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Sardinien : Smaragdener ist das Wasser nirgendwo

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Überall zu finden: Nuraghen, prähistorischeTurmbauten der Bonnanaro-Kultur Bild: Jupiterimages

Zwischen Teufelstöter und Wildschweinjagd zeigt sich Sardinien von seiner lyrischen Seite. Nacktbaden, idyllische Cafés und und Wildpferde mit verlorenem Blick lassen Felix Römer schwärmen.

          6 Min.

          Meine liebe Wiener Freundin, wenn Du wüsstest, wie schön es auf Sardinien ist - vor allem jetzt, wenn die Zitronen blühen! Und schon wieder ohne Dich. Wochenlang habe ich diese Insel von meinem Sofa aus bereist, mit Landkarte und einem alten Baedeker aus dem Jahre 1926, wie ich das so gerne mache, wenn man vor lauter Trübsinn den Berliner Winter nicht mehr aushält. Ich hatte schon wieder so eine Sehnsucht nach dem Meer und stellte mir all die schönen Strände vor, wo sich im Sommer die Schönen und Reichen tummeln, und habe mir im Geiste schon manchen Wildschweinbraten auf der Zunge zergehen lassen, um ihn mit einem kräftigen Schluck vom roten Cannonau hinunterzuspülen.

          Meine Liebe, schon lange nicht mehr hat mich meine Phantasie so kläglich im Stich gelassen. Es war nämlich alles noch viel schöner. Eine Stunde nach meiner Ankunft war ich auch schon im Wasser, in dem noch kühlen, aber herrlich erfrischenden. Und natürlich gleich an der Costa Smeralda, denn ich wollte wissen, ob diese Küste auch ihren Namen verdient. Glaub mir, sie heißt zu Recht so, und smaragdener ist das Wasser nirgendwo. Ich bin einen schmalen Schotterweg entlanggefahren, Richtung Cala Liscia (das darfst du jetzt wirklich niemandem weitersagen!), von dem Du an die schönsten Strände hinabspazieren kannst. Wäre vor ein paar Wochen ein Strandmacher zu mir nach Hause gekommen, um mich nach meinem Idealstrand zu fragen, ich hätte ihn so beschrieben, wie ich ihn hier vorgefunden habe.

          Ein offenes Café findest du überall

          Kleine, leicht oval geschwungene Buchten mit einem feinkörnigen, in zartrötlichen Farben leuchtenden Sand. Herrlich knorrige, vom Wind gekrümmte Pinien schützen Dich gegen die Sonne, und zwischen Ginster, Wacholder und kleinen Lorbeerbäumen kannst Du Dein Mittagsschläfchen halten. Und wo im Sommer sicher nicht nur die Sarden wie die Sardinen liegen, ist jetzt niemand. Ich kam mir schon wie Robinson Felix Caruso vor, als ich, meiner Kleider entledigt, ein Nacktbad genoss und dann zum Trocknen im Sand immer auf und ab lief, und vor lauter Glück einfach immer singen musste.

          Jetzt höre ich Dich schon fragen, wo ich dann meinen Kaffee getrunken habe, wenn sich noch bis in den Frühsommer hinein Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Meine Liebe, ein offenes Café findest du überall, selbst in den kleinsten Dörfern. Nimm das in Porto Cervo. Im Hochsommer liegen dort die teuersten Yachten der Welt. Jetzt kannst du die Boote an einer Hand abzählen. Nach meinem Sonnenbad habe ich den Kaffee im berühmten „Il Portico“, auf der Piazzetta mit feinem Meerblick, getrunken. Ein Platz, wo sich zur Hochsaison eine Nobelboutique neben die andere reiht. Die Hauptkundschaft in den meisten Cafés an der Küste sind in der Vorsaison Bauarbeiter.

          Wie Neapel, nur kleiner, steiler und ohne Camorra

          Denn gebaut wird vor allem jetzt, damit die gestressten Multimillionäre im Sommer vom Hämmern und Sägen nicht nervöser werden, als sie eh schon sind . . . Allein der täglichen Spektakel der sardischen Bauarbeiter wegen hat sich die Reise schon gelohnt. Bei denen könntest auch Du Dir Deine Melancholie in kürzester Zeit fortlachen. Stell Dir ein Lokal vor, wo sich ein Dutzend alter und junger lavoratori zum Feierabend dem Po-und-Schenkelklatscher-Spiel hingeben. Ja, Du hast richtig gehört. Einer schleicht sich mit Unschuldsmiene an den anderen heran, um dann plötzlich mit offener Handfläche ganz fest auf den Po oder die Oberschenkel des vor ihm Stehenden zu klatschen. Treffer. Das alles unter großem Gejohle und Gelächter der anderen.

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