton aus auf Jungfernfahrt. Die Reise wird über Madeira, Teneriffa, Las Palmas, Barbados und St. Thomas nach Fort Lauderdale in Florida führen. Mitte April soll sie zum ersten Mal von Southampton nach New York fahren und sich dort am 25. April 2004 zur Flaggenübergabe mit dem bisherigen Flaggschiff der Reederei, der "QE2", treffen. Nach einer gemeinsamen Fahrt nach England wird die "QE2" fortan auf Weltumrundungen und Kreuzfahrten gehen.

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