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Saudi-Arabien : Sand in Sicht

  • -Aktualisiert am

Durch die Wüste: Die Riyadh-Wüste bei Sonnenuntergang Bild: AFP

Alles wächst in Saudi-Arabien: die Bevölkerung, die Wüstenstädte, der Tourismus. Aber für dieses Wachstum gelten strenge Regeln. Genauso wie für die Touristen, die sich zu einer Reise in das wirtschaftlich boomende Königreich entschließen.

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          In der Wirtschaftsmetropole des Königreiches Saudi-Arabien machen sich männliche Muslime zur kleinen Pilgerfahrt, der Umrah, auf. Sie tragen weiße Handtücher, ungesäumt, locker um Hüften und Schulter. Tausende wollen zur Kaaba in Mekka, nur achtzig Kilometer entfernt. Einige, bereits auf dem Rückweg, schleppen Fünf-Liter-Kanister voller Zamzam, dem heiligen Quellwasser. Terrorsicher eingeschweißt in dicke klare Folie, reist das heilige Wasser als Bordgepäck in die EU. Unter die weißbetuchten Männer mischen sich Frauen. Sie tragen die schwarze bodenlange Abeya, dazu Kopftuch oder Gesichtsschleier. Die Kleiderordnung ist nicht nur dem Glauben geschuldet: Sie ist gesetzlich festgelegt und auch für Touristinnen Pflicht. Swimmingpool in Fünf-Sterne-Hotels? "Sorry, Ma'm, it's illegal for ladies!"

          Es gibt Regeln für Touristen. Unverheiratete Frauen müssen das 29. Lebensjahr vollendet haben und immer Abeya tragen. Die Reisegruppe muss immer zusammen, immer beim Guide, meist bei der Security bleiben. Bewaffnete Sicherheitskräfte eskortieren den Reisebus. Die Heiligen Stätten sind für Kuffar, Ungläubige, nicht zu betreten. Rings um Mekka und Medina trennen Autobahnabfahrten Muslime von Nicht-Muslimen. Vergehen gegen das Alkoholverbot werden mit achtzig Stockschlägen oder drei Jahren Gefängnis geahndet. Vergehen gegen die Drogengesetze mit dem Schwert.

          Heute dient das Arrival Gate des Flughafens Dschidda als Tor zu den Heiligen Stätten des Islams. Seit Jahrhunderten liegen sie in der Obhut des Königs und sind, dank der wachsenden Pilgerzahlen, für Abdullah bin Abdul Asis al Saud eine sichere Einnahmequelle.

          Dorthin kommen nur bevorzugte Touristen: König Abdullah von Saudi-Arabien führt George W. Bush seine Pferde vor
          Dorthin kommen nur bevorzugte Touristen: König Abdullah von Saudi-Arabien führt George W. Bush seine Pferde vor : Bild: dpa

          Niemand hier käme auf die Idee, diesen Tag einen Mittwoch im April zu nennen. Es ist Rabi At-Thani, der zehnte Tag im zweiten Frühlingsmonat des islamischen Kalenders im Jahre 1429 nach Hidschra, also nachdem Mohammed ibn 'Abd Allah ibn 'Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn 'Abd Manaf al-Quraischi aus Mekka in die Welt auszog und den Islam verkündete. Und für jeden Jünger das Gebot erließ, zumindest einmal im Leben zur Kaaba ("Kubus") zu pilgern. Den Stein verehrten die Araber der Halbinsel bereits in vorislamischer Zeit, in der Dschahiliya ("Dunkelheit"). Bereits die Quraisch, der Stamm, aus dem Mohammed kam, verdiente mit Tourismus Geld. Das Geschäft mit der Reise ist in diesem Land älter als Islam und Königreich.

          Alles funkelt

          Nun sind der Ausbau der staatlichen Infrastruktur sowie Investitionen in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar für die nahe Zukunft geplant. Ein guter Teil davon führt nicht nur zu Megaprojekten wie dem Bau der "King Abdullah City" rund hundert Kilometer nördlich von Dschidda, sondern fließt auch in die Förderung des Tourismus für Nicht-Muslime. "Kein Individual-, kein Massentourismus, keine Visa für Russinnen!", erklärt Ahmed Mostafaa, der mit seiner Reisegesellschaft "Sadd Al-Smallaghi Establishment" rund achtzig Prozent der Nicht-Pilger-Touristengruppen betreut. Rund 2000 Menschen aus Deutschland, Japan und England kamen im ersten Quartal dieses Jahres. Zu jeder Hadsch, der großen Pilgerfahrt in der Saison, sollen bald sechs Millionen kommen. Sobald die Logistik geschaffen ist: Ausbau des Luxuspilgertourismus, Sieben-Sterne-VIP-Service an den Pilgerstationen.

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