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Rußland : Luxushotels drängen nach Moskau

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Hochhäuser waren im Moskauer Stadtbild bisher eher die Ausnahme, sieht man von den Prunkbauten der Stalin-Ära ab. Seit kurzem aber ragt an der Ostspitze der Kreml-Insel ein ultramoderner runder Turm in den Himmel, wie ihn die russische Hauptstadt noch nicht gesehen hat.

          Hochhäuser waren im Moskauer Stadtbild bisher eher die Ausnahme, sieht man von den Prunkbauten der Stalin-Ära ab, die mit ihrem Zuckerbäckerstil immer noch die Blicke auf sich ziehen. Seit kurzem aber ragt an der Ostspitze der Kreml-Insel, umspült von Moskwa und Obwodny-Kanal, ein ultramoderner runder Turm in den Himmel, wie ihn die russische Hauptstadt noch nicht gesehen hat. In dem 34 Stock hohen Gebäude residiert das neueste Hotel der Stadt, das Swissotel Krasnye Holmy mit 235 Zimmern. Es ist ein Beispiel, wie sich Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow den Aufbruch seiner Stadt in die Zukunft vorstellt. Das ehrgeizige Stadtoberhaupt hat sich auf die Fahnen geschrieben, spektakuläre Hotels in die Metropole zu holen, die damit bisher im Vergleich zu ihrer Größe eher spärlich gesegnet ist. Etwa zehn Häuser in Moskau sehen sich selbst als Fünf-Sterne-Herbergen, doch nur das Kempinski Baltschug, das zwei Jahre alte Ararat Hyatt, das Marriott Aurora und das National erfüllen in westlichen Augen diesen Anspruch. Die an London verlorene Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 dürfte die Hotelentwicklung gebremst haben, zur Zeit gibt es 178 Hotels mit etwa fünfunddreißigtausend Zimmern.

          Hohe Preise, knappe Betten

          Während weiterhin ein Mangel an guten Mittelklassehotels herrscht und auch ein Drei-Sterne-Zimmer 160 Euro kosten kann, expandiert vor allem die Fünf-Sterne-Hotellerie - weil nur sie für die Investoren die nötigen hohen Investitionen wieder hereinholen kann. Im kommenden Jahr soll an der Twerskaya-Hauptstraße auf dem Gelände des ehemaligen Intourist-Hotels ein Ritz Carlton eröffnen, gleich gegenüber am Manegeplatz sollen Teile der alten Außenmauer des früheren Moskwa-Hotels in einen Komplex integriert werden, der von 2007 an ein neues Four Seasons beherbergen wird. Am auffälligsten allerdings wird sich jenes Stadtviertel unweit des Roten Platzes am Ufer der Moskwa verändern, auf dem seit Sowjetzeiten Europas größtes Hotel steht, das Rossia. Zum Jahresende 2005 gehen in dem Sechstausend-Betten-Komplex endgültig die Lichter aus, und der Abriß beginnt. Geplant sind auf dem Areal fünf neue Hotels mit jeweils siebenhundert bis tausend Betten, die im Stadtzentrum an Stelle des sowjetischen Massenquartiers für mehr Individualität sorgen sollen. Auch das nahe des Kiewskaya-Bahnhofs aufragende Gebäude aus Stalin-Zeiten, in dem heute das Hotel Ukraina weiter existiert, ist von Veränderungen betroffen - die 74 000-Quadratmeter-Immobilie soll versteigert und teilweise in Wohnungen umgewandelt werden.

          Mit zweiundsiebzig Flaschen

          Doch das ist alles Zukunftsmusik, während das Swissotel Krasnye Holmy (zu deutsch Rote Hügel) bereits Gäste empfängt. Erstmals in Moskau vermittelt ein neues Hotel dieser Klasse einen in sich geschlossenen gestalterischen Eindruck, der sogar im Ararat Hyatt fehlt. Mit durchschnittlichen Raten von 285 Euro je Nacht wird deutlich, wie hoch das Preisniveau in Moskau ist. Die russische Hauptstadt zählt zu den teuersten Zielen Europas. Für dieses Preisniveau allerdings bietet das Swissotel unter seinem deutschen Management eine angemessene Gegenleistung. Die modern und trotzdem wohnlich gestalteten Zimmer zählen zu den geräumigsten in Moskau und bieten dank Verglasung vom Boden bis zur Decke und der runden Gebäudeform hervorragende Ausblicke. Die von australischen Innenarchitekten entworfenen Räume zeigen viel Glas und Kastanienholz in warmen Farbtönen.

          Überzeugend ist auch schon das Niveau des Service, was bei neuen Fünf-Sterne-Häusern in Moskau so kurz nach der Eröffnung ein Problem sein kann. Oft fehlt es russischen Hotel-Mitarbeitern an Fremdsprachen-Kenntnissen, bisweilen auch an der Mentalität. Die Präsidentensuite im achtundzwanzigsten Stock bietet außer einem grandiosen Blick und der Sauna auch ein Weinregal mit zweiundsiebzig Flaschen, deren Nutzung im Preis von 1750 Euro pro Nacht enthalten ist. Getränke aus der Minibar allerdings werden einzeln abgerechnet. In der Bar in Stockwerk vierunddreißig lohnt sich auch die Aussicht auf die Gäste, jung und erfolgreich sehen sie aus.

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