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Schiffahrt : Die Kunst der Navigation

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Auf dem Wasser fällt Orientierung schwer. Kein Baum und kein Kirchturm geben dem Auge Halt, es gibt keine Wege und keine Schilder. Wellentäler und Wellenberge ähneln einander zum Verwechseln. Hinzu kommen Winde und Strömungen, die einen abdriften lassen.

          Auf dem Wasser fällt Orientierung schwer. Kein Baum und kein Kirchturm geben dem Auge Halt, es gibt keine Wege und keine Schilder. Wellentäler und Wellenberge ähneln einander zum Verwechseln. Hinzu kommen Winde und Strömungen, die den Bootsreisenden in Richtungen abdriften lassen, in die er gar nicht fahren will. Deshalb wurden die ersten Seereisen immer in Küstennähe unternommen. Mit einem Lot kontrollierte man die Tiefe und hangelte sich so von Bucht zu Bucht. Auch die Geschwindigkeit eines Schiffs ließ sich mit einfachen Mitteln bestimmen. Man warf ein Holzstück über Bord, das an einer Leine befestigt war. Während das Schiff das Holzstück passierte, wurde die Leine abgerollt, die alle sieben Meter mit einem Knoten versehen war. Die Fahrzeit von einem Knoten zum nächsten wurde mit einer Sanduhr gestoppt.

          Im zwölften Jahrhundert entdeckten Chinesen, daß der Nordpol magnetisch ist. Sie nutzten die Erkenntnis für den Bau eines Kompasses. In dieser Zeit zeichneten Araber die ersten Seekarten. Ihre Informationen basierten jedoch vor allem auf Erzählungen und Legenden. Entsprechend phantasievoll waren die Karten gestaltet. Neben Inseln, Buchten und Untiefen verzeichneten sie auch Verstecke von Seeschlangen und Sagengestalten.

          Rettung dank des Jakobstabs

          Gute Karten galten als überaus wertvoll, man gab sie selten aus der Hand. Heuerte ein Kapitän auf einem Schiff an, brachte er meist sein eigenes Kartenmaterial mit. Auch die Wikinger wagten sich früh aufs offene Meer. Dabei vertrauten sie ihrem Gefühl und den Beobachtungen der Natur. Der Zug der Vögel, Meeresströmungen und Windrichtungen nutzen sie zur Navigation.

          Die Astronomie hatte es vielen Seefahrern angetan. Im Jahre 1342 baute Levi Ben Gerson aus Katalonien den Jakobstab, ein Meßinstrument, um die Höhe der Sonne oder des Polarsterns über dem Horizont zu messen. Gerson verschob zwei auf einem Lineal angebrachte Schieber, bis einer mit dem Horizont und der andere mit der Sonne übereinstimmte. Mit einer Formel konnte er ausrechnen, auf welchem Breitengrad er sich gerade befand. Das war ein großer Fortschritt, aber der entscheidende Durchbruch bei der Positionsbestimmung war noch nicht gelungen. Es fehlten Seekarten, auf denen Längen- und Breitengrade winkeltreu zueinander abgebildet sind.

          Das Risiko des Koppelns

          Aber auch wenn die großen Entdecker eine solche Karte besessen hätten, wären sie zunächst wohl weiter auf gut Glück unterwegs gewesen. Lange gab es keine Methode, den Längengrad auf See zu bestimmen. So blieb Seehelden wie Kolumbus, Magellan oder Cook nichts anderes übrig, als mitzukoppeln. Koppeln heißt, daß man in festgelegten Zeitabständen, anhand von Kompaßkurs und zurückgelegter Entfernung seine vermutete Position in die Karte einträgt. Es ist vor allem auf langen Strecken eine recht ungenaue Methode. So kam es, daß sich die meisten spektakulären Entdeckungen fremder Gestade "Kapitän Zufall" verdankten. Kolumbus wähnte sich in Indien, als er vor Amerika ankerte. James Cook traf bei seinen Forschungsreisen ungewollt auf die Sandwich-Inseln und Südgeorgien. Und Magellan segelte, ohne es zu wollen, bei seiner Suche nach Gewürzinseln, als erster einmal um die Welt.

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